Zum Inhalt springen

Header

Video
Der Bundesrat erlässt neue Massnahmen
Aus Tagesschau am Vorabend vom 18.12.2020.
abspielen
Inhalt

Corona-Massnahmen Letzte Chance für den Schweizer Weg

Was für ein Kontrast zum Beginn der Pandemie im März: Damals trifft Corona die Schweiz schockartig. In dieser beunruhigenden und verstörenden Situation hat der Bundesrat einen starken Auftritt mit klaren Entscheiden. Das Vertrauen in die Landesregierung ist gemäss Umfragen so gross wie selten. Die Popularitätswerte einzelner Regierungsmitglieder klettern in die Höhe. Als sich im Frühling Entspannung abzeichnet, gibt der Bundesrat das Heft mit stolzem staatspolitischem Bewusstsein zurück in der Hand der Kantone.

Inzwischen hat der Bundesrat das Heft wieder in die Hand genommen. Die auf hohem Niveau nicht sinken wollenden Fallzahlen und die Zögerlichkeit diverser Kantone haben ihn dazu gezwungen. Aber er macht es längst nicht mehr mit der gleich ruhigen Hand wie zu Beginn.

Aus dem souveränen ist ein von verschiedenen Einflüssen getriebener Krisenmanager geworden. Getrieben von der Wissenschaft, die schon lange schärfere Massnahmen fordert. Von den Kantonen, die harte Entscheide lieber nicht selber fällen möchten. Vom Gesundheitswesen, dessen Hilferuf nie eindringlicher war. Oder von den Vertreterinnen und -vertretern der Parteien – längst nicht mehr nur von links – die dem Bundesrat grosse Versäumnisse und sogar Mitverantwortung an den hohen Todeszahlen anlasten.

Auch wenn die heute getroffenen Massnahmen viele hart treffen – in der gegenwärtigen Stimmungslage werden sie wohl nicht als besonders drastisch empfunden. Und in den nächsten Tagen dürften die Stimmen eher noch lauter werden, die dem Bundesrat vorwerfen, er drohe die Kontrolle zu verlieren.

Der Druck bleibt gross

Dabei ist der Bundesrat eigentlich nur dem treu geblieben, was er in den letzten Wochen mit helvetisch dosiertem Pathos den «Schweizer Weg» nannte. Heute hat Gesundheitsminister Berset diesen Begriff übrigens durch den etwas nüchterneren Begriff «politische Machbarkeit» ersetzt.

Auch wenn die Wirtschaftsverbände in dieser Woche moderater unterwegs waren und Verständnis für Verschärfungen zeigten – der Druck auch von dieser Seite tat offenbar immer noch Wirkung. Und so war es «politisch nicht machbar», Einkaufsläden und Shoppingcenter zu schliessen. Während zum Beispiel Bibliotheken oder Museen ganz zu tun müssen.

Der Druck auf den Bundesrat wird auch über die Weihnachtstage nicht nachlassen. Für den 30. Dezember hat er eine Zwischenbeurteilung angekündigt – die Entwicklung der Pandemie bis dahin und die Situation in den Spitälern entscheiden wohl, wie viel Schweizer Weg sich der Bundesrat noch leisten kann.

Gion-Duri Vincenz

Gion-Duri Vincenz

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Gion-Duri Vincenz ist seit 2003 SRF-Redaktor im Bundeshaus und arbeitet vor allem für die «Tagesschau» und «10vor10». Neben seiner Tätigkeit als Korrespondent in Bern moderiert er auch Abstimmungssendungen von SRF.

Tagesschau, 18.12.2020, 18.00 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

131 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alessandro Del Turco  (Ale Turco)
    Genau wie mein Nachbar, der empfängt seit Tagen frisch und munter Gäste und lässt es krachen. Da waren minimum schon 50 Besucher. Solange das so weiterläuft, wird es nicht besser. Für meinen Teil, ich kann es nicht mehr fassen. Man darf skeptisch sein, keine Frage. Aber solche Verhaltensmuster, ungassbar.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bernhard Roos  (roosbe)
    COVID-19 und Zivilisationskrankheiten gehen Hand in Hand. Ein funktionierendes Immunsystem braucht gewisse Stoffe. Ein Mangel beeinträchtigt die Funktionsweise, darum spielt die Ernährung dabei eine kritische Rolle. Z.B. reduziert Fruchtzucker die Vitamin D Menge im Körper (Quelle: Medcram). Der Zusammenhang Ernährung und COVID-19 wird leider immer noch zu wenig berücksichtigt. Empfehle jedem wärmsten sich diesbezüglich selber weiterzubilden.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bernhard Roos  (roosbe)
    Verlauf von COVID-19 wird durch Virendosis und Immunstatus beeinflusst. Aktuell beschränken sich die Massnahmen auf die Reduktion der Virendosis. Die Ursache für die Zunahme der Fallzahlen dürfte aber auch saisonal bedingt sein (UV-Strahlung, Luftfeuchtigkeit, Temperatur-> beeinflussen Immunstatus, + Räume erhöhen Übertragungsrisiko).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen