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Schweiz erreicht Klimaziele wohl trotzdem nicht
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.04.2020.
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CO2-Ausstoss in Corona-Krise Die Schweiz wird das Klimaziel voraussichtlich nicht erreichen

Wenn der Verkehr und die Industrietätigkeit vermindert werden oder gar stillstehen, sinkt der Ausstoss von Treibhausgasen. Deutschland meldete, es werde sein Klimaziel für 2020 entgegen den ursprünglichen Prognosen wegen des Lockdowns doch erreichen. Wie es mit den Klimazielen der Schweiz steht, sagt Andrea Burkhardt vom Bundesamt für Umwelt (BAFU).

Andrea Burkhardt

Andrea Burkhardt

Leiterin Abteilung Klima beim BAFU

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Ihre Spezialgebiete sind die Umsetzung des CO2-Gesetzes, flexible Mechanismen des Kyoto-Protokolls, der Emissionshandel, die CO2-Abgabe und die Technologiefonds.

SRF News: Sind die Emissionen von Treibhausgasen in der Schweiz mit dem Lockdown auch rückläufig?

Andrea Burkhardt: Aussagen über derart kurzfristige Schwankungen sind nicht möglich. Der Grund ist, dass Treibhausgase nicht in der Luft gemessen werden, sondern aus Jahresstatistiken abgeleitet werden. Daher müssen wir abwarten, wie lange der Lockdown dauert und wie sich die Situation präsentiert, wenn wir in den Normalzustand zurückzukehren.

Vermutlich wird in der Statistik für 2020 ein Rückgang festzustellen sein.

Aber der Verkehr hat doch deutlich abgenommen?

Ja, dass das Verkehrsaufkommen rückläufig ist, ist augenfällig und vermutlich wird in der Statistik für 2020 ein Rückgang festzustellen sein. Aber das wissen wir wirklich erst nächstes Jahr.

Die beiden anderen grossen Bereiche neben dem Verkehr sind die Gebäude und die Industrie. Glauben Sie, dass es da zu einem Rückgang der Emissionen kommt?

Bei den Gebäuden gehen wir davon aus, dass sich die Pandemiemassnahmen neutral auswirken, weil dort der Bedarf an Heizenergie massgeblich durch die Aussentemperatur bestimmt wird. Bei der Industrie kommt es darauf an, ob die wirtschaftliche Aktivität tatsächlich zurückgeht.

Wir gehen davon aus, dass gewisse Ausfälle kompensiert werden.

Dann werden wir das sicher auch in der Treibhausgasbilanz feststellen. Allerdings stellt sich dort die Frage, ob die Produktionsausfälle später nachgeholt werden.

Rechnen Sie mit einem sogenannten Rebound, mit einem verstärkten Ausstoss, nach der Krise?

Wir können heute nur schwerlich beurteilen, wie sich das Verhalten nach Rückkehr zur Normalität präsentieren wird. Wir gehen aber davon aus, dass gewisse Ausfälle dann wieder kompensiert werden. Es wird sich auch zeigen, ob strukturelle Effekte eintreten, die sich in der Tendenz langfristig aufrechterhalten. Aber das ist zum heutigen Zeitpunkt schwer abzuschätzen.

In Deutschland zeigt sich, dass das Land wahrscheinlich das Klimaziel für 2020 entgegen vorheriger Prognosen erreicht. Was die Schweiz betrifft, geht man davon aus, dass sie ihr Ziel verfehlt. Oder ist es nun in Reichweite?

In der Schweiz präsentiert sich die Situation grundlegend anders als in Deutschland. Wir haben weniger Schwerindustrie. Der Strom wird nahezu CO2-frei produziert. Deswegen haben wir in Bezug auf die Erreichung des Ziels hier weniger Effekt. Wir sind nicht auf Zielkurs. Trotz der momentanen Ausnahmesituation werden wir das Ziel wohl nicht erreichen.

Wie weit daneben wird die Schweiz Ende 2020 sein?

Das werden wir erst 2022 wissen.

Kann man zumindest sagen, dass durch diese Pandemiemassnahmen der Ausstoss von Treibhausgasen eher sinkt als steigt?

Die Frage wird sein wie, lange dieser Ausnahmezustand anhält. Er dauert zwar gefühlt ewig im Moment, aber im Rückblick wird er vielleicht doch nicht so lange gedauert haben und nur wenige Spuren in der Treibhausgasbilanz hinterlassen.

Das Gespräch führte Klaus Ammann.

Video
Aus dem Archiv: Treibhausgase steigen massiv an
Aus Tagesschau vom 25.11.2019.
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SRF4 News, 02.04.2020, 07:40 Uhr;

