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«Kameras verhindern keine Einbrüche»
Aus SRF 4 News aktuell vom 28.10.2019.
abspielen. Laufzeit 04:47 Minuten.
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Das Geschäft mit der Angst «Findige Unternehmer nutzen die Sorgen der Menschen aus»

Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer decken sich mit Alarmanlagen und Überwachungskameras ein, obwohl die Zahl der Einbrüche laut Statistik deutlich zurückgeht. «Wir haben die Schweizer gebeten, einzuschätzen, wie sie die Kriminalitätsentwicklung empfinden. Egal, welches Delikt man sich anschaut, überall überwiegt der Anteil der Menschen, die sagen, Kriminalität habe zugenommen», sagt Dirk Baier, der an der ZHAW auf diesem Gebiet forscht.

Dirk Baier

Dirk Baier

Professor ZHAW

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Dirk Baier ist Leiter des Instituts für Delinquenz und Kriminalprävention an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Seine Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Jugendkriminalität, Gewaltkriminalität und Extremismus.

SRF News: Wie kommt es, dass sich das Sicherheitsgefühl von der Realität so stark unterscheidet?

Dirk Baier: Die meisten Menschen haben keine eigenen Erfahrungen mit Kriminalität. Sie können daher nicht aus den eigenen Erfahrungen Schlüsse ziehen. Ihre Einschätzungen basieren in der Regel auf der Medienberichterstattung. Kriminalität geniesst dort einen hohen Stellenwert, denn es ist etwas Aussergewöhnliches.

Die überproportionale Medienberichterstattung führt dazu, dass die Kriminalitätsentwicklung so falsch eingeschätzt wird.

Zudem gibt es ein Recht der Bürgerinnen und Bürger, darüber informiert zu werden. Aber die Berichterstattung über kriminelle Taten hat eine gewisse Dominanz erhalten, und deshalb lesen wir relativ viel in den Nachrichten darüber, dass es Gewalt und Wohnungseinbrüche gegeben hat. Einbrüche werden gerne von den Medien aufgegriffen, denn diese Delikte machen den Menschen Angst. Die überproportionale Medienberichterstattung führt dazu, dass die Kriminalitätsentwicklung so falsch eingeschätzt wird.

Gehen Menschen, die bereits Einbrüche erlebt haben, anders mit Ängsten um?

Es hat wenig Einfluss auf die Sorgen, ob man selber schon einmal Opfer von Wohnungseinbrüchen geworden ist. Wir wissen aber, dass die Opfer grundsätzlich schon psychisch belastet sind. Sie haben ein grosses Bedürfnis, die Wohnung zu verlassen. Ein Umzug kommt nach jedem fünften Einbruch vor. Es ist definitiv eine belastende Erfahrung, Wohnungseinbrüche zu erleben. Aber die, die es nicht erlebt haben, haben trotzdem eine relativ hohe Angst davor.

Inwiefern können Videokameras helfen, das Sicherheitsgefühl zu verstärken?

Man muss hier in diesem Bereich aufpassen. Die Sorgen, die vorhanden sind, nutzen findige Unternehmer, um Dinge zu verkaufen, die es vielleicht gar nicht braucht.

Es sind gute Tür- und Fensterverriegelung und vielleicht ein Bewegungsmelder notwendig, damit mögliche Einbrecher abgeschreckt werden, weil Licht angeht.

Um sich effektiv vor Wohnungseinbrüchen zu schützen, braucht es gar nicht so viel. Es sind gute Tür- und Fensterverriegelung und vielleicht ein Bewegungsmelder notwendig, damit mögliche Einbrecher abgeschreckt werden, weil Licht angeht.

Hochtechnische Anlagen wie Videoaufnahmen kosten viel Geld und sind den Ergebnissen der Forschung zufolge gar nicht so effektiv, um Wohnungseinbrüche zu reduzieren. Sie können zwar durchaus eine Wirkung auf das Sicherheitsgefühl haben, aber effektiv minimieren sie das Risiko nicht. Die einfacheren Vorrichtungen sind definitiv wirksamer.

Das Gespräch führte Luzia Theiler.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Andre Baumann  (AnBa)
    Was machen die Riligionen anders? Sie machen Angst vor Fegefeuer und Hölle, und preisen alsdann ihre Heilsbotschaften an und bauen Überdimensionierte Sakralbauten mit hohen schlanken Gebäudeteilen damit das Volk stets den Mahnfinger sieht!
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  • Kommentar von Norbert Zehner  (ZeN)
    Wenn solche Unternehmer Sorgen der Menschen ausnutzen, was tur denn der ganze Polit- und Medienbetrieb anderes tagaus tagein? Was ist denn die ganze Klimapolitik anderes, wo vorsorglich Notstände verkündet und zukünftige Katastrophen herbeigeredet werden, obwohl faktisch heute kein Mensch in CH auch nur im entfernten in Not deswegen ist.
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    1. Antwort von Sam Brenner  (Sam Brenner)
      Oder anno dazumal, als über den Bau von religiösen Türmchen abgestimmt wurde ...
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    2. Antwort von Urs Vetterli  (U.V.)
      Nur weil sie es offenbar noch nicht bemerkt haben, heisst es noch lange nicht, dass die Schweiz nicht betroffen wäre von der Klimaerwärmung. Diese schnelle Erwärmung in Verbindung mit den dazugehörenden Wetterextremen wird grosse Umwälzungen in der ganzen Natur mit sich bringen. Wer die Augen nicht verschliesst, stellt dies schon lange fest. Und spätestens wenn an verschiedenen Orten der Welt ganze Landstriche unbewohnbar werden und Völkerwanderungen auslösen, werden auch sie es bemerken.
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  • Kommentar von Stefan Renevey  (weissdassichnichtsweiss)
    Eigenartig... keiner schreibt was von Hunden. Die beste Alarmanlage.
    Und es freut mich zu wissen, dass diese feigen Individuen sich zu tode fürchten vor diesen grundsätzlich liebenswerten Wesen.
    Aber es stimmt schon; Unseren drei Broholmern möcht ich auch nicht begegnen mit unlautern Absichten;-))
    Natürlich verursacht ein Hund ebenfalls Kosten. Beim Erwerb und dann muss er unterhalten werden. Aber mal ehrlich, wen würden Sie lieber unterstützen?
    Eine Techniologielobby oder ein Lebewesen?
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