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Welche Dauer der Quarantäne ist vertretbar?
Aus News Plus vom 17.09.2020.
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Corona-Massnahmen Quarantäne verkürzen? Die Argumente dafür und dagegen

Das Bundesamt für Gesundheit evaluiert, ob die Quarantäne-Dauer von zehn auf fünf Tage verkürzt werden könnte.

Menschen mit Verdacht auf eine Ansteckung mit dem Coronavirus müssen heute in der Schweiz für zehn Tage in Quarantäne. Nun steht eine Verkürzung der Dauer zur Diskussion, hiess es an der Pressekonferenz des Bundesamts für Gesundheit am Donnerstag.

Man evaluiere, welche Auswirkungen dies haben könnte und unter welchen Bedingungen eine Verkürzung möglich wäre. All dies werde gemeinsam mit der Corona-Task-Force evaluiert. Der aktuelle Stand sei aber, dass man die Quarantäne-Dauer nicht ändere.

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Virgine Masserey: «Wir evaluieren die Auswirkungen einer verkürzten Quarantäne»
Aus News-Clip vom 17.09.2020.
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«Wissenschaftlich wäre eine Verkürzung der Quarantäne-Dauer wohl nur vertretbar, wenn man die Menschen obligatorisch testet, bevor man sie aus der Quarantäne entlässt», sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg. Denn: Bei einer Ansteckung kann es im Extremfall bis zu 14 Tage dauern, bis man Symptome entwickelt hat. Im Durchschnitt sind es fünf Tage.

Kuster hat Zweifel bei kürzerer Quarantäne-Dauer

Darum bleibt ein Restrisiko: «Wenn man die Quarantäne-Dauer von zehn auf fünf Tage verkürzt, kann es sein, dass bestimmte Menschen doch noch ansteckend sind», so von Burg. Dies betonte auch Stefan Kuster, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, kürzlich in der Sendung «Puls».

«Schon mit zehn Tagen Quarantäne riskieren wir, dass 15 Prozent der Personen im Nachhinein Symptome entwickeln.» Dies habe man in verschiedenen Kantonen bei Reiserückkehrern feststellen können, die erst nach der Quarantäne Symptome entwickelten, sagte Kuster im Gespräch.

Video
Stefan Kuster: «Schon bei zehn Tagen Quarantäne haben wir ein Risiko»
Aus Puls vom 14.09.2020.
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Dennoch sagte auch Finanzminister Ueli Maurer gegenüber SRF, er sei besorgt, wie rasch die Menschen in Quarantäne geschickt werden. Er sprach sich dafür aus, mehr zu testen und negativ getestete Personen schneller aus der Quarantäne wieder an den Arbeitsplatz zurückzuschicken – um die wirtschaftlichen Schäden kleinzuhalten.

Diskussion auch in Deutschland

Auch in Deutschland wird eine Verkürzung der Quarantäne bei Corona-Verdacht diskutiert: Der deutsche Virologe Christian Drosten hat eine Verkürzung von 14 auf fünf Tage vorgeschlagen. Damit will er einen «de-facto-Lockdown» in Deutschland verhindern. Der Vorschlag sei vertretbar, aber an der unteren Schmerzgrenze der Epidemiologie.

Christian Drosten
Legende: Der Virologe und Spezialist für Coronaviren berät die Bundesregierung in Berlin. Keystone/Archiv

Drosten empfiehlt zudem, die fünf Tage der Quarantäne nicht für Tests zu «verschwenden». Dies aus der Überlegung heraus, dass in den ersten zwei, drei Tagen nach der Ansteckung das Coronavirus noch gar nicht per PCR-Test nachgewiesen werden kann. Das heisst: Erst testen, wenn die fünf Tage Quarantäne durch sind – und man eine allfällige Infektion auch nachweisen kann.

Auch eine Frage der Akzeptanz

Die Infektionszahlen steigen in der Schweiz wieder an. Man könnte meinen, es sei eher mehr als weniger Vorsicht gefragt. «Es ist eine heikle Gratwanderung», sagt SRF-Wissenschaftsredaktor Christian von Burg. Ein Teil halte sich nicht an die Quarantäne, zudem sei nur etwa jede 20. Person in Quarantäne auch tatsächlich mit dem Coronavirus infiziert.

