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Wie steht es um die Corona-Therapie?
Aus Echo der Zeit vom 02.10.2020.
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Coronavirus Diese Covid-Therapien verheissen Gutes

Mediziner standen bei Covid-19 am Anfang einer unbekannten Krankheit gegenüber. Inzwischen haben sie mehr Erfahrung. Was ist der Stand?

Den ganz grossen Durchbruch gibt es in Sachen Corona-Medizin nicht. Aber ein Mosaik aus einzelnen Fortschritten und gelernten Lektionen, die zusammen medizinischen Fortschritt ergeben. «Es ist ein enormer Lerneffekt da», sagt Nicolas Müller, Infektiologe am Universitätsspital Zürich und Mitglied der Corona-Task-Force des Bundes.

Allzu sehr will er aber nicht mehr auf den einen grossen medikamentösen Erfolg hoffen. «Wir sind etwas zurückhaltender geworden, als wir das vielleicht in der ersten Phase waren. Ich denke aber, dass wir jetzt doch was gelernt haben. Wir haben einiges in der Hand.» Es sei nicht perfekt, aber eben: besser als im Frühjahr.

Drei Medikamente sind für die Corona-Therapie momentan zentral:

Remdesivir: Zu Remdesivir gab es im Mai erste klar positive Daten. Es verkürzt demnach, rechtzeitig gegeben, die Zeit, die Corona-Patienten im Spital verbringen müssen. Gibt man Remdesivir spät im Krankheitsverlauf, dann wenn Patienten schon beatmet werden müssen, bringt es dagegen nichts. Seit Mai gilt in der Schweiz: «Wir behandeln nur Patienten die hospitalisiert sind und einen Sauerstoffmangel haben, aber noch nicht mechanisch ventiliert sind, noch nicht beatmet sind auf der Intensivstation», so Manuel Battegay, Infektiologe am Unispital Basel und Mitglied im Leitungsteam der Corona-Task-Force.

Das sei typisch für Medikamente, die direkt gegen das Virus wirken. Sollen sie etwas bewirken, dürfen sie nicht erst dann gegeben werden, wenn im Körper schon zu viel Schaden entstanden ist. «Man muss sich das so vorstellen, dass bei mechanisch ventilierten Patienten der Entzündungsprozess allermeist voll im Gange und sehr, sehr ausgeprägt ist.»

In vielen Krankenhäusern der Welt wird Remdesivir inzwischen früher im Krankheitsverlauf gegeben. Manuel Battegay hält es für möglich, dass die Daten, die da gerade gesammelt werden, zeigen, dass Remdesivir nicht nur die Krankheitsdauer, sondern auch die Sterblichkeit erheblich senken kann. Bis Ende Jahr könnten dazu Ergebnisse vorliegen.

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Remdesivir nun auch in der Schweiz zugelassen
Aus Tagesschau vom 02.07.2020.
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Dexamethason: Es wirkt nicht wie Remdesivir gegen das Virus direkt, sondern unterdrückt die Entzündungsreaktion des Körpers, die gerade bei schweren Verläufen eine entscheidende Rolle spielt. In der britischen Recovery Studie senkte Dexamethason bei schweren Fällen die Sterblichkeit um bis zu 35 Prozent. Ganz so stark werde der Effekt in der Schweiz sicher nicht sein, sagt Manuel Battegay, unter anderem weil entzündungsfördernde Risikofaktoren wie schlecht eingestellter Diabetes oder Bluthochdruck hier weniger verbreitet seien.

Die Erfahrung der letzten Monate zeige aber auch hier, so die beiden Mediziner, dass Dexamethason offenbar einen klar positiven Effekt habe.

Blutverdünner: «Die Blutverdünnung ist sehr wichtig», so Nicolas Müller. Thrombosen und Lungenembolien sind häufige Komplikationen bei Covid-19, weil das Virus nicht nur die Lunge, sondern auch Blutgefässe angreift. Blutverdünner helfen dieses Risiko zu senken.

Viele befürchteten im Frühjahr, dass die kleine Schweiz, sich auf dem umkämpften globalen Medikamentenmarkt nicht würde gut genug versorgen können. Battegay und Müller geben Entwarnung, und loben das Bundesamt für Gesundheit. «Das BAG arbeitet da hervorragend. Wir haben im Moment genügend Remdesivir.» Und nicht nur im Moment, sondern sicher bis Ende Jahr. Und bis dahin sei vermutlich auch die globale Produktion so weit hochgefahren, dass sich die Situation ohnehin entspanne.

Was gibt es für Neuerungen?

Plasmatherapie: Manuel Battegay forscht am Unispital Basel an der Plasmatherapie. Dabei wird Patienten, die eine Erkrankung überstanden haben, Blut abgenommen, und die darin gegen Corona wirksamen Antikörper werden akut kranken Patienten gegeben. Erste Resultate sehen gut aus. Doch der klare Beweis, in grossen Studien, dass diese Therapie hilft, steht noch aus. Wenn es aber soweit ist, können Patienten hierzulande sofort behandelt werden. «All das ist nun technisch in der Schweiz vorhanden.»

