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Legende: Audio Streit um Rustici abspielen. Laufzeit 02:22 Minuten.
02:22 min, aus HeuteMorgen vom 30.04.2019.
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Einsprachen wegen Zersiedelung «Wir müssen die Bauten unserer Vorfahren einfach so aufgeben»

Der Konflikt um die Rustici – ein Dauerbrenner im Süden der Schweiz. Der Bund blockiere den Umbau der alten Steinhäuser, finden die Tessiner.

Giacomo Garzoli ist FDP-Grossrat und im Maggiatal zuhause – dort also, wo es Dutzende von Rustici gibt und die Beschwerden des Bundes für starke Emotionen sorgen: «Wir haben den Eindruck, dass der Bund die Situation im Tessin schlicht nicht versteht.»

Die aktuelle Rechtslage zwinge die Tessiner dazu, die Bauten ihrer Vorfahren einfach so aufgeben zu müssen. «Das ist doch schade. Sie könnten den abgelegenen Tälern auch zu neuem Leben verhelfen», so Garzoli. Gross ist das Unverständnis im Süden. Die Hauptkritik: Man habe mit dem Bund einen Plan ausgehandelt, wie man die Rustici umwandeln könnte. Doch dieser Plan soll jetzt plötzlich nicht mehr gelten.

Umnutzung birgt Gefahr

Rustico, dessen Dach mit einer Plane bedeckt ist
Legende: Der Umbau der Rustici könnte abgelegenen Tessiner Tälern neues Leben einhauchen, ist FDP-Grossrat Garzoli überzeugt. Keystone

Eine andere Sicht hat man beim Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in Bern. Die jetzt beanstandeten Rustico-Umbaupläne im Tessin erfüllten bestimmte Voraussetzungen eben nicht: «Eine Umnutzung beinhaltet eine gewisse Gefahr», erklärt Chef-Jurist Thomas Kappeler.

Weil Nichtsiedlungsgebiet, seien grundsätzlich keine Wohnnutzungen zugelassen. «Es braucht eine spezielle Situation, die die Umnutzung begründet, weil mit solchen Ferienwohnungen auch die Zersiedlungsgefahr erhöht wird.»

Der gute Wille wäre da

Die Gefahr der Zersiedelung: Ein Schlüsselwort. Denn im Tessin wird diese Gefahr gerade in den Tälern nicht so stark beachtet wie in der Deutschschweiz. Im Tessin überwiegt die Aussicht auf das neue Leben, das die Rustici den Tälern einhauchen könnten. Wie also diesen Interessenskonflikt lösen?

«Wir lösen das Problem mit gesundem Menschenverstand und gemeinsamen Gesprächen. Es geht darum, die bestehenden Gesetze möglichst sinnvoll anzuwenden», so der FDP-Grossrat Garzoli. Auch Kappeler spricht von gemeinsamen Gesprächen, die Klärung bringen sollten. Der gute Wille ist also da. Nur sind die Positionen so unterschiedlich, dass am Ende wohl die Gerichte entscheiden werden müssen, wo im Tessin ein Stall umgebaut werden darf – und wo eben nicht.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von Maligan Jury  (jury maligan)
    Warum muss denn immer alles so zentralistisch reglementiert sein. Die Tessiner sind doch erwachsen genug um selbst über solche Bauten urteilen zu können. Da braucht es sicher keine Berner Schreibtischtäter.
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  • Kommentar von Kurt E. Müller  (KEM)
    Die Tessiner sind etwas wie die Walliser, sie haben ab und zu das Gefühl, dass eidgenössische Gesetze nur für die anderen gelten. Das mit den Rustici ist ein Skandal, schon seit Jahrzehnten. Da werden einfach massenhaft ehemalige Ziegenställe (an sich wertlose Steinhaufen mitten in der Natur) umgebaut zu teuren Ferienhäusern, mit Segen der kantonalen Behörden. Anschliessend braucht es dann Strassen, Kläranlageanschluss, etc. Eben klassische Zersiedelung, die vom Schweizer Volk unerwünscht ist.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger  (jolanda)
    Viel zu sture und ideologisch bedingte Gesetze, sollten endlich gelockert werden. Alte Häuser einfach zu Ruinen zerfallen lassen, ist nicht landsparend und weitsichtig! Statt immer mehr Leute (mit dem Modeslogan "verdichtetes Bauen") in Hochhäuser einpferchen (wie Kaninchen!), könnte viel bestehender, alter Wohnraum aktiviert werden! Die Tessiner machen hoffentlich landesweit diesbezüglicher Druck, um alte Häuser wieder wohnbar machen zu können (zu dürfen!).
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