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Was hilft gegen das Coronavirus?
Aus Rendez-vous vom 20.03.2020.
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Kampf dem Coronavirus Mit der Methode «Versuch und Irrtum» gegen die neue Krankheit

Ein Medikament gegen das Coronavirus gibt es nicht. Und trotzdem kommen bereits verschiedene Medikamente zum Einsatz, auch in der Schweiz. Es ist eine Situation wie bei Aids vor 30 Jahren, als man erst nicht wusste, was nützt.

«Medikamente einzusetzen, ohne genau zu wissen, was sie bringen, das machen Mediziner normalerweise nicht. Aber das Coronavirus stellt alles auf den Kopf», sagt Urs Führer, der leitende Arzt für Infektiologie am Spitalzentrum Biel. «Es gibt Substanzen, die experimentell eingesetzt werden. Es ist aber nicht klar, ob sie einen Nutzen haben oder nicht.»

Weltweit wird mit ganz verschiedenen Medikamenten experimentiert. Die ersten Hinweise, was wirkt – und bereits auch die ersten Studien – kommen aus China.

Nun werden auch Versuche in Europa gemacht, unter anderem am Inselspital in Bern, wie Hansjakob Furrer, Chefarzt der Infektiologie bestätigt. «Wir versuchen, Resultate aus unserer Forschung zu übertragen. Bei dieser Infektion haben wir wenig Zeit, und das ist schon speziell.»

Medikament soll Vermehrung der Viren unterbinden

Ganz verschiedene Medikamente werden ausprobiert. In erster Linie sind es Stoffe, mit denen man versucht, die Vermehrung der Viren zu blockieren oder zu verhindern, dass sie in die Lungenzellen eindringen. Dazu gehört ein altes Malariamittel: Chloroquin. Chinesische Forscher sagen, dass es sich nach ersten Studien als wirksam erwiesen habe.

Ebenfalls zum Einsatz kommt ein altes HIV-Medikament, das hierzulande unter dem Namen Kaletra verkauft wird. Beides sind zugelassene Medikamente. Man kennt deshalb auch die Nebenwirkungen recht genau.

Ein weiteres Medikament ist Remdesivir, das eigentlich gegen Ebola entwickelt wurde. Es hat sich gegen diese Krankheit aber nicht bewährt. Doch im Labor hat sich gezeigt, dass es gegen ein verwandtes Virus wirkt, und nun wird es gegen Covid-19 eingesetzt. Es wird allerdings erst bei wirklich schweren Fällen verordnet, wie Führer vom Spitalzentrum Biel sagt. «Remdesivir kommt nur bei Patienten zum Einsatz, die bereits künstlich beatmet werden.»

Blutserum von Geheilten

Von Tag zu Tag verändert sich die Lage für die Mediziner. Soeben wurde in China eine Studie publiziert, die besagt, dass das alte HIV-Medikament fast gar nichts bringt, wenn man es erst spät einsetzt.

Am Universitätsspital Basel soll bald mit Blutserum von Menschen, die die Krankheit gut überstanden haben, gearbeitet werden. Es gibt Hinweise, dass solche Bluttransfusionen den Erkrankten helfen könnten, wie Manuel Battegay, Chefarzt für Infektiologie und Spitalhygiene am Universitätsspital Basel, sagt: «Wir sind daran, diese Seren herzustellen. Wir möchten in wenigen Wochen bereit sein.» Die Tests müssen allerdings erst noch bewilligt werden.

WHO will die Studien koordinieren

Normalerweise dauert die Entwicklung von neuen Medikamenten Jahre. Die Weltgesundheitsorganisation hat zu koordinierten Studien aufgerufen, um besser abschätzen zu können, was wirklich hilft.

Die Schweiz will sich daran beteiligen, aber die hiesigen Mediziner denken auch über nationale Studien nach. Allerdings werden viele Medikamente bereits knapp. «Das ist ein grosses Problem. Man kann nur hoffen, dass die Medikamente in verschiedenen Ländern produziert werden können», so Battegay.

Es gab in der Schweiz bereits einen Aufruf, dass alle HIV-Positiven ihre Kaletra-Medikamente abgeben und auf andere umstellen sollen. Denn jeder Platz auf einer Intensivstation, der dank eines Medikamentes schneller frei wird, ist wertvoll.

Video
Coronavirus: Roche startet Testphase eines Medikamentes
Aus Tagesschau vom 19.03.2020.
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Rendez-vous vom 20.03.2020

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Eigentlich eine verkehrte Welt. Wir Alten, die den grössten Teil ihrer Lebenserwartung hinter sich haben, müssten eigentlich dafür sorgen, dass die Jungen die Kriese gut überstehen. Sie haben einen grossen Teil des Lebens noch vor sich.
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  • Kommentar von antigone kunz  (antigonekunz)
    Es ist noch nicht angekommen aber Impfungen sind Teil des Problems mit viralen Epidemien. Oder will da bei jedem Virus das gleich Procedere mit Shutdowns und allem drum und dran durchgespielt werden? Wir sind da in einem Kriegsmodus, wo dringend ein Modus von Zusammenleben angesagt wäre. Solange, Geld, Politik, Wissenschaft und Konzerne so eng liiert sind, wird weiter mit diesem selbstmörderischen Krieg an Kleinstorganismen weitergemacht. Auf Kosten aller und zu Gunsten der Immergleichen.
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    1. Antwort von Urs Salzmann  (pfefferusalz)
      Wo genau liegt ihr Problem? Impfungen, Kapitalismus oder beides?
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    2. Antwort von Daniel Bauer  (danbauer)
      Impfungen haben Millionen vom Leben gerettet. Eine Impfung die Covid-19 verhindert erhoffen sich wohl die meisten. Oder sind Sie derart zynisch, dass Sie es „gesünder“ finden, wenn die Bevölkerung periodisch durchgeseucht wird und halt die Schwachen und Kranken wegsterben?
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    3. Antwort von roland goetschi  (pandabiss)
      Wenn diese Pandemie einmal besiegt wird dann nur dank einer Impfung.
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  • Kommentar von Amina Moser  (Amina)
    Mir tun die vielen Versuchtiere leid, denen nun qualvolle Tierversuche angetan werden, die angeblich menschliches Leid lindern sollen. Ja drückt nur alle fleissig auf "ablehnen", es bleibt trotzdem so; Menschen haben mit ihrem rücksichtslosen Verhalten gegenüber der Schöpfung, der Natur und Tieren das ganze menschliche Leid verursacht und quälen nun weiterhin Tiere, angeblich um menschliches Leid zu mildern. Echt krank...
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    1. Antwort von antigone kunz  (antigonekunz)
      Frau Moser, ich bin ganz Ihrer Meinung. Die Genesis mit der Aufforderung an den Menschen sich Welt untertan zu machen, ist krank und von einem unendlich dummen Hochmut. Das Virus kann uns einiges lehren und tut es bereits. Genau diese Kriegs- und Vernichtungs Logik bringt uns an den Abbgrund. Die aktuelle Medizin, meint damit diese Virusangelegenheit zu lösen. Wird sie nicht. Ein Paradigmenwechsel steht an.
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    2. Antwort von Urs Salzmann  (pfefferusalz)
      Momentan denken sie besser an Menschen als an Tiere!
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    3. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Frau Moser, auch ich schliesse mich Ihren Aesserungen an. Die vielfältige Ausbeutung, Zerstörung, Vergiftung von Ökosystemen - Umwelt - Tier und damit schlussendlich auch der Menschheit durch egoistisches, skrupelloses Verhalten aus Habgier, zeigt irgendwann entsprechende Reaktionen. Die Menscheit muss sich im Denken und Handeln positiv verändern. Ohne intakte Ökosysteme, Umwelt, gibt es kein gesundes Leben für alle Lebewesen.
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    4. Antwort von Denise Casagrande  (begulide)
      Herr Salzmann: Alle Lebewesen haben Berechtigung auf Leben. Kein Mensch hat das Recht, Tiere oder Menschen für die eigenen Wünsche, Bedürfnisse, Interessen zu missbrauchen, zu quählen. Die Natur gesund erhalten, wäre "gesundheitsfördernd" für die Menschheit.
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    5. Antwort von Marlies Artho  (marlies artho)
      Meine Meinung ist, dass Menschen glauben sie seien unsterblich und das loslassen vom Materiellen viele mühe haben. Denn die Lebensweise in den letzten Jahrzehnten zeigen dies deutlich auf, wie ma n dem goldenen Kalb nachrannte und dabei oft die Natur vergass. Aber ja welche so denken und anderer Meinung sind, sind Lügner, sage nur soviel, der Wahrheit ist es egal wie sie erlangt wird. Wünsche allen eine Virenfreie Zeit und hoffe, dass ein Umdenken statt findet.
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