«Eritreer stellen sich eine rosige Zukunft in der Schweiz vor»

Die Eritreer stellen die grösste Gruppe unter den Asylsuchenden in der Schweiz. In den vergangenen Jahren ist ihre Zahl auf insgesamt mehr als 20'000 angestiegen. Ein Betreuer in einem Durchgangszentrum schildert seine Erfahrungen.

Meist junge Männer aus Eritrea sitzen am Boden und hören offenbar jemandem zu, der aber im Bild nicht zu sehen ist. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Durchgangszentrum Lumino/TI: Insgesamt leben inzwischen mehr als 20'000 Eritreer in der Schweiz. Keystone

SRF News: Was ist Ihnen positiv an den eritreischen Asylsuchenden aufgefallen?

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Flüchtlingsbetreuer

Hans-Peter Harlacher leitet im Auftrag der Caritas seit vielen Jahren das Durchgangszentrum Degenbalm im Kanton Schwyz. Dort hat es Platz für 90 Asylsuchende. Die meisten stammen derzeit aus Eritrea.

Hans-Peter Harlacher: Sie sind lebensfrohe und sonnige Menschen. Sie stellen sich eine rosige Zukunft in der Schweiz vor.

Eritreische Asylbewerber haben den Ruf, eher schwierig und anspruchsvoll zu sein. Wie ist Ihre Erfahrung?

Ich empfinde die Leute nicht als schwierig. Allerdings kommen die Eritreer mit bestimmten Vorstellungen in die Schweiz und sind dann überrascht, was sie hier antreffen: Etwa, dass sie nicht in einem Ein- oder Zweibettzimmer, sondern in einem Zimmer mit sieben oder acht anderen Leuten aus anderen Kulturen übernachten müssen. Oder dass sie nur 8.50 Franken Sozialgeld pro Tag erhalten, auch wenn sie beispielsweise Raucher sind.

Wie steht es mit Bereitschaft der Eritreer, Deutsch zu lernen? Man hört immer wieder, dass dies für sie sehr schwierig sei?

Deutsch lernen ist für Menschen aus Eritrea nicht besonders schwierig, verglichen mit einigen anderen anderen Kulturen, die ich kenne. Doch unter den Eritreern gibt es einige Analphabeten, die nie zur Schule gegangen sind. Für sie ist das Erlernen des Deutschen natürlich schwieriger als für andere.

Nach einigen Monaten verlassen die Asylsuchenden das Durchgangszentrum und werden auf Gemeinden aufgeteilt. Dort müssen sie mit minimaler Betreuung zurechtkommen. Sind sie genügend darauf vorbereitet?

Sicher nicht alle. Es kommt auf den Stand ihrer Deutsch-Kenntnisse an. Der Aufenthalt in einem Durchgangszentrum ist ausserdem sehr unterschiedlich: Angedacht wären hier sechs Monate Dauer, manche verlassen das Zentrum aber schon nach zwei Monaten. Sie verfügen dann oftmals nicht über die notwendige Bildung. Je nach dem gestaltet sich dann auf der Gemeinde die Kommunikation etwas schwierig.

90 Prozent der Eritreer in der Schweiz erhalten Sozialhilfe. Wie erklären Sie sich das?

Im Vergleich mit den Mitteln, mit welchen die Menschen aus Eritrea vorher auskommen mussten, ist das Sozialgeld in der Schweiz vielleicht hoch. Vielleicht haben manche deshalb keinen Ansporn, noch zusätzlich etwas zu leisten.

Das Interview führte Anneliese Tenisch.

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