Zum Inhalt springen

Header

Audio
Digitalisierung und die Folgen für die Demokratie
Aus Rendez-vous vom 17.08.2021.
abspielen. Laufzeit 03:11 Minuten.
Inhalt

Digitale politische Teilnahme Digitalisierung birgt Chancen und Risiken für die Demokratie

Eine Studie zeigt: Die Gefahr des Rückzugs in eine Echokammer ist in der Schweiz nicht so gross.

Die typische Person, die sich in der Schweiz politisch beteiligt, ist 57-jährig, gebildet und männlich. Doch digitale Plattformen erlaubten es, die Diskussion auf breitere Bevölkerungsschichten auszuweiten, sagt Stefanie Bosshard vom Dachverband der Schweizer Jugendparlamente. «Wir haben herausgefunden, dass diese Plattform tendenziell die sozio-demografischen Merkmale überwinden kann. Das ist manchmal bei der analogen Partizipation nicht der Fall.»

Das hat der Dachverband der Jugendparlamente anhand ihrer eigenen Plattform aufgezeigt. Dort können junge Menschen Anliegen einbringen und direkt an die politisch Verantwortlichen adressieren. Eine Chance der Digitalisierung sei, dass Minderheiten sichtbarer werden, sagt Stefanie Bosshard, das Risiko sei hingegen, dass sich Menschen in ihre Echokammern zurückzögen, also sich nur mit Gleichgesinnten austauschten und die Vielfalt der Argumente ausblendeten.

Diese Tendenz sei aber in der Schweiz nicht sehr ausgeprägt, erklärt Urs Bieri vom Forschungsinstitut GFS Bern. «Es gibt verschiedene Studien, die aufzeigen, dass dies nicht geschieht. Man hat nach wie vor sehr viele Informationen zur Verfügung, nicht nur in den digitalen Räumen, sondern auch offline in Diskussionen mit dem Umfeld. Das hilft, Informationen in der ganzen Breite zu erhalten und entscheiden zu können.»

Rückzug ist möglich

Es gebe allerdings gewisse Gruppen von Menschen, die sich aktiv in Echokammern zurückzögen und sich nicht über die professionellen Informationsanbieter informieren wollten. Das werde durch die Digitalisierung nicht gefördert, aber zumindest ermöglicht.

Die politische Würdigung der verschiedenen Studien oblag Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, der im Stiftungsrat der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung TA Swiss sitzt. Die Chancen der Digitalisierung müsse durch Ausbildung gefördert werden, damit möglichst wenig Menschen ausgeschlossen seien von der politischen Debatte im Netz, sagt er.

Digitale Plattformen erreichen mehr Leute
Legende: Digitale Plattformen erreichen mehr Leute Digitale Plattformen helfen, sozio-demografische Hürden zu überspringen. Colourbox

Ein weiteres Risiko sei, dass die Politik auf binäre Eigenschaften reduziert werde, also schwarz-weiss oder für oder gegen etwas zu sein oder einfach eine Mehrheit zu generieren. «In Wirklichkeit braucht Politik Fantasie. Es müssen Kompromisse gesucht werden, Minderheiten müssen einbezogen werden. Das droht durch die Digitalisierung etwas unterzugehen, und das muss in Erinnerung gerufen werden», so Leuenberger.

Die TA-Swiss-Studie wirft auch die Frage einer Regulierung der grossen Social Media Plattformen auf. Das sei aber eher ein Appell an die Staatengemeinschaft, sagt Leuenberger, denn ein Nationalstaat allein könne die international tätigen Technologiekonzerne nicht an die Kandare nehmen.

 

Rendez-vous vom 17.08.2021, 12.30 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

4 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Javier López  (Javier López)
    "In Wirklichkeit braucht Politik Fantasie. ... Das hilft, Informationen in der ganzen Breite zu erhalten und entscheiden zu können."

    Aber denken muss man schon noch selber. Das tun die wenigstens.

    Zitat von Grady Booch, Software Ingenieur.
    A fool with a tool is still a fool
  • Kommentar von Christoph Stadler  (stachri)
    Dies ist wieder eine Reportage über ein Thema, wo es wieder lauter "könnte", "möglich" etc. im Text hat. Schon alleine die Aussage: "Die typische Person, die sich in der Schweiz politisch beteiligt, ist 57-jährig, gebildet und männlich" ist fragwürdig.
    Frau Bosshards Bedenken werden sogleich von GFS Bern entkräftet.
    Ich frage mich wofür solche Berichte gut sein sollen.
  • Kommentar von Philipp M. Rittermann  (airmaster1)
    die digitalisierung bedeutet für viele kmu eine gute chance, die dienstleistungen wieder kundennäher und persönlicher zu gestalten. weil "digitalisierung" heisst für viele multinationale grosskonzerne nichts anderes als "dienstleistungsabbau."
    ich spreche also nach wie vor mit einem menschen am telefon, als mit einem bändli mit 17 optionen und keiner konkreten anlaufstelle, wenns drauf ankommt.... . aber wahrscheinlich ist meine zeit auch langsam abgelaufen. brave new world.
    1. Antwort von Peter Panzerfaust  (Gereon)
      Wie heisst es so schön: Entweder man geht mit der Zeit oder mit der Zeit geht man.

      Fortschritt lässt sich nicht aufhalten, nur manchmal etwas verlangsamen.