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Dynamic Pricing bei Tickets Gewinn maximieren auf dem Buckel der Musik-Fans

Legende: Audio Gewinn maximieren auf dem Buckel der Fans abspielen. Laufzeit 06:17 Minuten.
06:17 min, aus Espresso vom 02.07.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von Flugreisen oder Hotelbuchungen kennen wir das System schon lange, nun trifft man es immer wieder auch bei Konzert-Veranstaltungen an: Dynamic Pricing.
  • Die Preise werden dabei der Nachfrage angepasst. Es kann also gut sein, dass der Sitznachbar für das gleiche Billett weniger oder mehr bezahlt hat.
  • Erlebt haben das jüngst Fans des kanadischen Musikers Shawn Mendes: Für Tickets, die eigentlich knapp 120 Franken kosteten, bezahlten einige mehr als das Doppelte.
  • Ob sich dieses System für sämtliche Musikveranstaltungen durchsetzt, bleibt abzuwarten. Für Top-Acts, auf deren Konzerte es einen Ansturm gibt, dürften Veranstalter künftig jedoch vermehrt auf diese Preisstrategie setzen.

Ein Fan des kanadischen Musikers Shawn Mendes staunte nicht schlecht: Für das Konzert im März 2019 im Hallenstadion kosteten sogenannte Golden-Circle-Tickets (Tickets der besten Kategorie) laut Veranstalter knapp 120 Franken. Jedoch fanden sich im Vorverkauf dann Plätze im Golden Circle für mehr als 280 Franken.

In seiner E-Mail an das Konsumentenmagazin «Espresso» redet der Fan von «Abzocke» und einem «zutiefst verwerflichen» Verhalten von Veranstalter und Verkäufer.

Grosskonzerne bestimmen den Preis

Was der Fan beobachtet hat, ist eine Form des sogenannten Dynamic Pricing. Von Flugreisen dürfte diese Preisstrategie vielen Konsumentinnen und Konsumenten bekannt sein. Dabei werden die Preise für Tickets der Nachfrage angepasst.

Im Fall von Shawn Mendes lag der offizielle Preis für ein Golden-Circle-Ticket bei 116.90 Franken. Diesen Preis hatte der Schweizer Veranstalter ABC Production mit Management und Agenten des Künstlers ausgehandelt. Diese machten dann jedoch die Auflage, dass ein Teil dieser Tickets für 282.90 Franken verkauft werden musste – mit dem Prädikat «Platinum Tickets». Tatsächlich handelt es sich aber um normale Tickets im Golden Circle.

«Mitspielen, oder ein anderer macht’s»

Auf den Preis der «Platinum Tickets» habe ABC Production keinerlei Einfluss gehabt, sagt Geschäftsleiter André Béchir. Von den zusätzlichen Einnahmen habe ABC Production nichts, diese gingen zum Künstler bzw. zu dessen Management. «Wir müssen uns an die Vorgaben halten. Entweder spielen wir das Spiel mit oder überlassen das Feld einem anderen Veranstalter.»

Das Beispiel zeigt, wie die Welttournee eines Superstars heute funktionieren kann: Ein grosses, internationales Unterhaltungs-Unternehmen kauft eine ganze Tour. Beispielsweise 100 Konzerte für 100 Millionen Franken. Der Künstler und das Management haben damit sichere Einnahmen. «Für die Produktionsfirma heisst das aber, dass sie mindestens 120 Millionen einspielen muss», sagt André Béchir. «Die wollen ja Gewinn machen.» Und da werde dann halt geschaut, wo man den Gewinn noch irgendwie maximieren könne.

Auch für die Welt-Tournee von Shawn Mendes ist ein internationaler Grosskonzern verantwortlich: AEG Live. Die Fans wurden vom Verkäufer Ticketcorner darauf hingewiesen, dass es sich bei den «Platinum Tickets» um Tickets im Golden Circle handelt und dass diese dem Dynamic Pricing unterliegen: «Die Preisgestaltung […] sowie das verfügbare Kontingent obliegt alleinig der AEG Live», heisst es in den Informationen zur Veranstaltung.

Zitrone auspressen

In der Schweiz ist Dynamic Pricing bei Musik-Veranstaltungen noch nicht weit verbreitet. Gerade bei Künstlern, auf deren Tickets es erfahrungsgemäss einen Ansturm gibt, dürfte es künftig aber vermehrt vorkommen. In den USA beispielsweise gibt es bereits mehrere Künstler, die so ihre Tickets verkaufen – so etwa die Sängerin Taylor Swift.

Es gibt dabei verschiedene Varianten: Denkbar ist beispielsweise, dass die Tickets zunächst relativ teuer auf den Markt kommen und wenn sie sich nicht gut verkaufen, werden sie günstiger. Das Ziel ist also nicht mehr, eine Tour möglichst schnell auszuverkaufen, sondern so viel Geld wie möglich zu verdienen. Das Magazin «Rolling Stone» zitierte kürzlich einen Vertreter der Konzert-Industrie mit dem Satz: «Es scheint sich ein neues Mantra durchzusetzen: Wenn deine Konzerte schnell ausverkauft sind, hast du falsche Preise gemacht.»

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