Wenn man die Quarantäne nun auf wissenschaftlich vertretbare Art verkürzen kann, führe das dazu, dass die Quarantäne besser akzeptiert werde, schätzt der Wissenschaftsredaktor. «Denn nur, wenn die Akzeptanz für die Massnahmen so gross wie möglich bleibt, halten sich die Leute daran. Nur so hat man die Möglichkeit, die weitere Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen.»

SRF 4 News, 17.9.2020, 16.15 Uhr;

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
    Wenn selbst der übervorsichtige Drosten Mittel vorschlägt, einen ,De-Facto-Lockdown' zu vermeiden, sollte uns das zu denken geben. Püschel et al. (Thesenpapier 4.0) zur flächendeckenden Testung bei niedrigbleibenden Fallzahlen: "[...] selbst bei einer hervorragenden Spezifität von 95% stehen hier den 10 tatsächlich infizierten Personen ganze 49 Personen gegenüber, die zwar einen positiven Test bescheinigt bekommen, aber nicht infiziert bzw. infektiös sind."
    1. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ähnlich wie die Autoren schlägt auch Drosten vor, besonderes Augenmerk auf Situationen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko zu richten, dort vermehrt zu testen und bei der Kontaktverfolgung gründlicher vorzugehen, indem man typische Situationen abfragt, in denen sich Infizierte befunden haben könnten, und dort entsprechend reagiert.
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Ich weiss, es ist nicht einfach zuzugeben, dass man sich geirrt hat. Aber irgendwann müssen doch die Virologen und Politiker einsehen, dass die Faktenlage heute all die Massnahmen nicht rechtfertigt.
    Immer mehr Fachpersonen haben riesige Fragezeichen, doch da auch die Mainstreammedien zu lange unkritisch berichtet haben und jegliche abweichende Meinung in die Verschwörungsschublade geworfen haben, können sie jetzt auch nicht mehr anders.
    Oder kommt der zivile Ungehorsam zuerst?
    1. Antwort von Walter Horvath  (Wallä)
      Ja nun! Im Nachhinein weiss mancher Mensch alles besser.
      Ist es nicht schön, dass man/frau sich vorsichtig an das Unbekannte herantastet.
      Wenn nichts gemacht worden wäre und eine riesig Katastrophe das Ergebniss wäre, gäbe es auch wieder Besserwisser die das Nichtstun verurteilen würden.
    2. Antwort von Jürg Sand  (Jürg Sand)
      Walter Horvath, das ist ein Spruch, den meist hinters Licht Geführte sich zum Trost aussprechen. Nein, die Sache war von Beginn an dubios, widersprüchlich und chaotisch gehandhabt und kommuniziert. Das hätte, zumindest bei nicht generell kritiklosen Medienkonsumenten, Verdacht aufkommen lassen müsse. Verlässliche Zahlen und Studien, sowie fundierte, vernünftige, vor Panik warnende Stimmen lagen schon im März zur Genüge vor.
  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    WHO warnt wegen sehr bedenklichen Zahlen in ganz Europa. Wen interessierts, solange die Wirtschaft brummt? Kapitalismus pur
    1. Antwort von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
      Die WHO ist heute zu 80% von Stiftungen und der Privatwirtschaft finanziert. Seit der Zahlungsverweigerung der USA ist die Bill Gates Stiftung der grösste Geldgeber. Wie unabhängig ist wohl die WHO noch?
    2. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      @Andrea Esslinger : Ihre Angaben sind nicht ganz richtig. 75 % der Beiträge kommen aus freiwilligen Beitragszahlungen. Das sind in erster Linie Staaten, aber auch private Organisationen. Die Bill Gates Stiftung trägt rund 10 % zum Gesamtbudget der WHO bei und nimmt entsprechend auch Einfluss. Der zweitgrösste private Geldgeber ist die Impfallianz Gavi. Es ist offensichtlich, welche Kreise da Einfluss auf die WHO nehmem wollen und auch nehmen. Der grösste Geldgeber insgesamt ist China.