Zum Inhalt springen

Header

Audio
Situation im Tessin dürfte nur der Anfang gewesen sein
Aus Info 3 vom 12.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:16 Minuten.
Inhalt

Corona-Massnahmen im Tessin Wird der Rest der Schweiz nachziehen, Herr Koch?

Das Tessin hat seine Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus am Mittwoch um Mitternacht massiv ausgeweitet – vorerst bis Ende Monat. Kinos, Theater, Fitnesszentren, Bars, Diskotheken, nachobligatorische Schulen und auch Skigebiete bleiben geschlossen. Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, rechnet damit, dass die anderen Kantone ebenfalls weitergehende Massnahmen ergreifen werden.

Daniel Koch

Daniel Koch

Leiter Abteilung «Übertragbare Krankheiten», Bundesamt für Gesundheit

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Im Bundesamt für Gesundheit (BAG) leitet Daniel Koch die Abteilung «Übertragbare Krankheiten». Sein Team überwacht solche Krankheiten, publiziert dazu regelmässig Berichte und legt Präventions- und Kontrollstrategien fest. Daniel Koch ist Dr. med. und Master of Public Health.

SRF News: Im Tessin sind die Massnahmen gegen das Coronavirus ausgeweitet worden. Müsste der Rest der Schweiz nicht nachziehen?

Daniel Koch: Der Rest der Schweiz wird sicher auch das machen, was jetzt im Tessin geschieht. Die Welle ist jetzt in der Schweiz angekommen. Es geht nun darum, vor allem die Risikogruppen zu schützen: alte Menschen und chronisch Kranke. Denn für sie ist das Virus gefährlich. Sie benötigen Spitäler. Und wenn es dort zu viele Patienten gibt, werden die Spitäler mit der Situation nicht zurechtkommen.

In der Sendung «Rendez-vous» präzisiert Koch, dass davon auszugehen sei, dass andere Kantone ähnliche Massnahmen wie das Tessin ergreifen werden. «Ob man den Notstand ausruft oder nicht, ist nicht der wesentliche Punkt.» Ob andere Kantone dieselben Verbote aussprechen werden, oder ob andere Massnahmen zweckdienlicher sind, hänge von lokalen Begebenheiten ab.

Die USA haben einen Einreise-Stopp verhängt. Trump sagt, die EU habe zu lasch reagiert – da ist die Schweiz mitgemeint. Haben Sie zu zurückhaltend gehandelt?

Nein, es geht vielmehr darum, dass man rechtzeitig die richtigen Massnahmen ergreift. Jetzt ist die Welle da. Jetzt braucht es die Massnahmen, um die Welle zu beherrschen, und auch um die Intensivstationen zu entlasten. Deshalb müssen die Risikogruppen vor Infektionen geschützt werden. Und die Massnahmen, die man jetzt ergreift, zielen auf dieses Ziel hin.

Für die jungen Erwachsenen und für die Kinder ist diese Krankheit nicht gefährlich, sie ist aber sehr gefährlich für Risikopatienten.

Italien hat drastisch reagiert. Das Gesundheitssystem kommt dort an die Grenzen, vor allem im Norden. Was heisst das für die Schweiz?

Für die Schweiz heisst es, dass wir das sehr ernst nehmen, dass wir sehen, was in Italien passiert, dass wir versuchen, mit allen Mitteln solche Situationen zu verhindern. Das heisst, wir müssen schauen, dass nicht zu viele Kranke in den Spitälern auftauchen und krank werden – vor allem die Älteren. Deshalb geht es darum, diese Risikogruppen vor Infektionen zu schützen. Für die jungen Erwachsenen und für die Kinder ist diese Krankheit nicht gefährlich, sie ist aber sehr gefährlich für Risikopatienten.

