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Corona und die mediale Berichterstattung
Aus Tagesschau vom 23.02.2021.
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Ein Jahr Corona in der Schweiz 39'000 Sendeminuten zu Corona – ist das zu viel?

Können Sie sich noch erinnern? Vor einem Jahr, am 25. Februar, ist in der Schweiz der erste Corona-Fall diagnostiziert worden. Seither ist vieles nicht mehr so, wie es war – ganz besonders gilt das für die mediale Berichterstattung.

Seit 365 Tagen decken Medien ihre Zuschauerinnen und Leser mit Corona-Themen regelrecht zu – rund um die Uhr. Hochgerechnet umfassen Schweizer Print- und Onlineberichte seither 3 Milliarden und 352 Millionen Buchstaben (dieser Text hat 2928). 730'000 Artikel sind erschienen, SRF hat fast 39'000 Minuten zu Corona gesendet. Über ein Drittel der Medienberichte referieren seit einem Jahr in den Schweizer Medien auf ein Thema: das Virus.

Direkte Betroffenheit als Faktor

Sind Sie erschlagen ob der Corona-Flut auf allen Kanälen? Oder wollen Sie noch immer mehr wissen, genaueres wissen, vielfältiger informiert sein?

Wie viel ist genug, wie viel ist zu viel? Diese Frage stellen sich Redaktionen bei der Themenwahl jeden Tag. Corona aber bringt einen Faktor ein, der bei anderen Mega-Themen wie US-Wahlen oder Klima weniger spielt: die direkte Betroffenheit. Für einmal interpretieren Medienschaffende nicht, was das Publikum interessieren könnte oder sollte, für einmal sind Journalistinnen und Journalisten selber Publikum eines Ereignisses, das fast jeden Tag eine neue Wendung nimmt, neue Fragen aufwirft.

106 übertragene Medienkonferenzen

Im SRF-Newsroom diskutieren wir denn auch jeden Morgen persönliche Erlebnisse und Fragen, die deckungsgleich sind mit den Fragen und Anregungen, die das SRF-Publikum an unseren Community-Desk heranträgt: Funktioniert auch nur eine Impfdosis? Bin ich zu Homeoffice verpflichtet? Weshalb kann ich in Elm auf der Restaurant-Terrasse sitzen, in Saas Fee aber nicht?

Rückmeldungen unserer Zuschauer und Zuschauerinnen zeigen also: Nein, 39'000 Sendeminuten sind vielen nicht zu viel, auch nicht 106 übertragene Medienkonferenzen aus Bundesbern. Das gilt ebenso für die 3.5 Milliarden Buchstaben in Zeitungs- und Onlineartikeln.

Gutes Zeugnis für Schweizer Medien

Wenn die Quantität stimmen mag – wie schaut die Qualität der Corona-Berichte aus? Dazu hat das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich im Juli 2020 eine Studie veröffentlicht. Man hatte im Frühjahr tausende Medienberichte systematisch analysiert.

Die Forscher stellten den Schweizer Medien ein gutes Zeugnis aus. Es gelinge, vielfältige, relevante und nüchterne Berichterstattung zu liefern. Das zweite Halbjahr Corona ist noch nicht abschliessend untersucht worden, aber schon jetzt finden die fög-Forscher, das Niveau der Corona-Berichterstattung stimme nach wie vor. Sie sei sogar ganzheitlicher geworden, der gesellschaftliche Ansatz spiele eine noch grössere Rolle als im Frühling 2020.

Kommen andere Themen zu kurz?

Die Frage sei eher, ob andere Themen nicht zu kurz kämen. So schrumpfte die Berichterstattung zur Klimakrise laut fög auf 4 Prozent (Corona: 35 Prozent).

Corona verdrängt andere, ebenfalls wichtige Themen aus den Schlagzeilen. Nicht nur in der Schweiz. Aber das ist ein zeitlich beschränktes Faktum und vorderhand nicht schlimm. Vorderhand wollen wir wissen, ob die Härtefallregelung Unternehmen rettet, ob die kantonalen Strukturen für die Massenimpfung genügen und ob wir trotz langsamer Öffnung die Gefahr einer dritten Welle wirklich im Griff haben.

Wetten, dass das weiterhin nicht nur Journalisten interessiert?

Michael Perricone

Michael Perricone

Stv. Leiter Inlandredaktion, SRF

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Michael Perricone ist stellvertretender Leiter der Inlandredaktion von SRF TV. Zuvor arbeitete er als Autor und Produzent bei der «Rundschau» und war stellvertretender Redaktionsleiter von «10vor10».

SRF 1, Tagesschau, 23. Februar 2021; 19:30 Uhr

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65 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Mir ist es tatsächlich zu viel. Ueberall und immerzu dominiert Corona: Experten für, Experten dagegen, Pseudoexperten, Bundesrat, Gesundheitsdirektoren, Kantonsärzte, Wirtschaftsverbände, Betroffene usw. Vor lauter Expertenmeinungen weiss man manchmal gar nicht mehr, was nun eigentlich gilt. Ich wünschte mir weniger Information, diese dafür klar und eindeutig.
  • Kommentar von Tobias Vetter  (ToVe)
    Wie wird Qualität in besagter Studien denn definiert? Kann ja auch subjektiv sein, je nach persönlicher Meinung der Studienersteller.
    Meiner Meinung nach stimmt die Qualität, insbesondere die Vielfältigkeit NICHT. Insbesondere vernünftige und versierte (!) kritische Meinungen kommen zu kurz; die man vielleicht nicht so einfach als Spinner abtun kann wie irgendwelche Verschwörungstheoretiker.
  • Kommentar von Roman Schenk  (Romanos)
    Klar ist es viel. Allerdings wollen wir doch alle informiert sein. Dazu leben wir gerade in einer Zeit, wie sie keiner von uns vorher kannte oder sich vorstellen konnte. Der Info-Überfluss ist daher logisch. Und trotz all den Infos, Hinweisen und Warnungen gehen diverse Mitmenschen immer noch zu fahrlässig mit dem Thema um.
    Der Infofluss ist wichtig. Wen es dennoch nicht intressiert, soll switchen...