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Zwei Wochen «Slowdown» – eine durchzogene Bilanz
Aus Tagesschau vom 11.11.2020.
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Corona-Entwicklung in Kantonen Darum sinken die Fallzahlen im Wallis – und steigen anderswo

Seit im Oktober die Corona-Fallzahlen stark gestiegen sind, haben verschiedene Kantone unterschiedlich starke Einschränkungen vorgenommen. Derweil zeigen sich erste Tendenzen in der Fallentwicklung.

Auffällig ist: Im Kanton Schwyz und im Kanton Wallis sinken die Zahlen nach einem dramatischen Anstieg im Oktober momentan am stärksten. Im Kanton Obwalden hingegen nehmen die Coronainfektionen heute pro 100'000 Einwohner am stärksten zu. Und Freiburg ist und bleibt ein Corona-Hotspot. Wir haben bei den SRF-Korrespondenten vor Ort nachgefragt.

Kanton Schwyz:

Die Lage im Kanton Schwyz hat sich beruhigt: Im Vergleich zur Vorwoche nahm die Anzahl Ansteckungen um 47 Prozent ab. Es waren Einzelereignisse, welche die Zahlen stark steigen liessen. Nennenswert ist hier das Jodelmusical «Uf immer und ewig», das weltweit für Schlagzeilen sorgte. Am Musical haben sich Ende September wegen fehlender Maskenpflicht viele der 600 Zuschauerinnen und Zuschauer angesteckt. Der Veranstalter des Musicals verweist darauf, dass genau gleichzeitig in Schwyz eine Beizen-Freinacht stattgefunden habe, die auch als möglicher Infektionsherd gedient haben könnte.

Wie dem auch sei: Solche Grossveranstaltungen sind nun schweizweit verboten und der Kanton Schwyz geht mit den Beschränkungen sogar noch etwas weiter als der Bund. Wenn also Grossveranstaltungen mit fragwürdigen Schutzkonzepten für einen starken Anstieg der Zahlen sorgen können, dann sorgt deren Absenz im Umkehrschluss für sinkende Zahlen. (Korrespondent Lars Gotsch)

Kanton Wallis:

Der Kanton Wallis hatte im Verhältnis zur Bevölkerungszahl zeitweise die meisten Corona-Infizierten. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Das kommt nicht von ungefähr. Im Wallis hat die Regierung früh durchgegriffen – früher als andere Kantone und früher als der Bundesrat. Bereits vor drei Wochen wurden die sozialen Kontakte eingeschränkt, nur noch 10 Personen dürfen sich seither gleichzeitig treffen. Clubs, Kinos und weitere Freizeiteinrichtungen wurden geschlossen.

Auch Besuche in Altersheimen und Spitälern sind nicht möglich. Gottesdienste mit mehr als zehn Personen sind verboten, Versammlungen ebenfalls. Während in anderen katholischen Kantonen am 1. November mit der gesamten Familie die Kirche und dann der Friedhof besucht wurde, war dies im Kanton Wallis nicht erlaubt. (Korrespondentin Martina Koch)

Kanton Obwalden:

In Obwalden sind die Infektions-Zahlen im Vergleich zur Vorwoche überdurchschnittlich stark gestiegen. Sie haben um neun Prozent zugenommen, während sie in den meisten anderen Kantonen abflachen. Das lässt aufhorchen, lässt sich jedoch unter anderem mit der kleinen Bevölkerungszahl des Kantons erklären.