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
    Die wesentliche Aussage von Frau Burkhardt ist: ......“Der Grund ist, dass Treibhausgase nicht in der Luft gemessen werden, sondern aus Jahresstatistiken abgeleitet werden. “
    Mit anderen Worten man misst nicht die Treibhausgase in der Luft, sondern berechnet ihn Kompliziert über 7 Ecken und hat dann innert 2 Jahren irgend ein Ergebnis. Sehr professionell!
    1. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Grundsätzlich kann der Treibhausgasausstoss direkt über den Betrag der verkauften fossilen Treib- und Brennstoffen berechnet werden. Dafür müsste man eigentlich nicht ein Jahr lang warten müssen. Der CO2-Gehalt kann sonst eigentlich ohnehin nur global erfasst werden (da die Atmosphäre/Wind ja nicht an den Grenzen stoppt).
  • Kommentar von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
    Die Corona-Krise hat nur zeitlich begrenzten Einfluss auf unseren CO2-Ausstoss. Fortschritte machen wir nur, wenn ein genauer Vorgehensplan für die Umstellung unserer Heizungen und den Umstieg auf Elektroautos/Wasserstoffantrieb festgelegt wird. Zudem dürfen wir unseren Strombedarf im Winterhalbjahr nicht mehr zunehmend durch eingekauften Importstrom abdecken. Wir brauchen mehr auf Winterbestrahlung ausgerichtete Photovoltaik und von uns finanzierte Windkraft-Anlagen in geeigneten Gebieten.
    1. Antwort von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
      Langfristig betrachtet müssen wir uns bewusst sein, dass erst ein kleiner Teil der weltweiten Energieversorgung mit Elektrizität abgedeckt wird. Die fossilen Brennstoffe decken nach wie vor ca. 85% des weltweit wachsenden Energiebedarfs. Ohne die Weiterentwicklung der Kernenergie-Nutzung ist die weltweite Reduktion des CO2-Ausstosses nicht zu erreichen. Kernfusionsreaktoren und Kernkraftwerke der 4. Generation stecken allerdings immer noch erst in der Entwicklungsphase.
    2. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Während die Europäischen Uranminen bereits versiegt sind, obwohl Atomenergie nur 2% des weltweiten Energiebedarfs deckt, kann mit erneuerbaren Energien der weltweite Energiebedarf mehrfach gedeckt werden. https://de.wikipedia.org/wiki/Erneuerbare_Energien#Globale_Potentiale
      Bevor die Subventionierung der fossilen Energien eliminiert wird, wird sich am hohen fossilen Energieverbrauch allerdings wenig ändern.
    3. Antwort von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
      @Noah Schmid; Da stützen Sie sich auf ganz falsche Informationen. Sie beziehen sich auf das Isotop Uran-235. Der Brennstoff der in Entwicklung stehenden neuen Kernkraftwerke sind Uran-238 und Thorium-232. Diese Isotope gibt's in riesigen Mengen. Zum Beispiel die von unseren Kernkraftwerken erst ganz leicht angebrauchten provisorisch ausgemusterten Brennstäbe besitzen noch 95% ihres Brennstoffs. Kernfusion versorgt mit einem Glas Wasser und einem Kieselstein eine ganze Familie ein Jahr lang.
    4. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      @Jorns. Wenn schon konventionelle AKW überhaupt nicht mehr konkurrenzfähig sind, werden es komplexere Brüter erst recht nicht sein.
      Das neue 3.2 GW AKW in England erhält insgesamt eine Vergütung von 145 Milliarden Pfund (10 Jahre Bauzeit, 90% Ausnutzungsgrad und 2% Inflation). Mit diesem Betrag könnte man z.B. 100 GW Windkraft finanzieren. Damit würde man 10 mal mehr Strom erhalten ohne Uranabhängigkeit, Restrisiken und hohen Rückbaukosten. Wind ist im Gegensatz zu Uran/Thorium zudem gratis.
    5. Antwort von Benedikt Jorns  (Benedikt Jorns)
      @Noah Schmid; Wenn wir erneuerbare Energien und Kernenergie gegeneinander ausspielen, kommen wir nie ans Ziel. Die Abdeckung des heutigen Stromverbrauchs ist nur ein kleiner Teil unserer Aufgabe. Wir müssen den gesamten weltweit stark steigenden Energiebedarf vom heutigen immensen CO2-Ausstoss befreien. Erneuerbare Energien und Kernenergie sind auch zusammen leider noch sehr weit von diesem Ziel entfernt.
    6. Antwort von Noah Schmid  (Schmid)
      Herr Jorns. Man soll nichts ausspielen, sondern einfach die Lösungen nehmen, die für einen gegebenen CHF/EUR/USD am schnellsten den CO2-Ausstoss reduzieren. Das können Effizienzmassnahmen oder erneuerbare Energien sein. Bei Kernenergie ist es leider so, dass neue Reaktoren viel zu teuer sind und eine viel zu lange Bauzeit ausweisen. Finnland baut seit 15 Jahren an einem neuen AKW und das hat bis jetzt weit über 10 Milliarden Euro verschlungen aber noch keine einzige kWh produziert.
  • Kommentar von Daniel Ackermann  (saskilte)
    Eine Million Schweizer wurden soeben "entlassen", in den USA 10 Millionen in den letzten beiden Wochen. Seid Ihr sicher die Menschen werden Klima noch als Problem betrachten?
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Daniel Ackermann: Ja, denn die Entlassenen müssen ja auch leben und werden vom Staat unterstützt. Sobald die Massnahmen wieder aufgehoben werden, konsumieren die Menschen wieder was das Zeugs hält. Diese Nachfrage schafft sich das entsprechende Angebot und die Menschen werden wieder eingestellt. Die Klimaerwärmung kann aber erst gestoppt werden, wenn wir die Treibhausgase drastisch reduzieren. Schaffen wir das nicht, wird die Erde ein immer unangenehmerer Planet zum leben. Viren hin oder her.