Die Deutschkenntnisse bei den Aargauer Vorschulkindern sind schlecht. Zu diesem Schluss kommt man, wenn man den Bericht der Universität Basel liest, der zu den Sprachstandserhebungen in 84 Aargauer Gemeinden gemacht wurde.
Demzufolge benötigen 37.6 Prozent aller Aargauer Kinder im Alter zwischen drei und vier Jahren Unterstützung in Deutsch. Sie sprechen entweder schlecht, zum Teil sogar gar kein Deutsch. Im Bericht der Universität Basel heisst es etwa: «Die Werte lassen darauf hinweisen, dass der deutschen Sprache eineinhalb Jahre vor Kindergarteneintritt bei rund zwei Fünfteln der Kinder keine vorrangige Bedeutung zukommt.»
Besseres Deutsch dank Kita oder Spielgruppe
In dem Bericht wird ausserdem thematisiert, wie sich die Deutschkenntnisse der Kinder entwickelt haben. Ob jene, die eine Kindertagesstätte oder eine Spielgruppe besuchen, besser Deutsch sprechen als andere. «Den Resultaten ist zu entnehmen, dass der Besuch einer frühen Bildungseinrichtung einen wichtigen Beitrag zur Deutschsprachentwicklung leistet», kommt der Bericht zum Schluss.
Hinter den Sprachstandserhebungen steht der Kanton Aargau. Hier tritt im Sommer ein neues Volksschulgesetz in Kraft. Ziel des Gesetzes ist eine stärker gesteuerte und auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtete Volksschule. Ein zentrales Anliegen ist dabei die sprachliche Frühförderung vor dem Schuleintritt.
Sprachumfrage ab nächstem Jahr obligatorisch
Neu gibt es daher im Aargau 18 Monate vor dem Eintritt in den Kindergarten eine Sprachstandserhebung zu den Deutschkenntnissen. Diese dient als Grundlage für die frühe Sprachförderung.
Obligatorisch ist diese Erhebung ab nächstem Jahr im gesamten Kanton Aargau. In diesem Jahr haben sich 84 der rund 200 Aargauer Gemeinden freiwillig daran beteiligt. Ermittelt wurden die Deutschkenntnisse anhand eines Fragebogens an die Eltern. Die Rücklaufquote war gemäss dem Bericht der Uni Basel mit über 90 Prozent sehr hoch.
Bildungsdirektorin Bircher besorgt
Auftraggeberin des Berichts der Universität Basel ist die Aargauer Bildungsdirektorin Martina Bircher (SVP). Sie zeigt sich ob der Ergebnisse zwar nicht überrascht, aber dennoch alarmiert. «Den Rückstand, den manche Kinder bereits beim Eintritt in den Kindergarten haben, können sie kaum aufholen.» Es sei daher wichtig, früh mit Bildungsangeboten anzusetzen, um die Chancengleichheit auch für diese Kinder zu verbessern.
Dabei denkt Martina Bircher nicht nur an Deutschkurse, sondern auch an andere Angebote wie Kindertagesstätten oder Spielgruppen. «Frühförderung betrifft nicht nur Deutsch, es geht um viel mehr Fähigkeiten, die sich die Kinder vor dem Eintritt in den Kindergarten aneignen sollten.»
Die Aargauer Bildungsdirektorin berichtet von Kindern, die mit Windeln in den Kindergarten kämen oder bis dahin noch nie eine Schere in der Hand gehabt hätten. «Diese Kinder haben in ihrer gesamten Schulkarriere einen Nachteil.»
Die Aargauer Gemeinden sind selbst dafür verantwortlich, bei sich Angebote der Frühförderung auf- oder auszubauen – falls sie diese wollen. Die Frühförderung bleibt freiwillig. Bei der Finanzierung unterstützt der Kanton die Angebote mit 400 Franken pro Kind, das schlecht Deutsch spricht.