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Interview mit BAG-Chefin Anne Lévy
Aus Tagesschau vom 09.10.2020.
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Corona Quo vadis BAG-Chefin: «Wir machen uns grosse Sorgen»

Die neue BAG-Direktorin Anne Lévy hätte sich einen erfreulicheren Einstieg in ihre neue Aufgabe gewünscht. Die steigenden Fallzahlen beunruhigen sie. Dennoch steht sie einer Teilnehmer-Obergrenze für private Partys skeptisch gegenüber.

Anne Lévy

Anne Lévy

Direktorin des Bundesamtes für Gesundheit BAG

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Der Bundesrat hat Anne Lévy an seiner Sitzung vom 3. April 2020 zur neuen Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ernannt. Sie trat am 1. Oktober 2020 die Nachfolge von Pascal Strupler an. Davor leitete die gebürtige Bernerin die Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel. Bis 2015 stand Lévy während sechs Jahren dem Bereich Gesundheitsschutz im Gesundheitsdepartement von Basel-Stadt vor.

SRF: Fast 1500 neugemeldete Infektionen innert 24 Stunden, das ist Rekord, gleich hoch wie im März, zu den schlimmsten Zeiten. Wie gross sind Ihre Sorgen, wenn Sie das hören?

Anne Lévy: Wir machen uns grosse Sorgen. Das ist eine gewichtige Zahl. Trotzdem ist die Situation nicht vergleichbar mit dem März. Wir testen viel mehr, die Zahlen sind viel genauer heute, und wir sind natürlich viel besser vorbereitet.

Eine Pandemie lebt, verändert sich ständig.
Autor: Anne LévyBAG-Direktorin

Sie haben vor zehn Tagen begonnen als neue BAG-Direktorin. Seit zehn Tagen steigen die Zahlen markant – ich nehme an, Sie haben sich den Einstieg in den neuen Job anders vorgestellt?

Es ist eine sehr schwierige Situation für uns alle, weltweit, aber natürlich auch in der Schweiz. Und ja, auch meine Situation hätte ich mir gerne etwas anders erhofft – nicht gerade mit einer so riesigen Krise zu beginnen, die so viel Leid, Krankheit und Tod bringt.

Bundesrat Berset hat am Dienstag gesagt, die Treiber der Pandemie sind zurzeit vor allem private Partys. Müsste man da nicht etwas machen, eine Obergrenze der Teilnehmerzahl einführen zum Beispiel?

Die Kantone sind im Lead, und die machen es auch sehr gut. Das ist deshalb wichtig, weil die Situation in den Kantonen sehr unterschiedlich ist. Dort wo die Zahlen höher sind, haben die Kantone auch schneller reagiert und Massnahmen ergriffen. Deshalb sind wir froh, dass die Zuständigkeit bei den Kantonen liegt.

Masken sind wichtig, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann.
Autor: Anne LévyBAG-Direktorin

Aber die Kantone schauen auch auf Sie! Die Gesundheitsdirektoren-Konferenz hat heute eine Medienmitteilung publiziert, in der sie eine solche Obergrenze explizit fordert. Sie könnten das unterstützen.

Das ist sehr schwierig. Eine Pandemie lebt, verändert sich ständig, und eine Obergrenze allein hilft uns nicht viel weiter. Es gibt viele weitere Faktoren – zum Beispiel wie viele positive Tests es gibt, wie viele Leute in Spitalpflege sind, wie viele aktuell beatmet werden, wo die Ausbrüche sind, ob es Cluster sind oder ob es verteilt ist über die ganze Schweiz. Aber wir sind tatsächlich besorgt im Moment, und wir wollen, dass die Leute die Hygiene-Regeln wieder besser einhalten.

Es gibt auch Forderungen, die Maskenpflicht auf alle öffentlichen Räume auszuweiten, oder sogar auch im Freien, wie zum Beispiel in Italien, wo man überall eine Maske tragen muss. Ist das auch eine Option für die Schweiz?