Bei nur knapp 40'000 Einwohnern haben sogar wenige Infektionen eine sichtbare Auswirkung auf die Statistik. Wenn sich also rein hypothetisch in einer Familie mehrere Personen anstecken, dann lässt das die Infektionszahlen sprunghaft ansteigen – während es dafür in einem bevölkerungsreichen Kanton einiges mehr braucht. Es ist auch nicht so, dass in Obwalden laschere Gesetze als anderswo gelten würden. Der Kanton geht mit seinen Regeln sogar weiter als der Bund – bei Veranstaltungen gilt eine Obergrenze von 30 statt 50 Personen. Gemessen an der Anzahl Einwohner bewegt sich Obwalden bei den Infektionszahlen denn auch nach wie vor im Mittelfeld. (Korrespondent Lars Gotsch)

Kanton Freiburg:

Es gibt mehrere Vermutungen, weshalb Freiburg trotz früher Massnahmen proportional so hohe Ansteckungszahlen hat. Freiburg liegt in der Westschweiz und dort haben sich im Vergleich zum Rest der Schweiz mehr Menschen mit dem Coronavirus angesteckt. Besonders in den französischsprachigen Bezirken, von wo viele Menschen nach Lausanne, Neuenburg oder Genf pendeln, sind die Fallzahlen hoch, das spricht also für diese These.

Eine weitere Vermutung betrifft die traditionelle Bénichon-Kilbi – ein Fest, das viele Freiburger Familien im Herbst zusammen feiern. Auch Allerheiligen bringt viele Familien zusammen. Etwa 10 bis 12 Tage nach diesen beiden Ereignissen stiegen die Fallzahlen im Kanton Freiburg noch stärker an als zuvor. (Korrespondentin Martina Koch)

Tagesschau, 19.30 Uhr, 11.11.20;

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42 Kommentare

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  • Kommentar von Ernst Kuhn  (ernkuhn)
    Der Faktor "Romandie" scheint stärker zu sein als die meisten Massnahmen (siehe auch Ober- und Unterwallis). Niemand scheint der Sache aber auf den Grund gehen zu wollen. Dabei könnte dies viel zu einem besseren Verständnis des Geschehens beitragen, mehr als manche Modellrechnungen.
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    1. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Der wohl grösste Faktor ist das Verhalten der Bevölkerung. Je konsequenter und disziplinierter man die AHA-Regeln einhält und je weniger soziale Kontakte man hat, umso weniger Chancen hat das Virus.
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    2. Antwort von Melanie Maurer  (CaraMel)
      Mein Mann hatte in Lausanne bei einem Mittagessen engen Kontakt mit einer Person, die 2d darauf positiv getestet wurde. Gem. VD Kantonsarzt musste mein Mann aber nicht in Quarantäne wegen ‚nur‘ einem Essen. Er begab sich trotzdem in Selbstquarantäne, hat Symptome entwickelt, wurde darauf auch positiv getestet. Evtl. könnte die ‚Macht‘ der Kantonsärzte, die andere Anweisungen als in deutschweizer Kantonen geben, auch eine Rolle spielen. Interessant, dass dem ‚warum‘ niemand nachzugehen scheint.
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    3. Antwort von Paul Dodd  (PaulD)
      @CaraMel Ja, Sie haben vollkommen recht. Der Verhalten des Kantonsarztes finde ich daneben, da einen Essen sicher länger als 15 Minuten ist...
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  • Kommentar von Ernst Kuhn  (ernkuhn)
    Wieso macht man nicht einfach eine Umfrage bei den Infizierten in Schwyz, an welchen Anlässen sie nun wirklich waren. Sollte doch nicht schwierig sein. Dann sähe man, was die Vermutungen wert sind.
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  • Kommentar von Bernhard Schneider  (B. Schneider)
    Diese "Analyse" ist nicht fundiert. Sie folgt dem Dogma "autoritärere Einschränkungen = weniger Fälle". Das trifft nicht zu. Die besten Werte haben die beiden Basel. Zürich hat, trotz zwei der grössten Städte, viel bessere Werte als etwa Waadt und Wallis. Hinzu kommt, dass etwa das Schliessen von Fitness-Anlagen langfristig erhebliche Kollateralschäden erwarten lässt - von höherer Sterblichkeit bis zu mehr Übergewicht mit allen gesundheitlichen Konsequenzen.
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