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Grünen-Präsident Glättli im Interview
Aus News-Clip vom 17.06.2021.
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CO2-Gesetz abgelehnt Müssen Sie lauter werden, Herr Glättli?

Die Grünen waren in den letzten anderthalb Jahren ziemlich erfolgsverwöhnt. Am Sonntag aber mussten sie mit der Ablehnung des CO2-Gesetzes, das sie mitunterstützt hatten, eine grosse Niederlage einstecken. Grünen-Präsident Balthasar Glättli tröstet sich mit parlamentarischen Erfolgen im Nationalrat und erklärt, wie seine Partei trotz Kompromissen für die Klima-Jugend attraktiv bleiben will.

Balthasar Glättli

Balthasar Glättli

Präsident Grüne Schweiz

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Glättli (48) sass von 1998 bis 2011 für die Grünen im Zürcher Stadtparlament. 2011 wurde er erstmals in den Nationalrat gewählt. Seit 2013 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Grünen Schweiz. Zudem ist er unter anderem im Vorstand des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband (SMV) und bei Solidarités sans Frontières.

SRF News: Bei der Ausarbeitung des CO2-Gesetzes hielten sich die Grünen mit extremen Forderungen zurück. Genützt hat das wenig...

Balthasar Glättli: Das ist sehr bedauerlich. Es war ein Kompromiss, bei dem wir uns sehr zurückgehalten haben, damit auch eine breite Abstützung vorhanden ist. Mit der parlamentarischen Initiative von Bastien Girod am Mittwoch haben wir nun zumindest im Nationalrat ein Gesetz verabschiedet, welches die erneuerbaren Energien massiv ausbaut. Das macht die Niederlage vom Sonntag nicht besser, aber wir kommen trotzdem Schritt für Schritt weiter.

Wir sind nicht zufrieden mit den kleinen Schritten, aber kleine Schritte sind besser als gar nichts.

Bei der Initiative war schlussendlich sogar die SVP dafür. Auch das ist eine breit abgestützte konziliante Vorlage...

Im Umfang von drei AKW Erneuerbare zu bauen, ist nicht ohne. Das ist auch etwas, das ich immer vor den Wahlen sagte, als ich noch nicht Parteipräsident, sondern Kampagnenleiter war: Wählt Grün, dann werden auch die anderen Parteien grüner. Das ist ein Beweis dafür, dass diese These stimmt.

Gehen Sie mit den Kompromissen nicht das Risiko ein, dass Sie doppelt verlieren? Einerseits bei Abstimmungen wie am Sonntag, auf der anderen Seite, dass Sie Ihre eigene Basis wie die Klima-Jugend vergraulen?

Ja, darum haben wir auch immer aufgezeigt, dass wir mehr wollen. Es ist ja nicht so, dass wir nicht auch innerhalb dieser Vorlage immer wieder Minderheiten hatten, die wir schliesslich verloren haben. Zum Beispiel wollten wir den Finanzplatz stärker in die Verantwortung nehmen, was uns nicht gelungen ist.

Wir haben Jahre oder Monate verloren.

Ihr früherer Nationalratskollege, Jo Lang, hat getwittert: «Die CO2-Vorlage wurde ohne Klimabewegte ausgearbeitet, dadurch bekam sie einen Charakter, den die Buchhalter sehen, und nicht die Umweltgeister ansprach»...

Am Schluss sprach man über Rappen und nicht über Milliarden. Denn eigentlich geht es darum, unser Energiesystem und Transportsystem in ein postfossiles Zeitalter zu transformieren. Ohne Öl, Gas, Kohle, und Kerosin. Das sind riesige Investitionsentscheide, und darum finde ich es auch spannend, wie die Diskussion nun weiterläuft. Nun spricht man plötzlich davon, dass sich möglicherweise auch der Staat selbst stärker engagieren müsste. Das ist eine gute Richtung, welche diese Diskussion nimmt. Aber wir haben Jahre oder Monate verloren.

Einerseits möchten die Grünen weiterkommen, dafür muss man Kompromisse suchen. Andererseits will man die nächsten Wahlen wieder gewinnen. Müssen Sie lauter werden?

Wir müssen laut bleiben. Wir haben gesagt, dass wir bis 2030 klimaneutral sein wollen, bis 2040 sogar klimapositiv. Das ist eine viel ambitioniertere Politik. Und diese haben wir auch mit Vorstössen ins Parlament eingebracht. Wir sind nicht zufrieden mit den kleinen Schritten, aber kleine Schritte sind besser als gar nichts.

Das Gespräch führte Gion-Duri Vincenz.

Tagesschau, 17.6.2021, 18:00 Uhr;

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102 Kommentare

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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    Das Problem: wenn Glättli noch lauter wird, drehe ich die Lautstärke bei linkem Programm noch weiter runter. Aufdass mich gar kein Anliegen aus dieser Ecke mehr erreicht...
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Mike Steiner: Glättli ist nicht das Klima, sondern wir alle sind das Klima. Sie können Glättli also ruhig abschalten und sich selber Gedanken über das machen, was Ihre und meine Kinder werden ausbaden müssen.
  • Kommentar von Marcel Lehmann  (Mike123)
    Herr Glättli, bringen sie einfach eine technisch machbare Lösung und alle werden sie voll unterstützen. Das E-Autos noch dreckiger sind als ein Diesel, dass kein einziges der Windräder in der CH nur annähern das brachte was Grüne versprochen haben etc. etc. ist etwas, das alle Normalbürger ebenso bedauern. Deshalb statt Verbote und den Atem anhalten, damit weniger Gas ausgeatmet wird, helfen nur umsetzbare echte Lösungen. Daran sollten die Grünen arbeiten und sie werden zu 100% unterstützt, ok`?
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Marcel Lehmann: Das CO2-Gesetz beinhaltete eben gerade keine Verbote, sondern arbeitete mit in der Ökonomie bewährten finanziellen Anreizen. Da wir uns jetzt aber treibhausgasmässig in die falsche Richtung bewegen werden, ist es, befürchte ich, nur eine Frage der Zeit, bis die Verbote, vor welchen Sie zu Recht warnen, in der Not kommen werden. Dann werden wir die Klimaziele zu sehr viel höheren Kosten, als über Anreize, erreichen müssen. Ziehen Sie sich also warm an und halten Sie die Luft an.
    2. Antwort von Walter Matzler  (wmatz)
      Es ist nicht falsch wenn Leute dort wo sie Einfluss haben für ihr Verhalten zur Kasse gebeten werden. Das abgelehnte CO2-Gesetz hätte das in Teilen gemacht. Bezüglich Heizung wären jedoch sehr viele Menschen belastet worden, obwohl sie gar keine Möglichkeit zum Ausweichen gehabt hätten. Das haben die Befürworter leider nicht berücksichtigt.
    3. Antwort von Edwin Schaltegger  (Edwin Schaltegger)
      Wenn jemand heute noch solchen "Humbug" behauptet, dass ein Dieselmotor umweltfreundlicher als ein Elektroauto ist, der sollte sich mal über die wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema informieren.
    4. Antwort von Patrick Meier  (Pat69)
      @Erwin Schaltegger: Es kommt darauf an, welchen Strommix man hinterlegt. In D ist der Diesel tatsächlich umweltfreundlicher, in der Schweiz nicht. Dass man bei E-Autos mit einem Emissionswert von 0 rechnet, so wie die EU das tut um die durchschnittliche Emission einer Fahrzeugflotte zu berechnen ist natürlich absolut falsch. Nur weil man den Auspuff in die Schornsteine der Kohlenkraftwerke verlegt verschwinden die Emissionen ja nicht.
    5. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      E. Schaltegger betr. Dieselmotor dies weiss ich nicht. Aber was das material betreffend Akkus angeht, habe ich gelesen, dass dies aus einer tiefen Erdschicht hervor geholt werden muss. Nicht in der Schweiz sondern im Ausland, wo andere Arbeits-Verhältnisse, bestehen. Wenn ein E-Auto verunfallt und brennt, ist dieses kaum Löschbar und muss verschossen abtransportiert werden mit einem Spezialauto, dies hörte ich von einem Feuerwehrmann. Was meint denn die Wissenschaft hierzu, betreffend gefahren?
  • Kommentar von Hans König  (Hans König)
    Extrempolitik - ob von links oder rechts - hat in der Scheiz in der Regel kein Erfolg. Da haben sich schon einige Politiker/innen vergaloppiert.
    1. Antwort von Francis Waeber  (Francis Waeber)
      Würde ich so nicht unterschreiben. Allerdings gilt dies für "nützliche Politik" doppelt und dreifach..... ;-))
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Hans König: Was meinen Sie mit Extrempolitik? Die Revision des CO2-Gesetzes war alles andere als extrem. Es war die Fortführung der seit 20 Jahren bewährten Energie- und Klimapolitik der Schweiz, welche jetzt abrupt gestoppt wurde. Im National- und Ständerat stimmte eine grosse Mehrheit für die Revision. Leider war das Engagement dafür zu kämpfen bei vielen Politikern auf Sparflamme. Man debattierte lieber über das jetzt gestorbene Rahmenabkommen, statt über die (kompliziertere) Klimapolitik.