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Die Pille ‹Molnupiravir› verspricht Hilfe gegen Covid-19
Aus Info 3 vom 03.10.2021.
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Covid-Pille «Molnupiravir» «‹Molnupiravir› ist kein Argument gegen eine Impfung»

Ein Medikament, das gegen Covid-19 wirkt: Darauf wartet zurzeit die ganze Welt. Insbesondere jene, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind. Offenbar könnte schon bald ein Medikament die Zulassung erhalten: Der US-Pharmakonzern Merck hat die Pille «Molnupiravir» entwickelt.

SRF-Wissenschaftsredaktorin Irene Dietschi äussert sich zum neuen Medikament und der Wirkung der Pille.

Irène Dietschi

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Wissenschaftsredaktorin Radio SRF

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Irène Dietschi ist Wissenschaftsredaktorin von Radio SRF.

Irène Dietschi

Wissenschaftsredaktorin
Fachredaktion Wissenschaft
Schweizer Radio und Fernsehen
Studio Basel

Meret Oppenheim Platz 1B

4053 Basel

SRF News: Wie funktioniert oder wie wirkt diese Pille?

Irène Dietschi: «Molnupiravir» greift in die genetische Struktur von Sars-CoV-2 ein: Das Medikament blockiert die Vermehrung des Virus in den Zellen, in die es eingedrungen ist. Konkret passiert das so: Das Medikament baut sich als falscher Baustein in das Erbgut des Virus ein, was Mutationen verursacht – und die setzen dann sozusagen die «Kopiermaschine» von Sars-CoV-2 ausser Gefecht. Das Virus kann sich somit nicht weiter vervielfältigen.

Legende: Eine Experimental-Version der Pille «Molnupiravir» zur Behandlung von Sars-Covid-19, die von Merck (MSD) und Ridgeback Biotherapeutics entwickelt worden ist. Reuters

Die Pille muss schnell eingenommen werden, sobald die ersten Symptome auftreten – innerhalb von fünf Tagen. Warum?

Nach einer Ansteckung beginnt das Virus, sich rasend schnell in den Zellen zu vermehren. Genau da greift die Pille nun ein, sie blockiert wie gesagt diese Vermehrung. Wenn man da aber zu lange wartet, wird die Viruslast im Körper schnell zu gross, und die Symptome können sich rasch verschlimmern. Wenn das Medikament aber in der Frühphase, in den ersten fünf Tagen eingenommen wird, halbiert sich das Risiko, dass man ins Spital muss. Auch die Sterblichkeit wird deutlich reduziert. 

Wie wirksam ist dieses Medikament als Ersatz für die Impfung? 

Da gibt es zwei Aspekte: Es haben ja nicht alle Menschen auf der Welt Zugang zu einem Covid-Impfstoff. Vor allem in den ärmeren Ländern Afrikas sind zum Beispiel erst wenige Personen geimpft. Für sie ist es jedenfalls eine gute Nachricht, wenn es nun ein wirksames Medikament gegen Covid-19 geben könnte. Dasselbe gilt für Menschen mit Impfdurchbrüchen.

‹Molnupiravir› sollte kein Argument sein, auf die Impfung zu verzichten.

Aber – auch das betonen Experten – sollte «Molnupiravir» kein Argument sein, auf die Impfung zu verzichten. Das Medikament sei kein Ersatz. Die modernen Impfstoffe schützen ja zu 95 Prozent oder mehr vor einem schweren Krankheitsverlauf von Covid-19. Das ist viel mehr als die 50-prozentige Wirksamkeit von «Molnupiravir».

Das Medikament «Molnupiravir»

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«Molnupiravir» ist ein experimentelles Medikament gegen Viren, das als Pille zur Behandlung der Grippe (Influenzaviren) entwickelt worden ist. Die Forschungsarbeit dazu erfolge an der Emory Universität in Atlanta, Georgia. Die US-Pharmaunternehmen Merck (MSD) und Ridgeback Biotherapeutics haben seit 2020 mit Studien Fortschritte im klinischen Entwicklungsprogramm der Phase III von «Molnupiravir» veröffentlicht. Das Medikament könnte für die Behandlung von ambulanten milden bis mässigen Verläufen von Covid-19 eingesetzt werden. «Molnupiravir» hat noch keine Zulassung.

Ist diese Pille auch in der Schweiz erhältlich?

Zurzeit gibt es noch keinen Zulassungsantrag in der Schweiz. Die Heilmittelbehörde Swissmedic machte keine Angaben über den möglichen Zeitpunkt einer Zulassung. Der Hersteller Merck will aber nicht nur in den USA eine Notzulassung beantragen, sondern auch bei anderen internationalen Behörden. Sollte zum Beispiel die EU-Heilmittelbehörde EMA das Medikament zulassen, könnte man sich vorstellen, dass die Schweiz nachzieht.

