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Nicola Low: «Wenn die Fälle weiter steigen, brauchen wir vielleicht einen Lockdown»
Aus News-Clip vom 20.10.2020.
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Coronakrise Epidemiologin: «Sinnvoll, kontrollierten Lockdown vorzubereiten»

Wales geht in den befristeten Kurz-Lockdown. Das könnte auch hier eine Möglichkeit sein, sagt Epidemiologin Nicola Low.

Mit den Infektionszahlen steigt auch die Auslastung der Spitäler – in der Schweiz, aber auch im Rest der Welt. Während hierzulande mit weiteren Schutzmassnahmen bisher noch zugewartet wird, handeln andere Länder entschlossen. Zum Beispiel Wales: Dort gilt ab Freitag während etwas mehr als zwei Wochen ein erneuter Lockdown.

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Nicola Low: «Wenn man den Lockdown jetzt vorbereitet, ist das weniger hart für die Leute»
Aus News-Clip vom 20.10.2020.
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Ein Weg, der auch die Schweiz gehen könnte, findet Nicola Low. Die Epidemiologin lehrt an der Universität Bern und ist Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes. «Es wäre sinnvoll, einen solchen ‹Circuit-Breaker-Lockdown› vorzubereiten», sagt sie.

Bessere Kontrolle dank kurzem Lockdown?

Der sogenannte «Circuit-Breaker-Lockdown» ist ein Lockdown, der bereits im Voraus auf eine kurze Zeit befristet ist – wie ihn Wales jetzt beschlossen hat. Ziel ist es, die Reproduktionsrate schnell zu senken. «Damit hat man etwas mehr Zeit, andere Massnahmen umzusetzen und eine bessere Kontrolle über die Übertragung», erklärt Low.

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Nicola Low: «Man muss die Schwelle für einen Lockdown jetzt definieren»
Aus News-Clip vom 20.10.2020.
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Man müsste jetzt festlegen, bei welcher Zahl von Neuansteckungen, Hospitalisierungen, Todesfällen oder Auslastung der Intensivstationen ein solch befristeter Lockdown verhängt werde, fordert Low. «Wir sind in einer sehr heiklen Situation und müssen uns vorbereiten.»

Nicola Low

Nicola Low

Epidemiologin

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Nicola Low ist Professorin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Die Epidemiologin ist Mitglied der Covid-19-Taskforce des Bundes.

Wenn man die jetzt schon mache, sei das weniger hart für die Leute und für die Wirtschaft als wenn der Lockdown unangekündigt komme.

Schweiz mit höherem R-Wert als Wales

In Wales liegt der 7-Tage-Schnitt bei 120 Neuansteckungen pro 100'000 Einwohner, die Reproduktionszahl R liegt bei 1.4. Die Schweiz verzeichnet 102 Neuansteckungen pro 100'000 Einwohner, der R-Wert lag zuletzt bei 1.56. Das bedeutet, dass hundert Neuinfizierte im Schnitt 156 Personen ansteckten. «Wenn sich die Zahlen weiter in diese Richtung entwickeln, brauchen wir vielleicht einen Lockdown», sagt Low. Sie unterstreicht aber, dass dieser nur zwei oder drei Wochen dauern sollte.

Auch wie genau der Lockdown aussehen würde, müsste noch definiert werden. In Wales werden alle nicht-notwendigen Geschäfte geschlossen, dazu gehören auch Bars und Restaurants. Die Leute dürfen das Haus nur für wenige, genau definierte Tätigkeiten verlassen, zum Beispiel zum Einkaufen. Es ist verboten, Leute zu treffen, mit denen man nicht zusammenwohnt.

Bund äussert sich zurückhaltend

Der Bund äussert sich zu einer solchen Möglichkeit zurückhaltend. Diese Strategie beruhe auf Modellrechnungen. Bisher habe das niemand ausprobiert, sagt Stefan Kuster, Leiter Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit, während einer Medienkonferenz zur aktuellen epidemiologischen Lage. «Modellrechnungen sind sehr hilfreich, um sich ein Bild über eine Situation zu machen. Die Realität können sie aber nie ganz erklären.»

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Stefan Kuster: «Modellrechnungen können die Realität nie ganz erklären»
Aus News-Clip vom 20.10.2020.
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Die Herausforderung sei insbesondere, dass man den Effekt der «Circuit Breakers» noch gar nicht sehe, wenn man den Mini-Lockdown beende. «Aufzuhören, wenn sich die Zahlen noch gar nicht stabilisiert haben, stelle ich mir schwierig vor», sagte Kuster. Dennoch prüfe der Bund im Rahmen verschiedenster Szenarien im Moment auch diese Möglichkeit.

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Aus dem Archiv: Europa reagiert auf die Corona-Pandemie
Aus Tagesschau vom 19.10.2020.
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Tagesschau, 19.10.2020, 19:30 Uhr;

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188 Kommentare

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  • Kommentar von Franz Giger  (fjg)
    Kontrollierter Lockdown? Hatten wir im Frühling einen unkontrolllierten Lockdown?
    Der Staatspparat hat doch schon seit geraumer Zeit die volle Kontrolle über das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben übernommen.
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  • Kommentar von Marco D'Ercole  (Marco D)
    Ein Epidemiologin tritt mit Stoffmaske vor die Kamera und will uns auf einen nächsten Lockdown vorbereiten.
    Ein Beispiel wie man es eben nicht machen sollte bzw. wie wir den nächsten Lockdown eher nicht verhindern werden.
    Sorry aber solche Experten/-innen kann ich nicht ernst nehmen.
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  • Kommentar von Andreas Meier  (Epikur)
    Einen zweiten Lockdown wie im Frühling wird es nicht geben. Abgeschwächt, aber nur wenn die Invenstiv-Betten absehbar knapp werden oder die Todeszahlen wieder überpoportional steigen. Der Bund tut gut daran jetzt nicht gleich wieder die Zwangsschliessungs-Keule auszupacken. Das Virus ist keine unbekannte Bedrohung mehr. Allerdings wären einheitliche Anlass-, Veranstaltungs- und Versammlungsregeln längst überfällig. Das zeigt der Kantönligeist sein träges, überfordertes und unschönes Gesicht.
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    1. Antwort von Franz Giger  (fjg)
      Was jetzt passiert ist halt einfach eine schleichende, indirekte Zwangsschliessung, weil ganze Wirtschaftszweige förmlich abgewürgt werden.
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