Kantonsregierungen sprechen sich ab

Benedikt Würth

«Jeder Kanton muss für sich eine Risikobeurteilung machen», sagt Benedikt Würth, Präsident der Konferenz der Kantonsregierungen. «Natürlich reden die Kantone untereinander. Aber es gibt nicht eine zentrale Koordination und dann ziehen alle nach.» Es wird bei der Bekämpfung des Coronavirus also auf einen kantonalen Flickenteppich hinauslaufen. Es sei denn, der Bundesrat übernimmt das Zepter: «Sollte sich die Lage weiter zuspitzen, dann hätte der Bundesrat die Möglichkeit, eine ausserordentliche Lage zu beschliessen. Dann würde er weitgehende Kompetenzen auf die Bundesebene ziehen.»

In Italien werden zusätzliche Kapazitäten geschaffen, etwa mit Lazaretten. Ist das in der Schweiz noch kein Thema?

In der Schweiz werden sich die Spitäler darauf konzentrieren, dass vor allem die Intensivpflegestationen von anderen Patienten befreit werden. Man wird diese Betten für Coronavirus-Patienten brauchen. Diese Betten kann man nicht einfach neu bauen. Man muss die Infrastruktur richtig nutzen, die zur Verfügung steht.

Sie rechnen damit, dass die Fallzahlen weiter steigen. Es ist also nicht mehr eine Frage, ob die Schweiz die Massnahmen verschärft, sondern wann?

Es ist eine Frage, wie die Schweiz mit dieser Krise umgeht. Und wenn wir das Richtige machen, dann können wir diese Krise bewältigen. Wenn wir es falsch machen, dann werden wir mehr Todesfälle zu beklagen haben, als nötig wäre.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

HeuteMorgen, 12.03.2020, 07:00 Uhr; srf/eglc;blac

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

143 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Tiffany Yim  (tiffanyyim)
    Ich finde es echt traurig, dass man bis jetzt noch immer nicht die Wahrheit über die Krankheit sagt! Nur weil man die Wahrheit sagt, heisst es noch lange nicht, dass man die Menschen in Schock und Panik versetzt. Ich bin der Meinung, dass Jeder das Recht hat es zu erfahren. Aber hier wird noch immer alles runter gespielt. Ganz ehrlich gesagt, finde ich dass Europa viel zu spät auf diese Krankheit reagiert hat...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Fabrizio Gamp  (Fgamp)
    BAG Koch's ruhiges Verhalten ist kein Schlafen. Sogar UNOchef fordert ua. von Regierungen
    "Man solle auf virale Verbreitung von Angst und Stigmatisierung verzichten." (www.zentralplus.ch/uno-chef-fordert-mehr-anstrengungen-1748245) Börsensturz, Firmenkonkurs, Partyabsage ist übel aber irrelevant um Menschenleben zu schützen. JEDER von uns kann Virus JETZT bekämpfen via www.bag-coronavirus.ch und dadurch nachfolgende Probleme vermindern. Lediglich kritisieren via Medienportale hilft nicht weiter
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      Koch ist zweifelsfrei der richtige Mann an der richtigen Stelle. Aber sollte nicht endlich mal damit aufgehört werden, die Schweiz könnte, würde, sollte, dürfte. Die Schweiz soll und muss jetzt handeln und zwar sofort.
      Beobachten und nachdenken ob man vielleicht doch handelt wird ersetzt
      durch, die Lage ist ernst jetzt müssen wir handeln.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Christoph Ansermot  (Nergal)
    Das beste wäre nun wohl alle einfach für einen Monat unter Hausarrest stellen, wenn wir doch bloss diese coolen Lieferroboter und Lieferdrohnen dafür hätten die man in China dafür hatte. Aber während in China nun sogar gratis Masken an Schulen verteilt werden, haben wir ja anscheinend nicht einmal genügend Masken und Sterillium für das Medizinpersonal. Hey, warum nicht gleich bei Museen anfragen ob sie noch ein paar dieser "Schnabel-Pestmasken" haben? Und Strohrum 80% Vol. desinfiziert auch gut.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen