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Erfolgreiches Pilotprojekt St. Galler Projekt gegen Pädokriminalität löst 21 Anzeigen aus

Die Polizei legte einen Schwerpunkt auf Pädokriminalität und präsentierte nun erste Ermittlungserfolge.

Am Montag gab der Bund seine Kriminalitätsstatistik heraus, und auch die Kantone präsentierten nach und nach die aktuellen Zahlen des letzten Jahres. Die Zahl der Straftaten in der Schweiz ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Ein leicht anderes Bild präsentiert sich im Kanton St. Gallen.

Interkantonale Zusammenarbeit

Dort stieg die Zahl der Straftaten um rund sechs Prozent. Die Polizei legte einen Schwerpunkt auf die Ermittlung in der Pädokriminalität und präsentierte nun erste Ermittlungserfolge: 21 Strafverfahren wurden nach verdeckten Ermittlungen im Rahmen eines Pilotprojekts eröffnet – 12 im Kanton St. Gallen, 9 in anderen Kantonen.

Es ist erschreckend, was im Internet passiert.
Autor: Stefan Helfenberger Leiter Ermittlungsunterstützung Kantonspolizei St. Gallen

Ein erwachsener Mann chattet beispielsweise in einem Forum mit einer Minderjährigen, verlangt oder schickt Nacktfotos oder will das Mädchen zum Sex treffen. Eine Straftat. Was schockierend klingt, sei kein Einzelfall, sagt Stefan Helfenberger von der Kantonspolizei St. Gallen.

Mit seinem Team nahm der Leiter Ermittlungsunterstützung im vergangenen Jahr genau solche Fälle ins Visier: «Das Fazit: Es ist einerseits erschreckend, was im Internet passiert und wie einfach Kinder zu Missbrauchsopfern werden können. Andererseits ist die Tätigkeit der verdeckten Ermittlung sinnstiftend und kann in Zukunft hoffentlich etwas bewirken.»

Polizist am Schreibtisch mit Computer.
Legende: St. Galler Kantonspolizistinnen und -polizisten geben sich im Netz als Minderjährige aus, um Pädokriminelle aufzuspüren. Keystone/Gian Ehrenzeller

Die Polizistinnen und Polizisten geben sich in den Chatforen als Kinder oder Jugendliche aus, erklärt Helfenberger: «Sie verwenden ein Pseudonym und warten, von wem sie kontaktiert werden. Je nachdem werden die Fragen dann schnell auch auf sexuelle Inhalte gelenkt. Das führt dann dazu, dass man ein potenziell strafbares Verhalten erkennen kann.»

Für die Ermittlerinnen und Ermittler sei dies belastend, so Helfenberger weiter: «Diese Mitarbeitenden müssen sehr flexibel sein und chatten auch ausserhalb der Arbeitszeit mit diesen Personen. Das ist nicht zu unterschätzen. Sie schauen in die tiefen Abgründe unserer Gesellschaft und werden teilweise mit sehr perversen Inhalten konfrontiert.»

Kosten nicht genau zu beziffern

Bei den 21 Strafanzeigen, die aus den verdeckten Ermittlungen bislang resultierten, handelte es sich ausschliesslich um Männer. Stefan Helfenberger, der Leiter der Ermittlungsunterstützung der St. Galler Kantonspolizei, sagt: «Unsere Erfahrungen zeigen, dass Frauen in diesem Deliktbereich fast nicht präsent sind.»

Solche Ermittlungen brauchen Zeit und Geld. Wie viel genau, ist unklar. 13 Hausdurchsuchungen gab es in diesem Pilotprojekt, 10 Personen wurden festgenommen. Die Strafverfahren sind noch nicht abgeschlossen, deshalb gelte die Unschuldsvermutung.

Projekt wird verlängert

Die Arbeit sei aufwendig, sagt Helfenberger: «Die Auswertung der Chats und anderer Daten nimmt viel Zeit in Anspruch. Gerade nach Hausdurchsuchungen müssen die Datenträger auf weitere strafbare Inhalte überprüft werden.»

Die St. Galler Kantonspolizei zieht eine positive Bilanz des ersten Jahres bei diesem Pilotprojekt rund um die Ermittlung von Pädokriminellen im digitalen Raum. Deshalb wird das Projekt nun verlängert und es dauert mindestens noch bis Ende 2026.

Regionaljournal Ostschweiz, 23.3.2026, 17:30 Uhr ; 

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