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Curdin Vincenz: «Die Indiskretionen hatten System»
Aus Tagesschau vom 15.01.2023.
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Corona-Indiskretionen Ohne Erklärung könnte es eng werden für Alain Berset

Indiskretionen gehören zum Beruf des Journalismus, das ist in Bundesbern nicht anders. Auch die Enthüllungen über die Indiskretionen aus dem Departement von Bundespräsident Alain Berset kamen ihrerseits über eine Indiskretion zustande.

Das, was jetzt aus Akten eines Strafverfahrens von den Titeln der CH-Media-Gruppe veröffentlicht wurde, sprengt aber den üblichen Rahmen in zweierlei Hinsicht: Einmal ging es hier offenbar nicht um gelegentliche Informationen an unterschiedliche Medien, sondern es wurde ein Medienkonzern regelmässig bevorzugt behandelt. Zudem war mit dem Ringier-Konzernchef die höchste Etage eines Medienunternehmens involviert und nicht einfach ein Journalist.

Wie lange kann Berset durchhalten?

Bundesrat Berset will die Vorgänge nicht kommentieren. Er sagt nicht einmal, er habe von allem nichts gewusst. Er stellt sich auf den Standpunkt, er könne nicht Strafakten kommentieren, die durch eine Indiskretion an die Öffentlichkeit gekommen seien. Und er sei in das Verfahren nicht involviert. Es ist fraglich, wie lange der Innenminister diese Position durchhalten kann.

Noch ist Berset der beliebteste Bundesrat und hat schon einiges an Kritik und Vorwürfen überstanden. Aber hier wird er irgendwann öffentlich die Frage beantworten müssen, ob er von den Indiskretionen gewusst hatte, die sein Kommunikationschef und enger Vertrauter offenbar begangen hat. Wenn er dann keine plausible Erklärung hat, könnte es eng werden für den Freiburger Sozialdemokraten.

Auch für die SP könnte es schwierig werden

Seine Partei, insbesondere deren Führung, hat heute nur sehr schmallippig Stellung genommen. Fraktionschef Roger Nordmann stellte sich wie Berset auf die Position, er könne diese geleakten Strafakten nicht kommentieren.

Andere in der Partei bezeichneten die Situation, in die die Enthüllungen Bundespräsident Berset brächten, hinter vorgehaltener Hand als schwierig.

Schwierig könnte ein angeschlagener Bundespräsident tatsächlich auch für die SP selber werden. Ein Rücktritt mitten im Wahljahr wäre unangenehm, ein Rücktritt auf die Wahlen hin wäre ein Risiko, weil je nach Wahlausgang plötzlich der zweite Bundesratssitz der SP wieder in Gefahr wäre.

Und wenn Berset in der Kritik bleibt, aber im Dezember noch mal antritt, ist seine Wiederwahl vielleicht gefährdet. Schon bei der Wahl zum Bundespräsidenten fuhr er nur ein mageres Ergebnis ein.

Curdin Vincenz

Curdin Vincenz

Bundeshausredaktor

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Curdin Vincenz arbeitet seit 1998 für SRF. Seit 2016 berichtet er über das Geschehen im Bundeshaus – mehr als fünf Jahre für das Radio und seit Juni 2022 für das Fernsehen. Zuvor war er unter anderem als Regionalkorrespondent in Zürich und als Moderator der Radiosendung «Rendez-vous» tätig. Er hat an der Universität Bern Geschichte und Politikwissenschaft studiert.

Tagesschau, 15.01.2023, 13:00 Uhr

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148 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend liebe SRF-Community! Viele sind sich einig: Es braucht jetzt enorme Transparenz von den Medien, Berset sowie seinem Kommunikationsteam. «Indiskretion» sei sogar ein viel zu niedliches Wort, um die Kommunikation zu beschreiben. Bersets Skandale hätten sich gehäuft. Das Vertrauen in ihn sei verloren. Andere fragen sich, wie viel Berset wirklich gewusst hat. Für sie ist Berset unschuldig, da die Sache erst aufgeklärt werden muss. Das Thema bleibt spannend. Wir danken für die hitzige Debatte und schliessen die Kommentarspalte für heute. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Philipp Notter  (Phil1)
    Die SP täte gut daran, ihren Ständerat Daniel Jositsch in Stellung zu bringen, sonst geht mit Alain Berset auch gleich ein BR-Sitz verloren…
  • Kommentar von Thomas Schneebeli  (Thomas Schneebeli)
    Wenn der BR zu Notrecht greift, zeitlang das Parlament ausschliesst,
    das Volk ebenfalls, dann soll er für seine Entscheide und sein Verhalten
    in dieser langen Corona-Zeit gerade stehen.
    Der intensive Informationsaustausch zwischen BAG und einem bestimmten Verlag,
    der nur wohlwollende Berichte über BR Berset übrig hatte,
    gehört selbstverständlich durchsucht.
    Der Spruch: Medien und Politik stecken unter einer Decke,
    entpuppt sich als die bittere Wahrheit.
    Was kommt als nächstes?


  • Kommentar von Jürg Leuenberger  (jleuen)
    Mir scheinen grundsätzliche Fragen aussen vor: Wieso ist man einhellig der Meinung Indiskretionen seien notwendig? Baut unsere Gesellschaft auf grundsätzlichem Misstrauen auf, sodass des die "vierte" Gewalt braucht? Entstehen diese ganzen Turbulenzen nicht gerade wegen dieses Misstrauens? Wenn der Arbeit der Behörden ein Grundvertrauen entgegengebracht würde, wären Indiskretionen nicht notwendig. Denn ehrlich, den allermeisten Medien geht es doch nicht um die Wahrheit, sondern ums Geld.