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Dumm gelaufen: Salt eröffnet aus Versehen eine «Kundenbeziehung»
Aus Espresso vom 17.06.2019.
abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
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Dumm gelaufen Salt eröffnet aus Versehen eine «Kundenbeziehung»

Salt betreibt eine Frau grundlos über 600 Franken. Aber erst als sich «Espresso» einschaltet, krebst Salt zurück.

Es war im letzten Herbst: Bei Frau G. aus Schönried (Kanton Bern) klingelt das Telefon. In der Leitung ist ein Mitarbeiter des Telekomanbieters Salt. Er will ihr ein Angebot schmackhaft machen: Telefonieren, Internet und Fernsehen für 29 Franken. Ein Schnäppchenpreis.

«Das tönt interessant», will Frau G. am Telefon gesagt haben. In einen Vertrag eingewilligt habe sie aber nicht. «Lass die Finger davon», habe ihr ein Bekannter geraten. Die Empfangsqualität von Salt sei in dieser Region nicht gut. Frau G. ruft deshalb am nächsten Tag bei Salt an. Sie habe sich gegen dieses Angebot entschieden und wollte keinen Vertrag. Damit – so meint sie – sei die Sache erledigt.

Werbung entpuppt sich als Inkassoterror

Dennoch bekommt sie in den nächsten Wochen per Mail Rechnungen von Salt. Frau G. löscht diese Nachrichten ungelesen: «Ich dachte, das sei Werbung.» Nach Wochen kommt dicke Post: eine Salt-Rechnung über rund 100 Franken für Abonnementskosten und Mahngebühren. Frau G. reklamiert. Erfolglos. Salt schaltet das Inkassobüro Intrum AG ein, die Forderungen wachsen und wachsen.

Im November liegt bei Frau G. eine Betreibung im Briefkasten. Vom Inkassoterror eingeschüchtert bezahlt sie die gesamten 673 Franken, inklusive Zins und Gebühren. Und das, obwohl sie nie einen Vertrag unterschrieben und auch keine Leistungen von Salt bezogen hat.

Doch damit nicht genug. Jede Betreibung wird im amtlichen Register vermerkt. Frau G. hat Angst, dass ihr dieser Eintrag schaden könnte. Deshalb fragt sie bei Intrum AG nach, ob man die Betreibung zurückziehen könnte. Intrum zeigt sich entgegenkommend: «Man sagt mir am Telefon, gegen eine Gebühr von 100 Franken ziehe man die Betreibung selbstverständlich zurück».

Das Inkassobüro schiebt die Schuld auf Frau G.

«Espresso» interveniert bei Salt und bittet um Zustellung der Audiodateien, auf denen die beiden Telefongespräche mit Frau G. aufgezeichnet sind. Statt der Aufzeichnungen kommt eine Entschuldigung von Salt: In diesem Fall sei «einiges falsch gelaufen». Man habe aus Versehen gegen den Willen von Frau G. eine «Kundenbeziehung eröffnet» und ihre anschliessenden Reklamationen nicht korrekt bearbeitet. Man werde die Forderungen zurückziehen.

Das Inkassobüro Intrum AG will die Betreibung nun kostenlos zurückziehen und Frau G. die zu Unrecht betriebene Forderung zurückzahlen. Allerdings ist sich Intrum AG keiner Schuld bewusst: Es wäre wünschenswert gewesen, heisst es in der Stellungnahme gegenüber «Espresso», wenn sich Frau G. früher gemeldet hätte. «So hätten wir den Fall stoppen und die Sachlage im Detail mit Salt abklären können».

Für Frau G. findet eine lange und aufreibende Geschichte doch noch einen glücklichen Ausgang. Für sie ist klar, Werbeanrufe wird sie künftig kommentarlos abklemmen.

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26 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Heimberg  (tomfly)
    Immer mehr werden uns Güter, Dienstleistungen und Pflichten untergejubelt, die wir nicht wollen - unbeabsichtigt, irrtümlich?? - Ich zweifle daran. Jüngstes Beispiel auch die obligatorische Organspende, die wohl kommen wird. Moralisch ok, öffnet dies aber Tür und Tor für den neuen Grundsatz man muss halt aktiv werden, wenn man etwas nicht will. Nichts tun = Einverständnis. Ich habe aber keine Lust in Zukunft immer im Verteidigungsmodus zu laufen, um ja keine Verneinung zu verpassen.
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  • Kommentar von Andreas Müller  (Hugh Everett)
    Das ist überhaupt kein Problem. Einfach Rechtsvorschlag machen. Dann gibt es folgende Szenartien: 1. Der Gläubiger macht nicht und die Betreibung verfällt. 2. Der Gläubiger kann beweisen, dass ihm die ausstehen Summe zusteht (Unterschrift auf einer Schuldanerkennung) oder 3. Der Gläubiger startet ein Schlichtungsverfahren um die Betreibung weiter zu ziehen. Dort muss er dann allerdings seinen Anspruch belegen können. Die Kosten für diesen Schritt trägt er selber. Die hätten 0 Chance gehabt.
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  • Kommentar von Martin Tanner  (mikado5034)
    Solange sich dieses immens aggressive Verkaufsgebaren lohnt, wird es so gemacht. Meine Strategie, die sich bisher recht gut bewährt hat, ist bei der ersten Rechnung die Forderung vollumfänglich strittig zu machen und beim Eintreffen einer weiteren Rechnung dies als Betrugsversuch anzusehen. Damit wird die Beweislast klar dem Dienstleister auferlegt und es macht keinem Geschäftsführer Spass, einen Prozess zu gewärtigen, bei dem er des versuchten Betrugs bezichtigt wird.
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