Die Kantone prüfen das. Viele haben die Maskenpflicht in den Innenräumen schon eingeführt, und es ist eine Diskussion am Laufen, ob man weitergehen will. Masken sind wichtig, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Aber das Wichtigste bleibt: eineinhalb Meter Abstand und die Handhygiene.

Wie bringt man die Bevölkerung dazu, jetzt wieder mehr Eigenverantwortung wahrzunehmen? Sie haben heute an die Menschen appelliert, haben auch die neue Kampagne vorgestellt, die eigentlich die alte Kampagne ist, einfach jetzt orange statt blau. Reicht das?

Das ist nur ein Element. Wir wollen in Erinnerung rufen, dass wir alle gefordert sind. Einerseits gibt es die neuen Massnahmen, die von den einzelnen Kantonen getroffen worden sind. Andererseits wollen wir mit unserer neuen Kampagne, «Wie schützen wir uns» in Orange, in Erinnerung rufen, wie wichtig es ist, sich an die Abstände zu halten, die Handhygiene einzuhalten, und die Maske zu tragen, wenn man den Abstand nicht einhalten kann. Wir rufen auch dazu auf, die Corona-App runterzuladen und zu benutzen. Und man soll sich testen lassen, wenn man Symptome hat.

Sie haben die neue Liste der Risikoländer publiziert. Neu drauf sind Russland, Kanada, Tunesien. Zum Teil sind das Länder, die tiefere Fallzahlen haben als die Schweiz. Aber auch Berlin, Hamburg, diverse Regionen in Italien und Österreich. Ist es sinnvoll, jetzt wirklich alle Rückkehrer aus diesen Ländern und Regionen 10 Tage in Quarantäne zu schicken?

Die Erfahrung aus den letzten Monaten hat gezeigt: Ja, das macht Sinn, weil die Wahrscheinlichkeit, sich in diesen Ländern anzustecken, grösser ist, als wenn sie sich in der Schweiz aufhalten. Anderseits sind wir ständig daran, das zu überprüfen, wir passen uns ja immer an die neuen Situationen an…

… kürzere Quarantäne ist also ein Thema?

Zum Beispiel kürzere Quarantäne, genau.

Das Gespräch führte Urs Leuthard.

Tagesschau, 9.10.2020, 19:30 Uhr;

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48 Kommentare

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  • Kommentar von willy schütz  (barbill45)
    herr Bernoulli, sie müssen zeitungen lesen und nicht nur EINE zeitung.
    die weltbeste universität,
    STANDFORT
    gibt glaubhafte daten heraus nicht wie unser BAG.
  • Kommentar von Arthur Pünter  (puenti)
    Das gestrige Statement von der neuen BAG-Chefin Anne Lévy war ein seit langem erwarteter und erhoffter Lagebericht zur Corona-Pandemie. Er hob sich wohltuend objektiv von den bisherigen BAG-Erklärungen ab und weckte Vertrauen in die gegenwärtige, konfuse Lage zur Coronakrise.
  • Kommentar von Tobias Schnider  (True)
    Liebe Damen und Herren der Schweiz
    Was braucht der Mensch heute zum leben?
    Verpflegung, Unterkunft und Medizin.
    Ich würde mit ganz Europa einen Plan aufstellen. Jeder in der Bevölkerung bekommt für einen Monat Lebensmittel nach Hause. Alle in Europa die weder zur Medizin noch zur Verpflegung gehören gehen 1 Monat nach Hause. Menschen die nach Europa kommen gehen für 1 Monat in Qarantäne. Die Qarantäne wird vom Reisenden bezahlt. Europa wäre nach einem Monat sauber.
    1. Antwort von Reinhard Grunder  (Reinhard Grunder)
      Wie kommen die der Medizin und der Verpflegungs Branche auf die arbeit, denn die ÖV würde ja ruhen und wer regelt den Verkehr, aber ist ja eh egal wir haben bei ihrer Logik auch keine Energie oder wer betreibt die Kraftwerke? Natürlich käme dann auch kein Wasser mehr aus der Leitung, warmes schon gar nicht. Und so weiter und so fort.