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Geothermie-Kraftwerk auf der Kippe
Aus Echo der Zeit vom 25.05.2020.
abspielen. Laufzeit 04:51 Minuten.
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Dämpfer für Energiestrategie Firma hinter gestopptem Geothermie-Projekt im Jura gibt nicht auf

  • Bis in 30 Jahren soll die Geothermie in der Schweiz anderthalbmal soviel Strom liefern wie das AKW Mühleberg, das letztes Jahr vom Netz ging.
  • Am weitesten fortgeschritten war ein Projekt im Jura. Doch dem entzog die Regierung wegen Widerstands aus der Bevölkerung die Bewilligung.
  • Das Unternehmen hinter dem Projekt gibt sich aber nicht geschlagen. Es hält an seiner Bewilligung fest und will zumindest seine Ausgaben zurück.

Es war das Vorzeigeprojekt der Geothermie in der Schweiz. In der Gemeinde Haute-Sorne in der Nähe von Delsberg hätte ein etwa fünf Kilometer tiefes Loch gebohrt werden sollen. Und dies mit einem anderen Verfahren als in Basel oder St. Gallen, wo Projekte noch Erdstössen gescheitert waren.

Hinter dem Projekt steht die Geo-Energie Suisse AG, eine Gesellschaft aus mehreren Schweizer Energieversorgern. Geschäftsführer Peter Meier sagt: «Dieses Vorgehen ist sehr ungewöhnlich. Es ist wahrscheinlich der erste Fall in der Schweiz, bei dem man so weit fortgeschritten – nach einem Bundesgerichtsurteil – nochmal auf eine Entscheidung zurückkommt. Hier muss man schon Klarheit schaffen, ob das überhaupt zulässig ist.»

Das heisst, die Geo-Energie Suisse AG gibt die rechtskräftige Baubewilligung nicht auf und wird, wenn nötig, auch vor Gericht gehen, damit das Projekt realisiert werden kann. Und falls sie dort scheitert, will sie wenigstens die Kosten für die bisherigen Abklärungen auf diesem Weg zurückfordern.

Parlament wollte den Projektstopp

Im Jura hat man die Antwort der Geo-Energie Suisse Mitte Mai erhalten. Heute sagt der zuständige Regierungsrat David Eray, dass man mit der Geo-Energie Suisse reden werde. Aber auch, dass der Widerstand gegen das Projekt gross sei: «Es gibt keine Zustimmung in der Bevölkerung. Das hat auch das Parlament bestätigt und gebeten, das Projekt zu stoppen.»

Es zeichnet sich also ein juristisches Tauziehen um das Geothermie-Projekt im Jura ab. Und das bedeutet: Nach wie vor gibt es keine Tiefenbohrung in der Schweiz, bei der Geothermie für die Stromproduktion verwendet wird. Dabei wäre genau das wichtig. Der Bund rechnet in seiner Energiestrategie 2050 damit, dass sieben Prozent des Schweizer Stromverbrauchs durch Geothermie gedeckt sind. Dafür bräuchte es etwa hundert Kraftwerke.

Eher Wärme- statt Stromproduktion

Ob die Prognose angepasst werden muss, dazu äussert man sich beim Bund noch nicht. Allerdings ist für Benoît Revaz, Direktor des Bundesamtes für Energie, klar: Geothermie entwickle sich gut, aber nicht zur Stromproduktion, sondern zum Heizen. «Wir haben in der Geothermie sehr gute Projekte, die unterschiedlich fortgeschritten sind, sowie eine unterschiedliche Entwicklung, was die Wärmenutzung und die Stromproduktion anbelangt.»

Nach dem Rückschlag im Jura wird sich erst noch zeigen müssen, ob es in der Schweiz jemals grosse Kraftwerke für Strom aus Geothermie geben wird.

Info 3, 25.05.2020, 17 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Halter  (Asterix der Gallier)
    Ich frage mich warum zu Beginn eine Bewilligung erteilt wird und dann plötzlich kurz vor Abschluss merkt "Ja aber HALT! Jetzt wollen wir das nicht mehr." Das macht doch jede Planungssicherheit zu nichte. Ich bin nicht Pro-Business aber etwas Fairness, sonst sagen sich die Firmen doch "so investiere ich nicht in zukunftsträchtige Technologien". Schade. Ich denke auch, wie andere Kollegen hier, mehr Aufklärung seitens Staat wäre nötig, z.B. wie man die Erdbebenproblematik verhindern will.
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    1. Antwort von Hans-Ulrich Rechsteiner  (Rechi)
      Herr Halter, nah dann viel Glück beim Erdbeben verhindern.
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    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      Bei der genannten Firma handelt es sich ja nicht um irgendein Unternehmen, sondern um eine Firma, die von den Elekterizitätswerken kontrolliert wird, die wiederum im Besitz der Kantone sind. Faktisch gesehen hat die Regierung/Exekutive hier sich selbst eine Baubewilligung erteilt, die dann aber in der Legislative auf Wiederstand gestossen ist. Alles ist rechtens, es existiert inzwischen schlicht kein politischer Wille mehr, das Ganze umzusetzen. Damit ist das Projekt politisch tot!
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  • Kommentar von Daniel Bucher  (DE)
    Geothermieprojekte sind nicht nur in St. Gallen wegen Erdbeben eingestellt worden sondern auch in Basel. Die Technologie ist unausgereicht. Man verfahrt nach dem Motto try and error. Die Nachteile trägt die Bevölkerung. Und das Unternehmen will auch noch die Kosten zurückerstattet. So geht das nicht. In Basel und St. Gallen mussten die Geschädigten lange um Entschädigung kämpfen. Hört doch auf mit solchen gefährlichen Basteleien, es gibt genügend sichere Arten der Strom- oder Wärmeproduktion.
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    1. Antwort von Frederik Fuchs  (F. J. Fuchs)
      Sie haben recht: die tiefe Geothermie hat noch nicht die Technologiereife erreicht wie z.B. die untiefe Geothermie mit Erdwärmesonden. Gleichzeitig hat sie sich jedoch weit vom Experimentalstadium emanzipiert. Das beweisen zahlreiche problemlos funktionierende Geothermiekraftwerke rund um den Globus.
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    2. Antwort von Robert Frei  (RFrei)
      @F.J.Fuchs. Die zahlreichen (nicht unbedingt) problemlos funktionierenden Geothermiekraftwerke befinden sich ausschliesslich in Zonen mit hohen geothermischen Aktivitäten, welche wir in der Schweiz nicht haben. Der durchschnittliche geothermische Wärmefluss der Schweiz ist nur 0.09 Watt pro Quadratmeter,
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  • Kommentar von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
    Letztlich ist es doch die gleiche Sache wie mit den AKW's und den Windturbinen: Jeder will Strom und zwar in Riesenmengen, vorallem auch die Industrie, aber niemand will die Tuebine, das Endlager oder die Geothermiestation in seiner Region. Gleich verhält es sich bei anderen Rohstoffen, woher das Palmöl, das Soya, die Baumwolle, die seltenen Erden kommen, alles egal, nur nicht vor meiner Haustüre. Nur konsumieren und verbrauchen will man.
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