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Legende: Audio Studie zur Doppelbürgerschaft in Zeiten des Doppeladlers abspielen. Laufzeit 03:15 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 18.12.2018.
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Doppelbürger in der Schweiz Weniger loyal und schlecht integriert? Falsch!

Eine neue Studie stellt Doppelbürgern ein gutes Zeugnis aus – und wartet mit einem brisanten politischen Vorschlag auf.

Die WM in Russland wird in der Schweiz weniger aus sportlichen als aus politischen Gründen in Erinnerung bleiben. Die berühmt-berüchtigte Doppeladlergeste von Schweizer Spielern entfachte die Diskussion um die Integration von Doppelbürgern von neuem. Nun hat eine Studie der Eidgenössischen Migrationskommission (EKM) untersucht, ob sie tatsächlich weniger verbunden sind mit der Schweiz.

Jede vierte Schweizerin, jeder vierte Schweizer hat noch einen weiteren Pass und ist damit Doppelbürgerin. EKM-Präsident Walter Leimgruber findet diese Zahl eindrücklich. Sie sage einiges über die Schweiz aus: «Man merkt, wie vielfältig sie geworden ist. Es gibt nicht einfach ‹entweder oder›. Es gibt immer mehr Leute, die ‹sowohl als auch› sind.»

Doppelbuerger Verhältnis

«Sowohl als auch sein» sei Chance, aber auch Risiko, heisst es in der Doppelbürgerstudie. Entstanden ist sie an der Universität Luzern im Auftrag der EKM. Zum Risiko wird die doppelte Staatsbürgerschaft, wenn beide Staaten Steuern einziehen wollen – oder wenn beide Staaten einen Doppelbürger zum Militär aufbieten wollen.

Die Einbürgerung befördert die Integration.
Autor: Walter LeimgruberPräsident der EKM

Die Chancen würden aber klar überwiegen, bilanzieren die Autoren, und so sieht es auch ihr Auftraggeber, EKM-Präsident Leimgruber: Wenn Menschen ihre alte Staatsbürgerschaft behalten könnten, seien sie eher bereit, sich einbürgern zu lassen. Und wer sich einbürgern lasse, integriere sich schneller: «Die Identifikation wird grösser. Die Einbürgerung befördert also die Integration.»

Auch Doppelbürger zieht es an die Urne

Bei Bildung und Einkommen zeige sich, dass Doppelbürger gut integriert seien. «Und die Studie zeigt, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass sie weniger loyal sind gegenüber der Schweiz. Sie gehen ungefähr gleich oft abstimmen wie die Einfach-Bürger.»

Doppelbuerger Erwebstätigkeit

Unterschiede gibt es bei der Freiwilligenarbeit. Doppelbürger sind weniger vertreten in Vereinen, Klubs oder Parteien. Für EKM-Präsident Leimgruber ist das wenig aussagekräftig: «Hier wurden nur klassische Vereinsmitgliedschaften erfasst. Wir sehen im urbanen Umfeld, dass Engagement oft auf einer anderen, spontanen Ebene läuft.» Das treffe auch auf Doppelbürger zu: Sie leisteten mehr Freiwilligenarbeit ausserhalb von Vereinen oder Parteien.

Weitergabe des Bürgerrechts einschränken?

Einen skeptischen Blick wirft die Studie auf Schweizerinnen und Schweizern, die seit Generationen als Doppelbürger im Ausland leben. Diese können das Schweizer Bürgerrecht von Generation zu Generation weitergeben, auch wenn sie keinerlei Beziehungen mehr zur Schweiz haben.

Das sei problematisch, schreiben die Autoren. Sie regen eine Diskussion an, ob Auslandschweizer den Roten Pass künftig nicht mehr unbeschränkt weitergeben dürften. Diese politisch brisante Idee teile die EMK nicht, sagt Leimgruber: «Ich persönlich würde die Weitergabe des Schweizer Bürgerrechts nicht infrage stellen.»

Doppelbuerger Einbürgerung Geburt

Leimgruber sagt aber: «Warum ist es uns so wichtig, dass alle, die teils seit Generationen im Ausland leben, Schweizer bleiben? Und warum haben wir umgekehrt Vorbehalte, denen das Schweizer Bürgerrecht zu geben, die seit Generationen hier leben?» Das seien spannende Fragen.

Es brauche keine höheren Hürden für Auslandschweizer, die Schweizer bleiben wollten. Sondern tiefere Hürden für Ausländer, die Schweizer werden wollen, findet Leimgruber. Politisch brisant ist auch das.

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68 Kommentare

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  • Kommentar von Ursula Jost  (Uschi)
    Habe damals meinen deutschen Pass abgegeben. Ich bin Schweizerin schon sehr lange und meine Kinder sind Schweizer, ich habe kein Heimweh und also, was soll's?
    Hier habe ich Freiheit, es geht mir gut, was will ich mit einer deutschen Staatsbürgerschaft?
    EU? Nein, danke.
    Ich bin Schweizerin mit Leib und Seele
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  • Kommentar von Werner Christmann  (chrischi1)
    Meldung in der Presse: Schweizer Doppelpass-Soldaten feiern die Kosovo-Armee und wollen sich sogar dort anschliessen. Was soll man davon halten?
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    1. Antwort von Hanspeter Müller  (HPMüller)
      "Meldung in der Presse" ists denn auch wahr? Wahrscheinlich nicht. Ein Albanisches onlineportal berichtet etwas, Blick verbreitet weiter, hier wird es als Tatsache hin gestellt. Oder wie meine Grossmutter schon sagte: Vom ghööre säge lehrt me lüge.
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    2. Antwort von robert mathis  (veritas)
      W.Christmann Wie war es denn bei den Wahlen in der Türkei vom gemachten Bett aus den eigenen Landsleuten das Leben schwer machen das selbe hört man von Exjugoslawen die sich hier gefahrlos politisch beteiligen können.
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    3. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      Wenn die Meldung stimmt, bestätigt sie genau meine These von heute Morgen. Doppelpass geht genau in solchen Fällen nicht. Er führt zu einer gespaltenen Loyalität, die keine mehr ist. Im Extremfall wird dann die Herkunftsnationalität (Familiendruck, Verwandte in der alten Heimat) bevorzugt.
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  • Kommentar von Hanspeter Müller  (HPMüller)
    Nur jene Schweizer, die Doppelbürger sind, können Ausgewiesen werden oder die Schweizer Staatsbürgerschaft aberkannt wenn sie kriminell sind. Ausgerechnet jene, die solche Massnahmen bei jedem Bagatellvergehen fordern wollen die Doppelte Staatsbürgerschaft abschaffen. Wieder einmal typische Problembewirtschaftung, ohne dass es überhaupt ein Problem gibt.
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