Antikörper: Antikörper, die gegen das Virus helfen, kann man auch künstlich ausserhalb des menschlichen Körpers herstellen. «Es ist so, dass mehrere Firmen jetzt Antikörper entwickelt haben», sagt Manuel Battegay. «Entsprechende Studien dürften ca. im Januar, Februar des nächsten Jahres beginnen.» Ergebnisse könnte es im Sommer 2021 geben.

Echo der Zeit, 02.10.2020, 18 Uhr

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39 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula und Rolf Kathriner  (Rolf093)
    Warum wird nicht in der ganzen Schweiz,in denn Gross und klein Läden Masken pflicht eingeführt?!
    Bunderat soll in der ganzen Schweiz das sagen haben zur Maskenpflicht!!!
    Verstehe das nicht,und die keine anziehen,in Isolation egal wie lange,einfach sehr lange
    Danke den Leuten die die Maske anziehen,für Schutz für sich selbst und andere die schon sonst keine Chance hätten es zu überleben
    Ich zum beispiel COPD
    DANKE
  • Kommentar von Arthur Pünter  (puenti)
    Wieso wird wohl Remdesivir nicht frühzeitig bei Erkrankten eingesetzt und warum erst im Spital? Die Begründung erinnert frappant an die Maskenfrage im Frühjahr. Sie nütze gemäss Daniel Koch nicht und gebe eine falsche Sicherheit. Remdesivir dürfte heute ebenso Mangelware sein, wie damals die Masken.
    1. Antwort von Dominic Müller  (Domi3)
      Nebenwirkungen von Remdesivir: Leberwerterhöhungen, Hautausschläge, Übelkeit, Kopfschmerzen: Ich selber möchte es bei Corona nur bekommen, falls ich wirklich krank bin, also hospitalisiert und Sauerstoffmangel. Bei ca. 90% geht Corona ziemlich harmlos vorbei, dann sie diese Nebenwirkungen ein Bärendienst.
    2. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Die Maske nützt nur höchstwahrscheinlich in den allermeisten Situationen nichts, wo sie uns jetzt verordnet worden ist oder noch wird. Herr Koch war auch der Ansicht, Kinder seien keine Treiber dieser Pandemie, jetzt haben wir Masken am Betreuungspersonal in Kinderkrippen für den Fall, dass sie doch Treiber sind. Und Koch hat vermutet, die Schulschliessungen seien für die Katz gewesen, hätten aber wohl geholfen, allen den Ernst der Lage vor Augen zu führen. Noch Fragen?
  • Kommentar von Reto Derungs  (rede)
    Schade, dass Hydroxychloroquin nicht erwähnt wird. Mit diesem uralten Malaria-Medikament werden in viele Staaten ausgezeichnete Resultate erzielt. Das Medikament muss nur ganz zu Beginn, wenn sich die ersten Symtome zeigen, eingesetzt werden. Spitäler, die das so machen, haben eine 30 % tiefere Sterblichkeit als andere. Leider hat die WHO dieses Medikament nur untersucht, wenn man es Patienten verabreicht, die bereits auf der Intensivstation sind. Da wirkt es natürlich nicht mehr.
    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Welche Staaten setzen dieses Medikament immer noch ein?
    2. Antwort von Valentin Haller  (Projektionsfläche)
      Das von Trump ohne jede Evidenz beworbene Hydroxychloroquin ist bei COVID-19 nicht hilfreich und wird genau deswegen im Artikel nicht erwähnt. Es gibt nach wie vor keine fundierte Studie, die eine Wirksamkeit belegen konnte.
      Auch die US-Arzneimittelbehörde FDA hat die notfallmässig erteilte Zulassung von Hydroxychloroquin für die Behandlung von COVID-19 im Juni wieder zurückgezogen.
    3. Antwort von Astrid Meier  (Swissmiss)
      Nicht mal Trumps Ärzte haben ihn mit Hydroxychloroquin behandelt! Ich glaube, diese Mär können wir getrost vergessen. Es gibt ja eben wirklich wirksame Medikamente.
    4. Antwort von Rolf Bombach  (RGB)
      Das einzige, was an Hydroxychloroquin gesichert ist, ist dass es die Wirkung von Remdesivir neutralisiert.
    5. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      Ein deutscher Arzt meinte sogar, es sei anfangs in derart hohen Dosen verabreicht worden, dass die hohe Fallsterblichkeit darauf zurückzuführen sei. Klingt auch extrem, aber kam glaubhaft herüber, und wenn man bedenkt, was sonst noch in Italien, Spanien usw. an verderblichen Entscheidungen getroffen worden ist...
    6. Antwort von Reto Derungs  (rede)
      Na ja, auf der einen Seite ist es gut, dass es Medikamente im Kampf gegen das Coroanvirus gibt. Auf der anderen Seite hat das Medikament Hydroxychloroquin im Labor erfolgreich das Coronavirus bekämpft. Zur Erfahrung mit diesem Medikament verweise ich gerne auf ein Interview im Forbes (Controamerica) mit dem Titel "La hidroxicloroquina ha dado buenos resultados en República Dominicana", wo man sieht, dass das Medikament erfolgreich eingesetzt wird.