Spontan in den Bus steigen und beim Chauffeur ein Billett mit Münz kaufen, das ist an immer mehr Orten in der Schweiz vorbei. Ohne Kartengeld, Smartphone-App oder Abo droht Schwarzfahren, wenn man nicht aufpasst. Die meisten Verkehrsbetriebe sind lokal verankert und in regionalen Verbünden organisiert, daher ist die Schweiz ein ÖV-Flickenteppich.
So hat gerade die Baselland Transport (BLT) Mitte Dezember beim Fahrplanwechsel die Münzkassen aus ihren Bussen entfernt, als sie ihr veraltetes System ersetzte. Jetzt kann man im Fahrzeug nur noch digital Billette kaufen und ausdrucken. Laut BLT-Chef Frédéric Monard hat die Einführung der Digitalautomaten im Bus gut geklappt.
Jetzt ebenfalls umgestellt haben die Verkehrsbetriebe Schaffhausen, allerdings mit einem anderen System: In Schaffhausen hält man eine Karte oder ein Mobiltelefon mit Bezahl-App beim Ein- und Aussteigen an einen Sensor ohne Drucker, und das System bucht dann den Fahrpreis ab – so läuft das bereits im Kanton Graubünden.
Nachfrage mit bar winzig
Für Verkehrsbetriebe ist das Hantieren mit Bargeld ein Aufwand, der sich kaum mehr lohnt, weil die Nachfrage schwindet. Nur noch ein halbes Prozent der BLT-Kundschaft etwa bezahlt heute noch bar. Und ohne Billettverkauf können Chauffeure den Fahrplan besser einhalten.
Doch überall, wo das Bargeld aus dem öffentlichen Verkehr verschwindet, gibt es Kritik: Ältere Menschen seien von Digitaltechnik überfordert, heisst es oft, mit Kredit- oder Bankkarten hinterlasse man digitale Spuren, Kinder hätten keine dieser Karten, und Prepaidkarten aufzuladen, sei mühsam.
Wer will ÖV-Billette bar bezahlen?
Grundsätzlich kritisch ist die Stiftung für Konsumentenschutz: «Der ÖV ist nicht irgendein Anbieter, sondern Service Public. Es darf niemand ausgeschlossen werden, der nicht digital unterwegs sein will oder kann», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Wer mit Bargeld einkaufen will, könne in einen anderen Laden gehen, um digitalen Kassen auszuweichen, aber beim ÖV sei das unmöglich.
Uneinigkeit zu digitalem Komfort
Monard stimmt zu, dass der ÖV für alle einfach zu nutzen sein müsse. Darum seien die sogenannten Tap-and-Ride-Automaten der BLT sehr einfach und intuitiv zu benutzen. Als Bargeldalternative verweist er auf Prepaidkarten, namentlich die neue der Alliance Swisspass, die am Schalter gekauft wird. Mit Prepaidkarten könne man weiter anonym im ÖV fahren.
Für Stalder sind Chipkarten jedoch nur eine «halbbatzige Lösung», denn um Guthaben zu laden, müsse man das eben doch irgendwie digital tun oder an einem Schalter anstehen. Monard verspricht, man könne sein ganzes Münz im BLT-Shop auf die Karte laden lassen, räumt aber ein: «Diesen Umweg muss man machen, wenn man weiterhin mit Bargeld unterwegs sein will.»
Der Zürcher Verkehrsverbund hat vor einem Jahr noch radikaler das Bargeld aufgegeben: Mit Geräten im Fahrzeug wird jetzt kein Billett mehr verkauft. Das habe in den ersten Monaten negative Reaktionen gegeben, aber weniger als erwartet. Denn drei Viertel aller Passagiere kaufen ihr Billett bereits per App. Als Alternative zum Verkauf im Bus bietet der ZVV einen Billettverkauf per Telefon an, doch so werden nur äusserst wenige Tickets verkauft.
Nicht nur aus den Bussen verschwindet das Bargeld immer mehr, auch an den Haltestellen sind die Tage des Münzes gezählt. Zum Beispiel der Tarifverbund Nordwestschweiz will ab Mitte 2027 die veralteten Automaten durch rein digitale ersetzen.