Welche Folgen hat das Medikament für die Impfstrategie des Bundes?

Es gibt politische Stimmen, die sagen, die Impfung könnte ihre Stellung als wichtigstes Mittel im Kampf gegen die Pandemie einbüssen – so sagte etwa die Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel in der Sonntagspresse, Covid-Zertifikat und Maskenpflicht liessen sich nicht mehr rechtfertigen, wenn ein wirksames Medikament verfügbar sei. Doch das sind theoretische Überlegungen. Das Bundesamt für Gesundheit äussert sich auf Anfrage nicht zu «Molnupiravir» und auch nicht zu einer allfälligen Änderung der Impfstrategie.

SRF 3 Info 3, 03.10 .2021, 17:00 Uhr;

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52 Kommentare

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  • Kommentar von Nico-Alessandro Mognetti  (Nicooo)
    Dieses Medikament muss sehr früh eingenommen weden, in einer Phase wo es den Patienten eigentlich noch gut geht. Das Problem dabei ist aber dass es fast unmöglich ist in dieser Phase zu erkennen ob diese Person später auf der IPS landet. Den Patienten auf der IPS bringt das Medikament nichts da nicht mehr die Virusreplikation das Problem ist sondern die pathologische Immunantwort auf das Virus. Folglich ist das Medikament wahrscheinlich nur für Immunkompromittierte indiziert.
    1. Antwort von Angela Fischli  (Angela Fischli)
      Irrführend das ganze, wenn man keine Symtome vorlegen, wie soll dann das Medikament eingenommen werden und dann auch wieder "Eins" was im Schnellverfahren auf dem Markt gebracht wurde
  • Kommentar von Roger Berger  (TheKanickel)
    Das Medikament scheint sehr ähnlich zu wirken wie z.B. der von Gilead Sciences entwickelte Wirkstoff GS-4425, würde mich interessieren inwiefern die zwei Wirkstoffe sich gleichen. GS-4425 ist zurzeit ein heisses Eisen wenn es um die Behandlung von FIP geht. Leider ist der Wirkstoff nicht zugelassen und Gilead Sciences scheint momentan auch kein Interesse daran zu haben. Besonders nicht für die veterinärmedizinische Anwendung. Wäre schön wenn hier ein anderes Medikament Fortschritte macht.
  • Kommentar von Linda Hadorn  (Lindala80)
    Zitat: "Ein Medi, das gegen Covid-19 wirkt: Darauf wartet zurzeit die ganze Welt. Insbesondere jene, die nicht gegen das Coronavirus geimpft sind." Was ist das für eine Aussage? Als Ungeimpfte will ich bestimmt nicht das nächste Medikament welches im Schnellverfahren entwickelt und an die Menschheit gebracht wurde einnehmen. Warum überlegt bei diesen Disskusionen niemand, dass es um andere Themen geht, wenn man seinen Körper nicht mit Substanzen versorgen will, die man nicht frei wählen kann?
    1. Antwort von Thomas F. Koch  (dopp.ex)
      Es besteht für uns alle immer ein Restrisiko mit Substanzen versorgt zu werden, die man nicht frei gewählt hat. Das muss gar nicht im Zusammenhang mit Covid stehen, sondern schlicht mit jedem möglichen Unfall oder sonstiger Notbehandlung, zB Spritze gegen Starrkrampf.

      Dabei weiss man als (Notfall-)Patient über die verabreichten Mittel zum Zeitpunkt der Verabreichung als Patient rein gar nichts.
    2. Antwort von Urs Salzmann  (pfefferusalz)
      Ich hoffe einfach, dass es in den Chügeli keine Stoffe drin hat, die ihrem Körper schaden.
    3. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Als erwachsene, mündige Person dürfen Sie frei wählen und auf Behandlung verzichten. Sie müssen das einfach tun (am besten schriftlich), solange Sie noch bei Bewusstsein bzw. ansprechbar und entscheidungsfähig sind.
    4. Antwort von Andi Raschle  (aras)
      Frau Hadorn: Hat denn jemand gesagt, dass Sie "Molnupiravir" nehmen müssen? Ich denke nicht! Zudem ist das Medikament mit Sicherheit nicht primär für Ungeimpfte oder Geimpfte entwickelt worden. Es steht denn auch klar im Bericht, dass dieses Medikament für Personen mit einer symptomatischen Erkrankung an COVID-19 gerichtet ist. Die Einnahme wäre aber auch bei soclehn Personen freiwillig. Ich staune manchmal wirklich über die reflexhaften Abwehrreaktionen, auf Berichte wie diesen.