Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona-Krise: «Die Medien haben vielfältig berichtet»
Aus Echo der Zeit vom 29.07.2020.
abspielen. Laufzeit 06:16 Minuten.
Inhalt

Corona-Berichterstattung fög-Studie: Schweizer Medien lieferten «relativ hohe» Qualität

  • Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich hat die Berichterstattung der Medien während der Coronavirus-Pandemie untersucht.
  • Das Fazit: «Die Berichterstattung war qualitativ relativ hoch.»
  • Doch es gibt auch Kritik. So hätte es beim Umgang mit Zahlen und Statistiken Probleme gegeben – und vor dem Lockdown sei zu wenig kritisch berichtet worden.

Studie und Methode

Textbox aufklappenTextbox zuklappen

Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich hat die Medienbeiträge zur COVID-19-Pandemie in der Deutsch- und in der Westschweiz zwischen Januar und Juni 2020 mittels quantitativen Inhaltsanalysen untersucht.

Anhand einer automatisierten Inhaltsanalyse wurde in 34 Schweizer Nachrichtenmedien zum einen das komplette Berichterstattungsvolumen über das Coronavirus beziehungsweise Covid-19 im Zeitverlauf ermittelt. Zum anderen wurden sämtliche in den Beiträgen erwähnten wissenschaftlichen Akteure erfasst.

Mit einer manuellen Inhaltsanalyse wurden für eine repräsentative Stichprobe von 22 Nachrichtenmedien aus der Deutschschweiz und der französischsprachigen Schweiz Informationen zum berichteten Inhalt, wie das dominierende Thema, die betreffende gesellschaftliche Sphäre, die zu Wort kommende Expertin oder der Experte und der geografische Bezugsraum erhoben.

Bis zu 70 Prozent der gesamten Berichterstattung hätte sich an manchen Tagen im ersten Halbjahr 2020 um das Thema Coronavirus gedreht, schreibt das fög. Dabei hätten die Medien ein vielfältiges Spektrum mit Themen aus Medizin, Politik und Wirtschaft abgedeckt.

Während die Studie der Medienberichterstattung in Bezug auf Vielfalt und Relevanz insgesamt eine hohe Qualität zuschreibt, hätten die Medien in der sensiblen Phase vor dem Lockdown zu wenig kritische Distanz zu Regierung und Behörden gehabt. Auch für den Umgang mit Zahlen und Statistiken gibt es Kritik: Beiträge dazu blieben «häufig ohne Einordnung».

Im wissenschaftlichen Bereich dominierten laut Fög Expertinnen und Experten aus der Virologie, Epidemiologie oder Immunologie. Unter den 30 Forschenden, die in den Medien im untersuchten Zeitraum am häufigsten Resonanz erhalten hätten, befänden sich nur lediglich drei Ökonomen.

Sprachregionale Unterschiede

Auch sprachregionale Unterschiede bei der Berichterstattung finden in der Studie Beachtung: Die Medien aus der französischsprachigen Schweiz berichteten demnach stärker über die Bedrohung des Coronavirus für die Gesundheit, was mit der hohen Infektionsrate in der französischsprachigen Schweiz zu erklären sei. Auf der anderen Seite falle die Behördenkritik in der Deutschschweiz stärker aus als in der französischsprachigen Schweiz.

Hohe Qualität beim öffentlichen Rundfunk und Abonnementsmedien

Textbox aufklappenTextbox zuklappen

Die Studie stellt Unterschiede bei den Medientypen fest. Positiv heben sich Abonnementsmedien und das öffentliche Radio und Fernsehen ab: «Sie zeichnen sich durch eine besonders hohe Vielfalt an Themen und Expertenaussagen, einer höheren Relevanz und mehr Einordnungsleistungen aus.» Dabei hätten Sonntags- und Wochenmedien sowie der öffentliche Rundfunk gegenüber Behörden und Regierung die grösste kritische Distanz gewahrt.

Boulevard- und Pendlermedien seien in ihrer Berichterstattung weniger vielfältig und neigten zu einer Vermittlung von Zahlen zur Pandemie ohne Einordnung. «Eine alarmistisch-dramatisierende, nur auf Bedrohung beruhende Berichterstattung bleibt jedoch auch hier aus.»

