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Keller-Sutter: «Ehe hat Monopolstellung in Partnerschaft verloren»
Aus News-Clip vom 22.09.2020.
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Debatte im Nationalrat Erbrecht: Pflichtteil für Eltern wird gestrichen

Das Erbrecht wird modernisiert. Der Pflichtteil der Kinder wird reduziert, jener für Lebenspartner ist gescheitert.

Das fast hundertjährige Erbrecht wird modernisiert: Nach dem Ständerat hat sich auch der Nationalrat dafür ausgesprochen. Das Ziel der Reform ist es, den neuen Beziehungs- und Familienformen besser Rechnung zu tragen. Patchworkfamilien mit Kindern des Partners oder der Partnerin, rechtlich nicht definierte Partnerschaften oder Zweit- und Drittehen sind weitverbreitet.

Die Revision des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs soll diese Kluft zwischen Recht und Wirklichkeit verkleinern.

Justizministerin Karin Keller-Sutter gab zu bedenken, dass sich das geltende Erbrecht bewährt habe und deshalb keine «fundamentalen Neuerungen» angezeigt seien. Die Regeln sollten aber «so weit nötig» modernisiert werden.

Keine Revolution

Eine deutliche Mehrheit der grossen Kammer begrüsste die Vorlage, wenn auch ohne Enthusiasmus. «Die Vorlage wird nicht zu weniger Erbstreitigkeiten führen, aber immerhin zu etwas mehr Freiheit», sagte Philipp Matthias Bregy (CVP/VS), der als Scheidungsanwalt tätig ist.

SP und Grüne wären gewillt, eine umfassendere Reform anzupacken. Kleine Anpassungen seien aber besser als keine, sagte Daniel Brélaz (Grüne/VD). Beat Flach (GLP/AG) sprach von einer «moderaten Vorlage».

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Schwander: «Das Erbrecht soll dem Familienfrieden dienen»
Aus News-Clip vom 22.09.2020.
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Grundsätzlich gegen die Reform wehrte sich einzig die SVP-Fraktion. «Wir öffnen diese Büchse der Pandora besser nicht», warnte der Schwyzer Pirmin Schwander. Das Erbrecht solle dem Familienfrieden dienen. Die Revision störe diesen. Eine Revision wäre aus Sicht der SVP einzig dann sinnvoll, wenn der Erblasser ganz frei entscheiden könnte, was mit seinem Nachlass passiert.

Mehr Freiheiten für Erblasser

So weit will der Bundesrat nicht gehen. Er setzt aber bei den Pflichtteilen an: Das ist jener Anteil am Erbe, auf den Kinder, Ehegatten oder Eltern Anspruch haben. Am Konzept wird nicht gerüttelt: Wer ein Vermögen hinterlässt, kann auch in Zukunft nur mit Einschränkungen bestimmen, wer welchen Anteil daran hält.

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Arslan: «Das Erbrecht ist nicht mehr zeitgemäss»
Aus News-Clip vom 22.09.2020.
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Erblasser können aber künftig über einen grösseren Teil des Nachlasses frei verfügen. Der Pflichtteil für die Nachkommen wird verkleinert. Heute stehen Kindern vom gesetzlichen Erbteil drei Viertel als Pflichtteil zu. Mit einem überlebenden Ehegatten müssen sie diesen Anspruch teilen. Neu wird der Pflichtteil der Kinder auf die Hälfte reduziert, jener für die Eltern wird gestrichen.

Der Pflichtteil des Ehepartners oder des eingetragenen Partners wird bei der Hälfte des gesetzlichen Erbanspruchs belassen. Das Parlament stimmte diesen Änderungen ohne grosse Diskussion zu.

Keine Rente für Lebenspartner

Der Bundesrat schlug auch vor, eine Regelung für Lebenspartnerinnen und -partner zu erlassen. Diese gehen heute leer aus, wenn der Erblasser keine entsprechenden Anordnungen getroffen hat. Der Bundesrat wollte ihr Existenzminimum mit einem Unterstützungsanspruch sichern, sofern das Paar mindestens fünf Jahre zusammengelebt hat.

Das Parlament strich jedoch diese Regelung. Die grosse Kammer folgte mit 94 zu 90 Stimmen bei 2 Enthaltungen dem Ständerat.

In der Gesamtabstimmung nahm die grosse Kammer die Vorlage mit 140 zu 48 Stimmen bei einer Enthaltung an. Diese geht nun zurück an den Ständerat. Die kleine Kammer diskutiert voraussichtlich in der Wintersession über die verbleibenden Differenzen.

SRF 4 News, 22.9.2020, 11:00 Uhr;

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Samuel Müller  (Samuel Müller)
    Auf keinen Fall weiter als nötig (KKS). Generell muss man gegen eine weitere Diskriminierung der leiblichen Väter sein. Das Interesse einer Mutter in einer weiteren Beziehung finanziell bedeutend attraktivere Verhältnisse vor zu finden (zweiter Zahler) sind ohnhin schon viel zu gross. (in seltenen Fällen auch umgekehrt, hauptsächlich ist es aber eine sehr diskriminierende Situation der Männer!)
    Wenn man zu stark an diesen bewährten Recht schraubt, dann wird die Scheidungsrate weiter steigen.
  • Kommentar von Elisabeth Frehner-Isenring  (Denia)
    Dass mehr an die Partner als an die Nachkommen gedacht wird, finde ich richtig. Erbverträge erlauben ja einen völligen Verzicht der Kinder, wenn diese ihr schriftliches Einverständnis geben. Dies haben mein Mann und ich schon längstens gemacht. Die Töchter erben erst, wenn wir beide gestorben sind. Es lohnt sich halt, wenn man für eine gute Ausbildung und ein gutes Verhältnis zeitlebens vorgesorgt hat. Gutes kommt immer retour!
  • Kommentar von Elias Meier-Vogt  (Elias Meier-Vogt)
    Es wäre toll, eine kleine übersichtliche Darstellung zu zeigen, was nun beschlossen wurde.