Zum Inhalt springen

Header

Audio
Tessiner Firma entwickelt Medikament gegen Covid-19
Aus Echo der Zeit vom 23.08.2021.
abspielen. Laufzeit 05:31 Minuten.
Inhalt

Corona-Medikament Die Antikörper-Zauberer aus Bellinzona

Die kleine Biotech-Firma Humabs Biomed entwickelt erfolgreich Medikamente gegen Infektionen. Trotzdem kennt sie kaum jemand. Ein Besuch im Labor.

Vor einem Monat hat der Bund ein neues Medikament gegen Covid-19 reserviert, das ziemlich wichtig werden könnte, jetzt, da die Fallzahlen ansteigen. Es heisst Sotrovimab und schützt Erkrankte vor einem schweren Verlauf.

Matteo Pizzuto ist Immunologe und stellvertretender Direktor von Humabs Biomed. Er zeigt, wo vor anderthalb Jahren alles begonnen hat: in einem Labor im 4. Stock des Business Centers von Bellinzona. Ein Roboter schiebt kleine Kunststoffplatten in ein Analysegerät. Jede hat 96 Vertiefungen, in denen sich ein paar Mikroliter Nährlösung befinden und vor allem: je eine Immunzelle. Auf sie kommt es an.

Die Immunzellen stammen aus dem Blut von Patienten, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben.
Autor: Matteo Pizzuto Stv. Direktor von Humabs Biomed und Immunologe

«Die Immunzellen stammen aus dem Blut von Patienten, die eine Corona-Infektion durchgemacht haben», sagt Pizzuto. Ihr Immunsystem hat das Virus besiegt – unter anderem dank einer Unmenge verschiedener Antikörper, die es produziert. Humabs Biomed sucht in Millionen Immunzellen aus dem Blut einiger Patienten nach dem aktivsten Antikörper. Diesen Champion kann man dann künstlich herstellen und Infizierten spritzen.

Audio
Aus dem Archiv: Medikament gegen Corona in Sicht
04:48 min, aus Echo der Zeit vom 30.07.2021.
abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.

Durch ein Fenster sieht man eine der Burgen von Bellinzona, aber niemand hier hat einen Blick dafür. Heute nicht und schon gar nicht in jenen hektischen Wochen Anfang 2020, als in China ein rätselhaftes Virus auftauchte und das Humabs Biomed-Team die Jagd nach einem Antikörper aufnahm, erzählt Filippo Riva, der Direktor.

«Es war hart. Wir sahen diese erschreckenden Bilder aus Bergamo und unsere Mitarbeitenden arbeiteten rund um die Uhr eng zusammen, obwohl wir kaum etwas über das Virus wussten und es keine Masken gab.»

Mehrjährige Erfahrung

Die Firma forschte schon einige Jahre an Antikörpermedikamenten. Sie hatte bereits einen solchen Wirkstoff gegen das tödliche Ebola-Virus entwickelt. Diese Erfahrung zahlte sich nun aus.

Denn die Forscherinnen und Forscher trafen Anfang 2020 eine Entscheidung, die sich heute als goldrichtig erweist: Sie suchten nicht im Blut der ersten Überlebenden der Sars-CoV-2-Infektion – sondern im Blut eines Menschen, der 17 Jahre zuvor das Sars-CoV-1-Virus überlebt hatte, erzählt Direktor Riva. 

Audio
Aus dem Archiv: Bund fördert Entwicklung von Corona-Medikamenten
07:42 min, aus Rendez-vous vom 17.08.2021.
abspielen. Laufzeit 07:42 Minuten.

Ihnen sei schon damals klar gewesen: «Das Sars-CoV-2-Virus wird mutieren». Falls man einen Antikörper eines Sars-1-Patienten finden würde, der auch das verwandte Sars-CoV-2 bekämpfen könnte, hätte man dagegen eine Versicherung.

Denn dieser Antikörper greift eine Stelle des Virus an, die sich offensichtlich nicht verändert – vermutlich, weil sonst das Virus nicht mehr funktioniert. Darum schützt dieser Antikörper mit grösserer Wahrscheinlichkeit auch gegen zukünftige Mutanten.

Einsatz von Sotrovimab

Box aufklappen Box zuklappen

Sotrovimab wird bereits intensiv in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingesetzt, wo auch die Delta-Variante zirkuliert. 13'000 Patientinnen haben das Medikament bekommen und die Behörden sagen, es schütze zu 97 Prozent vor einem schweren Verlauf.

In der Schweiz laufen die letzten gesetzlichen Verfahren, damit es vielleicht schon in den nächsten Wochen eingesetzt werden kann, sagt das Bundesamt für Gesundheit.

Der Immunologe Christian Münz von der Universität Zürich lobt Humabs Biomed. Die Firma sei eine der besten ihres Fachs. «Allerdings muss dieser Antikörper schon recht früh in der Erkrankung gegeben werden, weil bei einem schweren Verlauf die Erkrankung massgeblich durch eine Überreaktion des Immunsystems zustande kommt.»

