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Verändert Corona das Sexualverhalten?
Aus Rendez-vous vom 09.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
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Coronavirus und HIV «Für viele ist Sex der einzige Sozialkontakt»

Abstand halten, kein Körperkontakt – Fachleute bezweifeln, dass dies zu weniger risikoreichem sexuellen Verhalten führt.

In Zeiten wie diesen, in denen man sich zur Begrüssung nicht mehr die Hand geben, geschweige denn sich küssen darf, ist eigentlich klar, dass auch risikoreiche sexuelle Kontakte mit Fremden vermieden werden sollten.

Wer Sex braucht, der kommt zu seinem Sex.
Autor: Andreas LehnerAidshilfe Schweiz

Man habe seit einigen Wochen viele verunsicherte Telefonanrufer, die sich deswegen bei der Aidshilfe Schweiz melden würden, sagt Geschäftsführer Andreas Lehner: «Es kommt darauf an, wie man mit Sexualität umgeht, wie man Sexualität lebt. Wir sagen den Leuten immer dasselbe: Wenn Sie Sex haben, haben Sie Sex mit Partnern und Partnerinnen in ihrem Haushalt, und sonst versuchen Sie möglichst, auf Aussenkontakte zu verzichten.»

Das einschlägige Angebot sei zwar wegen der Massnahmen derzeit stark eingeschränkt, sagt Lehner. «Es ist so: Alle Studios, Bordelle und Sexclubs sind geschlossen, aber wer Sex braucht, der kommt zu seinem Sex.»

Keine Enthaltsamkeit wegen Coronavirus

Entweder man gehe doch zu einer Prostituierten oder einem Sexworker, oder aber man organisiere private Sextreffen. Joachim Hampel ist Facharzt bei Checkpoint Zürich, dem grössten HIV-Testzentrum der Schweiz. Auch er glaubt nicht an eine flächendeckende coronabedingte Enthaltsamkeit.

«Es gibt Leute, die einen anderen Bezug zu ihrer Sexualität haben, bei vielen ist es der einzige Sozialkontakt.» Die könnten nicht einfach damit aufhören, erklärt Hampel. «Es gibt auch Leute, die ein Suchtverhalten haben.»

Auch während der Aidskrise hatten die Leute weiterhin Sex.
Autor: Joachim HampelCheckpoint Zürich

Dass also nun alle aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus auf ein riskantes Sexualverhalten verzichten würden, und so quasi als positive Nebenwirkung des verhängten Lockdowns eine Ansteckung mit HIV oder anderen Geschlechtskrankheiten praktisch gegen Null sinken würde, sei unrealistisch, meint der HIV-Experte. «Das wünscht man sich natürlich, die Realität sieht meist anders aus. Auch während der Aidskrise hatten die Leute weiterhin Sex.»

Keine HIV-Tests wegen Corona-Massnahmen

Gibt es trotz Kontaktverbot sogar mehr HIV-Infektionen? Tatsache ist: Es wird weniger getestet, weil die HIV-Anlaufstellen ihr Angebot stark eingeschränkt haben. Lehner von der Aidshilfe sagt: «Die Anlaufstellen führen im Moment keine Routinekontrollen für HIV und andere Geschlechtskrankheiten durch.»

Grund sind die Abstandsregeln, die in solchen Zentren nicht eingehalten werden können. Nur wer Symptome habe oder wirklich ein klares Risiko eingegangen sei, solle sich melden, sagt Hampel vom Checkpoint Zürich.

Mehr, weniger oder gleich viele Infektionen?

Wie die Corona-Pandemie die Verbreitung von HIV beeinflusst, können die Fachleute nicht sagen. «Die Meinungen gehen da sehr auseinander. Einige sagen, es werde eine Zunahme geben, aber genauso viele Wissenschaftler sagen, nein, es wird eine Abflachung geben. Und die Dritten sagen, es bleibe genau gleich», sagt Lehner. Für alle drei Szenarien habe man ein Konzept in der Schublade, um dann rechtzeitig reagieren zu können.

Im Moment sind alle Kampagnen der Aidshilfe gestoppt. Eine neue Kampagne werde im Herbst gestartet, wenn die Pandemie hoffentlich vorbei sei, sagt Lehner. Voraussichtlich erst dann wird sich zeigen, ob und wie stark das Coronavirus unser Sexualverhalten verändert hat.

Rendez-vous, 09.04.2020, 12:30 Uhr

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Liechti  (Walimann)
    Gerade in solchen Zeiten ist Sex das allerbeste Mittel, Kummer und Sorgen für kurze Zeit vergessen zu können. Zudem ist er gesund und stärkt das Immunsystem.
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  • Kommentar von Adriano Granello  (Adriano Granello)
    Bei den boulevardisierten Schweizer Medienhäusern ist man sich billigste Stimmungsmache gewohnt. Aber dass seit Corona nun auch unser staatlich verordnetes und mit Zwangsgebühren finanziertes Schweizer Radio und Fernsehen auf der gleichen Welle reitet, mutet mehr als bedenklich an!
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  • Kommentar von Barbara Lampérth  (Luk 12/3)
    Bezahlte sexuelle Dienstleistungen sind weder "Sex" noch ein Sozialkontakt sondern ganz einfach bezahlter sexueller Missbrauch.
    Die Prostituierten haben ausser Geld nichts davon und auch dieses wird ihnen meist wieder abgenommen. Sie bezahlen mit ihrer psychischen und physischen Gesundheit dafür, dass wir so erbärmliche Machtstrukturen mitten in unserem Land dulden.
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    1. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Schön, nur existiert dazu bis anhin und wohl auch in Zukunft kein Artikel im Strafgesetzbuch unseres Landes. Womit eine Subsummierung von käuflichem Sex unter den Begriff Missbrauch schlicht und einfach Unsinn ist und bleibt!
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    2. Antwort von Beni Fuchs  (Beni Fuchs)
      Bezahlter Sex ist bezahlter Sex, kann aber durchaus auch mit Missbrauch zu tun haben. Wenn wir nicht mehr wollen, dass wir so erbärmliche Machtstrukturen mitten in unserem Land dulden, müssten erst mal die bestehenden Macht- und Besitzverhältnisse umgebaut werden. Ansonsten sind das einfach leere Worte.
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