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«Es ist auch eine Phase des Verzichts im Moment»
Aus News-Clip vom 01.04.2020.
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Corona-Krise – wie weiter? Durchhalteparolen statt Ausstiegsstrategie

Je besser sich die Bevölkerung an die Massnahmen halte, desto früher könne man diese auch wieder lockern: Auch Justizministerin Karin Keller-Sutter appellierte heute an die Selbstverantwortung und die Solidarität, um die Corona-Krise zu meistern.

Doch die Landesregierung verpasste es, ein Ausstiegsszenario wenigstens grob zu skizzieren. Oder eine ungefähre Zeitangabe zu liefern: Ist es allenfalls schon möglich, nach Ostern gewisse Massnahmen zu lockern? Oder ist das Wunschdenken der Wirtschaft und vieler Menschen, denen zu Hause langsam die Decke auf den Kopf fällt?

Krisenbewältigung hat Priorität

An der Medienkonferenz des Bundesrates wurde deutlich: Die Landesregierung ist immer noch im Krisenbewältigungs-Modus. Das ist durchaus verständlich, denn fast täglich tauchen neue Lücken und Probleme auf, besonders auch bei der wirtschaftlichen Hilfe. Immer wieder müssen neue Notverordnungen erlassen, heikle juristische Fragen geklärt werden.

Planungen beginnen

Um ein Ausstiegsszenario seriös zu planen, dafür fehlte bisher schlicht die Zeit. Allerdings sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin heute zum ersten Mal, die Arbeiten am Ausstieg würden nun beginnen. Und er liess durchblicken, dass er gewisse Lockerungen im wirtschaftlichen Bereich begrüssen würde - sofern man die Abstands- und Hygieneregeln einhalten könne.

Konkreter wurde er nicht. Die Zurückhaltung hat auch damit zu tun, dass die registrierten Ansteckungen in der Schweiz immer noch recht hoch sind. Zwar scheint die explosionsartige Zunahme der Fälle schon länger gestoppt, flach verläuft die Kurve aber noch nicht.

Doch je länger der Bundesrat die Öffentlichkeit im Ungewissen lässt, wie ein konkreter Ausstiegsplan aussehen könnte, desto mehr läuft er Gefahr, dass er die klare Führungsrolle verlieren könnte. Gestern versuchte bereits die SVP, den Bundesrat mit einem eigenen Plan rechts zu überholen. Und der Druck der Wirtschaftsverbände steigt täglich.

Heikle Phase

Die Parteien von links bis rechts und laut Umfrage auch eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung standen hinter den angeordneten Massnahmen. Die Landesregierung geniesst einen fast schon historisch hohen Rückhalt in der Bevölkerung. Doch nun beginnt eine heikle Phase. Die Stimmung könnte auch kippen, wenn die Regierung über die nächsten Schritte in der Krisenbewältigung schweigt. Sollen zuerst die Schulen wieder geöffnet werden? Ist eine Teilöffnung eine Option? Oder haben Lockerungen im wirtschaftlichen Bereich Priorität, weil der Schaden sonst zu gross wird?

Anstatt solche Fragen wenigstens grob zu beantworten, vertraut die Landesregierung weiterhin darauf, dass die Menschen zu Hause bleiben - auch an Ostern. Doch möglicherweise wäre die Disziplin und der Durchhaltewillen höher, wenn der Bundesrat einen ungefähren Zeithorizont nennen würde. Verzicht zu üben bis zu einem konkreten Datum dürfte vielen einfacher fallen als auf unbestimmte Zeit hinaus.

Andy Müller

Andy Müller

SRF-Bundeshausredaktor

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Andy Müller ist Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor war er Themenplaner und stellvertretender Redaktionsleiter von 10vor10. Er arbeitet seit 2007 für SRF.

SRF 4 News, 15:30 Uhr

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92 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Sahli  (sahliu)
    Als 80-jähriger finde ich es mir gegenüber unfair, dass über 65 jährige derart in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden. Warum?? Ich rauche nicht, führe einen gesunden Lebenswandel und treibe viel Sport. Ich wage zu behaupten, dass ich robuster und wiederstandskräftiger bin als 40-50-jährige die rauchen und "saufen". Aber was soll's es ist nun halt mal so beschlossen. Sicher ich bin auch dafür dass grösstmögliche Vorsichtsmasnahmen getroffen werden.
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  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Die jetzige Debatte in den Medien verkennt das Ziel der Massnahmen. Wir haben keine Immunität gegen dieses Virus und es kommen immer wieder neue Wellen, bis wir 60% Genesene oder Geimpfte haben. Die jetzigen Massnamen sollen der Verlauf verlangsamen, so dass man Infizierte wieder finden und isolieren kann. Nur so ist ein einigermassen normales Leben wieder möglich. Aber auch da: Einschränkungen bleiben sicher über Monate, bis ein Impfstoff oder allenfalls ein Medikament da ist.
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  • Kommentar von Eric Cerf  (Alpenjonny)
    Es ist nachvollziehbar, dass alle Gewerbler langsam aber sicher kalte Füsse bekommen. Fehlende Einnahmen bescheren Probleme, die bis zur Pleite führen. Die letzten beissen immer die Hunde, es betrifft viele selbständig Erwerbende. Ob kleines Büdeli oder mittlere Firma, die wegen fehlenden Reserven von den Banken keine Kredite bekamen, laufen sicher bald in den Hammer. Die AL-Zahlen schnellen dann in die Höhe. Das gab es vor dem Virus noch nie, es sieht leider fast hoffnungslos aus.
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