Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona in den Gefängnissen
Aus SRF 4 News aktuell vom 24.03.2020.
abspielen. Laufzeit 03:04 Minuten.
Inhalt

Coronavirus bei Häftlingen Pläne für zentrale Pflegestation werden geprüft

Die Kantone diskutieren darüber, wie sie mit Häftlingen umgehen sollen, die mit dem Coronavirus infiziert sind.

Das Coronavirus macht auch vor den sichersten Mauern nicht halt. In Gefängnissen im Kanton Bern und in Genf gibt es die ersten erkrankten Insassinnen und Insassen. Doch wie sollen die Gefängnisse damit umgehen?

Dafür suchen die Kantone derzeit Lösungen. «Zum einen geht es darum, Leute verlegen zu können, wenn ein Gefängnis voll ist», erklärt Baschi Dürr, Polizeidirektor von Basel-Stadt und Vize-Direktor der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren. «Es wird aber auch diskutiert, ob man beispielsweise erkrankte Gefangene zusammenzieht, um sie besser betreuen zu können.»

Gefängnis Horgen vor der Reaktivierung?

Zusammenziehen in einer zentralen Pflegestation – dafür gibt es konkrete Pläne, wie Recherchen von Radio SRF zeigen. Im Kanton Zürich wurde im Dezember das Gefängnis Horgen geschlossen. Nun prüft der Kanton die Wiederinbetriebnahme. «Wir tun das jetzt mal für uns im Kanton Zürich in einem ersten Schritt», bestätigt die Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr auf Anfrage. «Aber selbstverständlich sind wir auch im Dialog mit anderen Kantonen. Wenn es zu einer solchen Pflegestation käme, dann würde sie auch anderen Kantonen zur Verfügung stehen.»

Noch gibt es nur vereinzelt Fälle und noch wird das erst überprüft. Aber wenn die Coronakrise andauern sollte, dann könnte das Gefängnis Horgen reaktiviert werden. Zunächst versuchen die Kantone aber, das Coronavirus von den Gefängnissen fernzuhalten – mit drastischen Massnahmen. Viele Kantone erliessen ein Besuchsverbot.

Kantone lockern Regeln

Das kann sich als gefährlich erweisen. In Italien kam es deswegen zu Meutereien. Für einen Gefängnisinsassen sei ein Besuchsverbot schlimm, sagt Jonas Weber, Strafrechtsprofessor der Universität Bern: «Kontakte zur Aussenwelt, die häufig in Form von Besuchen stattfinden, sind sehr wichtig für die Gefangenen.»

Einige Kantone lockern deshalb andere Regeln, erlauben mehr Briefe, verteilen Telefonkarten. Genf versucht als erster Kanton, seine überfüllten Gefängnisse nicht weiter zu belasten. Die Genfer Polizei konzentriert sich deshalb vor allem auf die Verfolgung von Schwerkriminellen. Der Kanton steht mit so einer Weisung aber bislang allein da in der Schweiz.

Es sei ein Balanceakt zwischen der Lage in den Gefängnissen und dem Rechtsstaat betont der Basel-städtische Polizeidirektor Baschi Dürr. Das Coronavirus ist auch eine Belastungsprobe für die Schweizer Gefängnisse.

Heute Morgen, 24.03.2020, 06.00 Uhr

Schliessen

Jederzeit top informiert!

Wir informieren laufend über die aktuelle Entwicklung und liefern Analysen zum Coronavirus. Erhalten Sie alle wichtigen News direkt per Browser-Push. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Sandra Eugster  (Sandra Eugster)
    Ich glaube, dass es im Moment auch für alle Nichtinsassen schwer ist, Sozialkontakt zu haben. Da müssen jetzt alle durch. Keine Ausnahmen.
    Bleibt zuhause und haltet Abstand.
    Bleibt Gesund...❤️
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Peter Müller  (PeRoMu)
    Ich würde mal meinen, dass Häftlinge i.d.R. nicht zu den Risikogruppen gehören. Anders ausgedrückt: Bei allen Häftlingen, die nicht zu den Risikogruppen gehören, ist Quarantäne völlig ausreichend - genau so, wie das gegenüber der übrigen Bevölkerung täglich kommuniziert wird. Ohne die Haftbedingungen zu kennen, gehe ich davon aus, dass unsere Gefängnisse die Anforderungen der Quarantäne erfüllen (können).
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Peter Müller: Ein Gefängnis ist ja faktisch schon eine Quarantäne-Station. Mindestens für die Gefangenen sollte dort ja kein freihes Ein- und Ausgehen möglich sein, so dass Ansteckungen minimiert sind. Bei den Aufsehern ist das natürlich anders.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen