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Bund: Auktionen zur Energiewende umstritten
Aus Rendez-vous vom 06.07.2022. Bild: Keystone
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Energiewende in der Schweiz Auktionen zum Ausbau erneuerbarer Energie sind umstritten

Unterstützungsbeiträge sollen künftig versteigert und an Investoren vergeben werden, die am wenigsten verlangen. Das passt nicht allen.

Noch bis Ende dieser Woche können sich interessierte Kreise und Behörden zu den Vorschlägen des Bundes äussern. Tobias Schmidt, Professor für Energie- und Technologiepolitik an der ETH Zürich hat seine Stellungnahme bereits publiziert. Er begrüsst die Idee von Versteigerungen: «Sie nutzen die Vorteile des Marktes. Eine Vergütung wird nicht vom Staat festgelegt, sondern durch den Wettbewerb im Markt.»

Dass der Bund aber die Investitionsbeiträge, die Beiträge, die er an den Bau einer Anlage bezahlt, versteigern will, lehnt Schmidt ab: «Heutzutage sind Fotovoltaikanlagen nicht mehr so teuer. Die Baukosten sind nicht mehr das grosse Hindernis für Investitionen in Solaranlagen. Es ist viel wichtiger, das Investitionsrisiko zu senken.»

Zuschlag für das tiefste Angebot

Konkret sollte der Bund die Investoren fragen, zu welchem Preis sie mit der geplanten Anlage eine Kilowattstunde Strom zu produzieren bereit sind. Derjenige Investor, der den tiefsten Preis bietet, erhält den Zuschlag. Ihm garantiert der Bund diesen Preis zum Beispiel über 20 Jahre. Das heisst, dass er aufstockt, wenn der Marktpreis tiefer ist. So machen es bereits alle europäischen Nachbarländer. 

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Aus dem Archiv: Deutschland und Schweiz handeln Gasmangel anders
aus Echo der Zeit vom 30.06.2022. Bild: Keystone
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Und das fordert auch die Schweizerische Energiestiftung. Sie setzt sich für den Ausbau der Erneuerbaren ein. Der Bund befürchtet, dass sich die öffentliche Hand möglicherweise über Jahre zu hohen Ausgaben verpflichtet, wenn der Strompreis auf dem Markt tief wäre. Und der Bund dann Geld einschiessen müsste.

Diese Ansicht teilt Léonore Hälg von der Energiestiftung nicht: «Natürlich würden dann diese Marktprämien über einen gewissen Zeitraum ausbezahlt. Aber nur, wenn der Strompreis tiefer ist als diese Marktprämie. Wenn er höher ist, je nachdem wie man das ausgestaltet, bezahlt man gar nicht dafür oder bekommt die Differenz zurückerstattet.»

Beschleunigen die Auktionen den Solarausbau?

Sowohl Léonore Hälg als auch Tobias Schmidt befürchten, dass die vorgesehenen Auktionen den Ausbau der Fotovoltaik in der Schweiz nicht beschleunigen. Im Gegenteil. Insbesondere die grossen Schweizer Energiekonzerne würden so weiterhin eher im Aus- als im Inland grosse Fotovoltaikanlagen bauen.

Die Branche selbst war sich in der Vergangenheit nicht einig, ob sie Unterstützung beim Bau oder eher einen garantierten Mindestabnahmepreis im Betrieb bevorzugt. Der Verband der Schweizer Stromversorgungsunternehmen VSE äussert sich denn auch nicht zur Art der Auktion.

Nadine Brauchli, Leiterin Energie, begrüsst die Vorlage: «Wir brauchen ein massiv höheres Tempo beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Förderung sollte allerdings stärker auf die Winterproduktion ausgerichtet sein, weil die Schweiz dann einen grossen Bedarf hat.»

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Aus dem Archiv: Der Energie-Notfallplan des Bundes für den Winter
aus Info 3 vom 30.06.2022. Bild: Keystone/Archiv
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Swisscleantech ist mit dem vorgeschlagenen Auktionsmodell einverstanden. Der Wirtschaftsverband vertritt Unternehmen, die sich für den Klimaschutz einsetzen. Co-Präsident Fabian Etter findet aber, der Bund solle nur unter grossen Anlagen Auktionen veranstalten.

Aktuell müssten bereits mittelgrosse Anlagen auf Scheunen beispielsweise mit einer Leistung von 150 Kilowatt an den Versteigerungen teilnehmen: «Wir wollen den Grenzwert auf 500 Kilowatt erhöhen. Weil Aufwand und Ertrag darunter aus unserer Sicht nicht optimal sind. Und wir sind der Überzeugung, dass es einen stärkeren Fokus auf die Winterstromproduktion braucht.»

Rendez-vous, 06.07.2022, 12:30 Uhr

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8 Kommentare

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  • Kommentar von SRF News (SRF)
    Guten Abend liebe Community. Wir bedanken uns für Ihre Kommentare und schliessen die Kommentarspalte an dieser Stelle. Wir wünschen Ihnen einen guten Abend und freuen uns, wenn Sie auch morgen wieder mitkommentieren. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Rolf Balsiger  (Derstromer)
    Es ist letztlich egal, wer den Zuschlag erhält. Es gibt keine Enegiewende und wenn die Menschheit nicht bald auf Fachleute hört (Ingenieure, nicht Politiker) wird es auch keine Energiewende geben. Mit Sonne uns Wind kriegt man keine stabile Stromversorgung hin. (Sagt die Physik) Deutschland beweist uns das gerade wirkungsvoll.
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    „Unterstützungsbeiträge sollen künftig versteigert und an Investoren vergeben werden, die am wenigsten verlangen.“ Tönt super und sollte auch bei all den anderen übermässigen Beträgen gelten, die vom Staat an Industrie & Bauern gehen. Anstatt auch noch die schlechtesten Wirtschafter durchzufüttern sollten nur die wirklich Tüchtigen und Innovativen Geld vom Steuerzahler erhalten.