Italiens Premierministerin will ihren Botschafter nicht sofort nach Bern zurückschicken. Zuerst müsse die Schweiz einem gemeinsamen Ermittlungsteam zustimmen. Damit verlangt Italien von der Schweiz etwas, was es wohl selbst auch nicht gewähren würde. Nämlich, dass italienische Beamtinnen und Beamte in der Schweiz, im Kanton Wallis, in einem gemischten Team ermitteln dürfen.
Es ist eine Forderung, auf die die Schweiz kaum eingehen wird. Vielleicht findet man einen Kompromiss, in dem die Schweiz die italienischen Behörden aus erster Hand und regelmässig über die Untersuchung informiert. Doch ob sich Italien damit zufriedengibt, ist fraglich.
Vorzeichen, die wenig zuversichtlich stimmen
Damit stehen die Zeichen im Verhältnis zwischen Italien und der Schweiz nicht gerade auf Sturm, aber schlechtes Wetter ist angesagt. Im Fall Crans-Montana kommen verschiedene belastende Faktoren zusammen. Die vielen jungen Brandopfer, auch aus Italien. Ein Ermittlungsverfahren im Kanton Wallis, das zumindest bisher viele Fragen aufwirft. Und eine italienische Regierung, die populistischen Reaktionen nicht abgeneigt ist. Die Ingredienzen dieser Affäre stimmen keineswegs zuversichtlich.
In Italien kann man sprechen, mit wem man will, aber niemand hat derzeit grosses Verständnis für die Schweizer Position. Die Haftentlassung des Barbetreibers gegen eine Kaution von 200’000 Franken stösst in Italien auf breite Ablehnung. Und diese Stimmung greift die Regierung Meloni aktiv auf, weil sie weiss, dass ihr das viel Zustimmung und Applaus bringt.
Die linke Opposition hält sich beim Thema bisher zurück. Doch diese Zurückhaltung der sonst äusserst kritischen Opposition signalisiert Zustimmung zur harten Linie Melonis.
Belastungstest für die bilateralen Beziehungen
Italien wird auch weiterhin mit Argusaugen auf die Schweiz schauen. Und Italien tut dies mit einer dezidiert italienischen Brille. In Italien ist das Ansehen der Justiz nicht besonders gross. Denn italienische Prozesse dauern lang, die Gerichte sind überlastet, auch die Regierung Meloni selbst kritisiert die Justiz immer wieder. Und diese Kritik überträgt Italien nun eins zu eins aufs Schweizer Rechtssystem.
Unter diesen Umständen ist nicht auszuschliessen, dass Italiens Botschafter noch längere Zeit in Italien bleibt. Es wäre kein gutes Zeichen. Denn beide Länder sind eng verbunden und befreundet. In der Schweiz leben hunderttausende Italienerinnen und Italiener. Und jeden Tag pendeln zehntausende Grenzgängerinnen und Gänger aus der Lombardei ins Tessin.
Ein italienischer Botschafter, der statt in Bern in Rom arbeitet, ist weder im Interesse Italiens noch der Schweiz.