Spätestens zehn Tage nach den ersten Symptomen muss der Antikörper verabreicht werden. Darum wird er nur bei Risikopatienten eingesetzt.

Mittlerweile hat Humabs Biomed bereits weitere Antikörper identifiziert, die in Tests sogar gegen Corona-Viren aktiv sind, die bisher nur in Tieren vorkommen. Sie könnten eine Versicherung gegen zukünftige Pandemien sein.

Die Rolle von kleinen Firmen in der Pandemie

Box aufklappen Box zuklappen

Es fällt auf: Viele Arzneien in dieser Pandemie kommen von kleinen Firmen. Humabs Biomed gehört seit wenigen Jahren zwar der US-Firma Vir Biotechnology, aber ihre rund 40 Mitarbeitenden haben die wesentliche Arbeit geleistet. Vergleichsweise klein sind auch Biontech und Moderna. Humabs Biomed-Chef Riva: «Oft sind die grossen Konzerne zu wenig flexibel, zu langsam oder sie scheuen die Risiken.»

Nur für die teuren klinischen Studien braucht es die Grossen mit ihren tiefen Taschen. Humabs Biomed und Vir Biotechnology haben sich dafür mit dem britischen Riesen GSK zusammengetan. Auf der Packung von Sotrovimab steht deswegen nur: GSK.

Echo der Zeit, 23.08.2021, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

33 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Fabian Malovini  (MLaw, Rechtsanwalt)
    verstehe nicht, wieso das verabreichen von antikörpern als medikament bezeichnet wird. wikipedia nennt das impfung (bzw. passiv-impfung, um genau zu sein).
  • Kommentar von Dominic Bigler  (dombig)
    impfen alleine hilft nicht wirklich aber wenn wir ein medikamt haben da kann man es sicher so bekämpfen das nur noch ganz wenige sterben.
    absolut grandiose leistung
    1. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Will den Verdienst nicht schmällern, muss die Euphorie aber etwas dämpfen.
      Es liegt noch kein Produkt vor. Und weder die Idee noch der Ansatz ist neu.
    2. Antwort von Willi Meier  (wm)
      Impfen alleine hilft schon sehr viel - wenn sich denn alle impfen liessen.
  • Kommentar von Christian Weber  (CWeb)
    Bin gespannt, ob das jemals auf den Markt kommt. Schliesslich hat man jatzt festgelegt, dass "nur die Impfung" die Pandemie besiegen kann. Das interesse an Alternativen (diese ist ja nicht die Einzige) ist leider gleich null.
    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Sie täuschen sich, der Bund hat Gelder gesprochen für Medikamenteentwicklung.
      https://www.bag.admin.ch/bag/en/home/medizin-und-forschung/heilmittel/foerderprogramm-covid-am.html
    2. Antwort von Timo Bucher  (tibu)
      Diese stark eingeschränkte Sichtweise entspricht in keiner Weise den Tatsachen. Lassen sie ihren Groll gegen die Impfung beiseite. Man wird noch so froh sein, um jedes Mittel, das helfen kann. Es gibt Leute, die man nicht impfen kann. Die Kosten für so einen Cocktail werden aber auch nicht tief sein. Daher ist das kein Mittel für die breite Masse.
    3. Antwort von Stefan Huwiler  (huwist)
      Die Kosten für dieses Medikament dürften ein Dutzendfaches derjenigen für die Impfung sein. Das gleiche gilt für die Risiken.
      Und dann muss man auch noch zuerst schwer krank sein, was es für die Impfung auch nicht braucht.
      Also ich glaube eher nicht an eine Verschwörung, sondern das sieht eher nach vernünftiger Güterabwägung aus.
    4. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Ich weiss nicht, wo Sie Ihre Informationen her haben.
      Fakt ist: ZUR ZEIT ist die Impfung neben ewigen Lockdowns die einzige Waffe, die wir zur Verfügung haben.
      Was absolut nicht heisst, dass nicht mit Vollgas an Medikamenten geforscht wird.
    5. Antwort von Christian Kunz  (CK124)
      Dies ist nur eines von vielen Medikamenten, das auf monoklonalen Antikörpern basiert.
      Die Idee ist nicht neu und wurde schon anfangs Pandemie von anderen verfolgt.
      Neu sind vielleicht die Suchansätze, aber alle monoklonlanen Antikörper zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie hochspezifisch sein sollten. Die Schwierigkeit liegt im Finden solcher Antikörper, nicht im Konzept.
      Zudem ist mit massiv mehr Nebenwirkungen als der Impfung zu rechnen und sie bieten keinen langsfristigen Schutz.
    6. Antwort von Christian Weber  (CWeb)
      Trump hat im Winter bereits eine Antikörperbehandlung erhalten. Es hat also damals schon welche gegeben. Seither was davon gehört? Ich jedenfalls nicht... Deswegen meine Zweifel.