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Drohnen im Temporausch «Ich komme an Orte, an denen noch nie zuvor ein Mensch war»

Mit schönen und ruhigen Aufnahmen aus der Vogelperspektive hat es nichts zu tun. Wenn die Racing-Drohnenpiloten in die Luft gehen, dann soll es möglichst schnell, eng und schwierig sein. Solche Plätze zu finden, ist nicht immer einfach.

Legende: Video Rasende Drohnen abspielen. Laufzeit 03:19 Minuten.
Aus 10vor10 vom 12.10.2017.

Wenn sich Sascha Müller und seine Kollegen zum Drohnen-Fliegen treffen, dann sind sie schwer bepackt, als ginge es auf eine Bergwanderung. Aber in den Rucksäcken steckt kein Proviant, sondern Akkus, Fernsteuerung und Renn-Drohnen. Nicht eine, sondern drei oder vier Stück. Denn Sascha Müller weiss, etwas geht immer kaputt: «Der Crash ist unvermeidbar. Denn die Dinger sind so flink, da mag das Gehirn manchmal nicht mithalten.»

Sascha Müller mit vier seiner Renn-Drohnen
Legende: Sascha Müller vor seinen Renn-Drohnen auf dem Militärgelände im Kanton Basel-Landschaft SRF

Wenn die Drohne mit 80 bis 100 Stundenkilometer unterwegs ist, überträgt sie das, was sie «sieht» per Funk an die «Goggles». Die Brille, die jeder Pilot trägt, um das Rennen aus der Drohnenperspektive zu erleben.

Flug durch die Häuserkampf-Anlage

Mit Fahnen und umfunktionierten Hockey-Toren stecken sich die Piloten einen Kurs aus. Auch Bäume, Steine und Betonmauern sind willkommene Hindernisse.

Geflogen wird in Nuglar-St. Pantaleon (SO) auf einem Trainingsgelände der Schweizer Armee. Die vielen E-Mails und Telefone mit den zuständigen Behörden hätten sich gelohnt, da sind sich die Drohnenpiloten einig. «Wenn wir mehr Plätze haben, gehen wir nicht immer den gleichen Leuten auf die Nerven.»

Wer im Netz nach Videos von Racing-Drohnen sucht, findet Aufnahmen von spektakulären Orten: auf Baustellen, in den Schweizer Alpen, in Tunnels, Garagen – immer möglichst knapp am Hindernis vorbei. Massstäbe setzt in dieser Hinsicht zum Beispiel «Rotor Riot», Link öffnet in einem neuen Fenster. Die Videos dieses Youtube-Kanals seien so etwas das «Gute Zeiten, schlechte Zeiten» für Drohnenpiloten, sagt Sascha Müller.

Bundesamt sieht keine Probleme

Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verfolgt die Entwicklung der Renn-Szene in der Schweiz. Für Drohnen-Rennen gewährt es seit September 2017 sogar ein erleichtertes Bewilligungsverfahren. «Bei diesen Rennen geht es vor allem darum, dass Unbeteiligte am Boden nicht gefährdet werden», sagt Bazl-Mediensprecher Urs Holderegger, «die Gefahren für das Luftfahrtsystem sind praktisch nicht existent».

Diesbezüglich ortet das Bazl die Probleme eher bei den klassischen Drohnen. Deren Piloten, auf der Suche nach möglichst spektakulären Bildern, schlagen alle Verbote und Vorsichtsmassnahmen in den Wind. So hat beispielsweise ein Drohnenpilot aus Israel vorsätzlich eine GPS-Sperre in seiner Drohne deaktiviert, um in der Anflugschneise des Inlandflughafens von Tel Aviv zu fliegen. Die israelische Polizei verhaftete den 22-Jährigen.

Sascha Müller und seine Kollegen aus dem Verein FPV Racer, Link öffnet in einem neuen Fenster wollen nicht mit solchen schwarzen Schafen im gleichen Topf landen. Ein Grund mehr, sich um Plätze zu kümmern, auf denen sie fliegen können. So wie auf dem Militärgelände im Kanton Basel-Landschaft. Nur so können sich Drohnen-Rennen auch in der Schweiz als Sport weiterentwickeln. Vom Potential ist Sascha Müller überzeugt: «Die Verschmelzung von Realität und Computerspiel ist einmalig. Ausserdem komme ich so an Orte, an denen noch keiner zuvor war.»

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Die Dummheit der Menschen kennt leider keine Grenzen bis hin zur Selbstvernichtung.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    @busch :der reiz ist da, schliesslich ist es eine art zurück vom digitalen game zum analogen, realen. von digitalem werden auch jungs nicht satt. diese flugkörper so lässig sie sich ausnehmen, sind eine bedrohung. für den raum. sie sind eine bedrohung durch die vielfalt ihrer einsatzmöglichkeiten. sind 'einstiegstechnology' um die totale überwachung à la orwell, enders game salonfähig und wirklichkeit werden zu lassen. wissen ihr jungs denn, wann aus dem spiel bitterer ernst wird? wisst ihr das?
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  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Fühle mich als etwas zu alt zum noch mitzumachen und es fehlt mir die Zeit, schon andere Hobbys. Sonst!! . Aber kann voll nachvollziehen das es faszinierend ist.
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