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Tessin: Rufe nach Grenz- und Schulschliessungen
Aus Rendez-vous vom 11.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
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Coronavirus im Tessin Virologe fordert Schliessung der Grenze zu Italien

Das Tessin ist auf Zehntausende Grenzgänger aus Italien angewiesen. Trotzdem wird der Ruf nach einer Grenzschliessung immer lauter.

Die Ärzte im Südkanton sind immer stärker damit beschäftigt, die Corona-Fälle zu identifizieren und zu betreuen, wie der Virologe Andreas Cerny sagt. Er ist auch Belegarzt der Privatklinik Moncucco in Lugano ist. Tatsache ist: Das Tessin hat schweizweit mit Abstand am meisten Fälle von Ansteckungen mit dem Coronavirus.

Arzt fordert Grenz- und Schulschliessungen

Im ganzen Tessin wurden inzwischen die Vorsichtsmassnahmen in den Spitälern erhöht. So gibt es keine Besuchszeiten mehr und es werden vorsichtshalber Dienstpläne mit längeren Schichten fürs Personal erarbeitet. Auch suchen die Spitäler Übernachtungsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Italien.

Man sei daran zu berechnen, wie viele Beatmungsplätze für schwere Coronafälle maximal eingerichtet werden könnten, sagt Cerny. «Wenn wir die Zahlen aus Norditalien aufs Tessin umrechnen, dann sieht das nicht gut aus.» Deshalb fordert der Virologe jetzt eine Schliessung der Grenze zu Italien und der Schulen im Tessin.

Im Tessin leben viele alte Menschen

Tatsächlich ist das Tessin besonders für viele schwere Krankheitsverläufe gefährdet – und zwar nicht nur wegen der Nähe zu Italien. Grund dafür ist, dass im Tessin so viele alte Menschen leben wie in sonst keinem Kanton ausser Basel-Stadt. Und anders als im Nordkanton fehle im Tessin die Struktur eines Universitätsspitals, beklagt Cerny.

Eine dezidiert andere Meinung vertritt der Tessiner Krebsarzt und ehemalige SP-Nationalrat Franco Cavalli. Er sieht in der Tatsache, dass das Tessin kein Unispital, sondern fünf Kliniken in einem Spitalverbund hat, eher einen Vorteil: Im Ernstfall könne man so beispielsweise in drei Spitälern Corona-Patienten behandeln, in den zwei anderen die übrigen Patientinnen und Patienten.

Auch eine Grenzschliessung sieht Cavalli kritisch: «Das Virus ist schon bei uns – deshalb hat es keinen Sinn, die Grenze jetzt noch zu schliessen.» Ausserdem komme ein Grossteil der Grenzgängerinnen und Grenzgänger aus den umliegenden italienischen Provinzen, die weniger Corona-Fälle aufwiesen als das Tessin, betont er.

Neun Grenzübergänge geschlossen

Neun Grenzübergänge geschlossen

Ab sofort wird im Tessin der Grenzverkehr aus Italien auf die grösseren Grenzübergänge kanalisiert. Neun kleinere Grenzübergänge wurden mit Drahtgittern geschlossen. Das sei keine Teil-Grenzschliessung, hiess es von der Zollverwaltung. Es gehe einzig darum, den Grenzverkehr so besser kontrollieren zu können. (sda)

Oberstufen-Schulen schliessen?

In einem Punkt sind sich die beiden Ärzte Cerny und Cavalli aber einig. Es braucht im Tessin Schulschliessungen. Im Gegensatz zum Virologen ist der Krebsarzt allerdings nicht für flächendeckende Schliessungen.

Für ihn wäre es angebracht, jetzt den Unterricht in den Oberstufen- und Mittelschulen ruhen zu lassen – vor allem, weil die Ansteckungsgefahr für die Schülerinnen und Schüler in den vollgestopften Bussen des ÖV sehr gross sei.

Die Unterstufenschülerinnen und -schüler benützen den ÖV in der Regel dagegen nicht. Sie gehen entweder zu Fuss oder werden von den Eltern im Auto zur Schule gefahren. Sie könnten laut Cavalli weiterhin die Schulbänke drücken.

Rendez-vous vom 11.3.2020 snep;imhm

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Andrijana Savic  (anchy)
    Grenze zu Italien soll endlich dicht gemacht werden! In Italien haben Grenzgänger keine Bewegungsfreiheit, aber bei uns in der Schweiz können sie sich frei bewegen. Viele Länder haben Grenzen schon dicht gemacht, nach dem 10 infizierten Fall. Sollen wir abwarten bis die Rate der Todesopfer steigt und dann zur Besinnung kommen.
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  • Kommentar von Christa Wüstner  (Saleve2)
    In der ganzen Schweiz bald Notstand wie im Tessin. Das passiert sicher schon dieses
    Wochenende. Das ist eine gute Massnahme, aber Grenzen nicht zu schliessen, das
    Ist ja nur für kurze Zeit, bis die ankommende Welle der starken Zunahme sich wieder
    abflacht. Wichtige Arbeitskräfte und Gesundheitspersonal in leere gemietete Hotelzimmer.
    Dies wäre doch wirklich eine gute Massnahme. Teilweise wird das von Firmen schon
    gemacht.
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    1. Antwort von Christa Wüstner  (Saleve2)
      gleichzeitig wäre das für die Hotels, wenn auch mit geringeren Einnahmen, eine Hilfe.
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  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Es ist wieder einmal sehr erschreckend, wie wenig die Schweiz bereit ist, aus den Erfahrungen anderer Länder zu lernen, und lieber einen auf Echokammer macht, die erst dann ins Handeln kommt, wenn auch bei uns die Folgen falscher Entscheidungen sichtbar werden, die man hier mit nicht vorhandenen Fakten entschuldigt, obwohl diese Fakten in anderen Länder zu eruieren gewesen wären.
    Wer von den CH-Beratern verfügt denn über ein internationales Netzwerk und ist geübt sich darin zu bewegen?
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