SRF 4 News, 29.07.2020, 11:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

48 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Wer andere kritisiert, sollte auch loben und versuchen, es besser zu machen. Sternstunden fand ich die rein sachlichen Berichte über R und k, vor Allem aber den Mut zu bekennen, dass die Kapazität der Schweizer Spitäler nicht mehr als gefährdet gilt. Das Hauptproblem sehe ich wie die Studie in der Einordnung. Das grösste Interesse liegt ja bei der Frage der Verhältnismässigkeit - ob man nach schärferen Massnahmen verlangt oder das Ganze hinterfragt. Da sind die hiesigen Artikel schlicht zu kurz.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Grundsätzlich hatte ich bisweilen ein sehr mulmiges Gefühl, dass ein öffentlichrechtliches Medium dermassen augenfällig zum Ausdruck bringt, hinter der Lockdown- und Eindämmungsstrategie des Bundes zu stehen. Einerseits sollte der Entscheidung eine Güterabwägung zugrundeliegen, über die hier zu befinden unsachlich wäre. Andererseits unterliegt die Einstufung als ausserordentliche und besondere Lage derart komplexen, ungeklärten Faktoren, dass sie keineswegs als selbstverständlich gelten kann.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Marc Grut  (Pandas)
    Was ist der Nutzen genaue Zahlen zu liefern, wenn dann alle Berichte über die Corona Massnahmen einseitig ausfallen?
    Ich hab nicht einen Bericht gesehen bei dem die Massnahmen hinterfragt wurden.
    Jedoch jeder zweite Bericht hat sich darum gedreht wie gefährlich dieser Virus ist, auch wenn die Mortalitätsrate nur etwas über der Grippe liegt.
    Ich stelle den schweizer Medien ein gutes Zeugnis in Angstmacherei aus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Komisch... ich hab in diversen Medien Einschätzungen, Kommentare und Analysen zu den Massnahmen gelesen und Studien, welche die Massnahmen nach Wirksamkeit beurteilen. SRF, BZ, Tagi, NZZ, Topline etc. aber suchen müssen die Leute schon selbst. Wer mit geschlossenen Augen durch die Gegend wandert, sollte sich dann nicht beschweren, wenn er gegen eine Wand läuft
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Mica, um Hinweise auf Analysen oder Studien, die sich der Wirkung gründlicher Informationskampagnen widmen, wäre ich sehr froh. Auch würde ich sehr gern erfahren, wo man sich dem Umstand zugewendet hat, dass R in der Schweiz schon vor dem Lockdown nahe bei 1 gelegen hat. Wie steht es um die Wirkung der natürlichen Vorsicht informierter Individuen? Wie wirken sich freiwillige Bürgerinitiativen aus? Was für Massnahmen bleiben nachhaltig wirkungsvoll? - Nur bitte keine Extra-Mathematiker im Team!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Marc Grut  (Pandas)
      @mica. Dann schicken Sie mir die Links zu den Artikeln welche die Massnahmen und der Angstmachereien hinterfragen? Zuerst bitte die von SRF.
      Ich glaube nicht das Sie Belege für ihre Behauptungen haben.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      jetzt soll ich also Wasserträger für schlecht Informierte spielen? Nun gut... Unzipped auf SRF mit dem Thema "Corona-Massnahmen: Selbstverantwortung vs. staatliche Regulierung". Die kritischen Bemerkungen von Experten, was die BAG Strategie betraf und welche in 10vor10 Mitte März zu sehen waren, beschäftigte dann sogar den Ombudsmann. Nun dürfen Sie gerne eine Suchmaschine bemühen und sich durch die Medien hangeln aber das werden Sie natürlich nicht tun, weil es Ihrer Meinung nicht dienlich ist
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      @Schlatter: Der SRF Artikel zur ETH Daten "Was brachte der Lockdown wirklich?" fand ich ganz informativ. Hinter einer Paywall gab es auch bei der NZZ einen interessanten Artikel dazu. Aber auch hier muss ich sagen, dass Sie diese Informationen leicht selbst finden können.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    6. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Koller, danke für die Hinweise, sehe ich mit Freude nach! Trotzdem läuft meine Kritik an SRF online nicht darauf hinaus, dass überhaupt nicht hinterfragt wurde - wer bekommt schon alle Artikel und Sendungen mit -, sondern dass in der Mehrzahl der Artikel weder die neutrale noch sachliche Berichterstattung gewahrt wurde. Die Einschätzung der Eindämmungsmassnahmen als verhältnismässig ist politisch und weder Allgemeingut noch folgt sie logisch unter geteilten Grundannahmen aus Fakten, gar belegt!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Dorothee Meili  (DoX.98)
    Vielen Dank für die Studie, sodass ich mir doch ein eigenes Bild machen kann. Was für mich (subjektiv) ein Problem ist: es kommen in (fast) allen Medien (logisch: weil dies die arbeitende Bevölkerung, die z.T. auch um ihre Jobs bangt, ist) Menschen zwischen ca.40 und u65 vor: berichtend, einordnend, kommentierend, weiterführend.. Die Alten (scheint's ging/geht es ja um den Schutz v.a. dieser) fast nicht mehr direkt: eher z.T. vergessen, vermutet, falsch gedeutet, von 3/4 stv.Experten gezeigt?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Der Punkt ist ganz wichtig. Indem der Eindruck vermittelt wird, wir müssten alle vor diesem Virus beschützt werden, ist niemandem geholfen. Im schlimmsten Fall werden Menschen um ihre Existenz gebracht für andere, die das niemals wünschen würden, sondern einfach etwas Rücksicht bei der Aufgabe, selbst auf sich aufzupassen. Allerdings wären die behördlichen Angaben zur Risikogruppe längst zu berichtigen: Erheblich gefährdet sind sehr kranke, geschwächte Menschen, gleich welchen Alters.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen