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Legende: Video Das Sorgenkind der SBB abspielen. Laufzeit 01:08 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 22.12.2018.
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Erneuerung der Zugflotte Der Problemzug der SBB

Seit Jahren bereitet der neue Doppelstock-Zug den SBB Sorgen. Ab wann er auf der West-Ost-Achse rollt, ist unklar.

Seit dem Fahrplanwechsel vor zwei Wochen verkehren die neuen SBB Doppelstock-Züge (FV-Dosto) zwischen Chur, St. Gallen, Zürich und Basel. Doch die SBB ist noch nicht zufrieden. Den Einsatz der Doppelstöcker auf der Ost-West-Achse von St. Gallen nach Genf verschiebt die SBB nach hinten – auf frühestens Mitte Januar.

Zugausfälle und Software-Probleme

Die Probleme sind vielfältig: Passagiere beklagen sich über fehlenden Komfort, immer wieder fallen Züge aus oder sind verspätet. Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV ist alarmiert. «Der Zug stellt einfach ab, fährt nicht mehr weiter und kommuniziert nicht mehr mit dem Lokführer», sagt SEV-Gewerkschaftssekretär Jürg Hurni.

Legende: Video Hurni: «Die Laufruhe ist nicht gewährleistet» abspielen. Laufzeit 00:26 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.12.2018.

Ausserdem würden Türen nicht funktionieren. Es gäbe Probleme beim Kuppeln zweier Züge und der Komfort für die Passagiere sei auch nicht gewährleistet, weil bei tiefen Geschwindigkeiten im Wageninnern Vibrationen zu spüren seien, so Hurni weiter.

Die Vorwürfe gehen auch an die Herstellerin Bombardier. Doch laut dieser gibt es keine systematischen Probleme. «Die notwendige Betriebsstabilität ist gemäss SBB noch nicht erreicht, um auf der Hauptachse der Schweiz die Züge im kommerziellen Betrieb pünktlich und ohne mögliche Störungen einzusetzen», so Bombardier-Sprecher Andreas Bonifazi. Ausserdem seien Einführungen von Zügen immer komplex.

Lange Leidensgeschichte

Seit Februar verkehrt der neue Fernverkehrszug auf dem Schweizer Schienennetz. 1000 Fahrten mit rund 200'000 Kundinnen und Kunden wurden bereits durchgeführt, so die SBB. Doch die Probleme mit dem neuen Fernverkehr-Doppelstöcker sind seit längerem bekannt.

Es ist mit 1,9 Milliarden Franken die bisher teuerste Beschaffung von Rollmaterial. Erst gab es Verzögerungen bei der Konstruktion. Dann wurde – teilweise erfolgreich – beanstandet, die Züge seien nicht behindertengerecht. Vor kurzem hat das Bundesverwaltungsgericht eine Beanstandung der Behindertenorganisation «Inclusion Handicap» teilweise gutgeheissen. Die SBB muss nun nachbessern.

Noch nicht zufrieden

Bei der SBB heisst es, man arbeite unter Hochdruck an der Behebung der Mängel. Auf gewissen Zügen fährt gar ein Techniker von Bombardier mit, um Probleme schnell zu beheben. Grundsätzlich sei man noch nicht zufrieden mit den neuen Zügen.

Eine Ausdehnung auf die Strecke von St. Gallen nach Genf werde man erst vollziehen, wenn der Betrieb zuverlässig laufe und er den Kundenerwartungen entspreche. Ein internes Dokument der SBB an ihr Personal zeigt aber auch: Wann die Züge auf der West-Ost-Achse rollen sollen, ist unklar.

Legende: Video «Er fährt sich gut, wackelt aber stark» abspielen. Laufzeit 00:23 Minuten.
Aus News-Clip vom 21.12.2018.

Einfluss auf das gesamte Schienennetz

Leidtragende seien auch die Lokführer und das Bahnpersonal, so SEV-Gewerkschaftssekretär Hurni. Dennoch zeigt er Verständnis, dass die SBB mit weiteren Einsätzen des Zuges abwarten, will bis alle Mängel behoben sind. «Der Fahrplan ist heute so dicht auf dem Streckennetz, dass wenn ein Zug nicht einwandfrei funktioniert, das grosse Auswirkungen hat. Zudem leiden auch andere Züge darunter und fahren Verspätungen ein.»

Herstellerin Bombardier und die SBB müssen nun schnell zu einer Lösung kommen. Bis die Probleme behoben sind, fahren auf der West-Ost-Achse weiterhin die alten Züge.

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Müller (Confoederatio)
    Es verwundert mich, wie viele hier glauben, sdnnzder Auftrag an Stadler gegangen wäre, wäre alles besser geworden. Oder ist es nur ein Versuch die ach so böse ausländische Industrie draussen zu halten bzw. jetzt auf diese einzuprügeln? Bombardier hat u. a. ein Werk bei Vevey, wo auch diese neuen Zügen gebaut werden. Und ebenso produziert Stadler nicht nur in der Schweiz, sondern weltweit.
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  • Kommentar von Werner Boesiger (P.Werner Boesiger)
    Man hat bei der SBB Bombardier einem Schweizerprodukt von Stadler vorgezogen! Die doppelstöckigen Züge von Stadler fahren nun ohne Aerger für die Betreiber in Moskau und in verschiedenen anderen Teilen der Welt. Sie wären dem Staat und Steuerzahler billiger gekommen. Aber eben, Herr Spuhler von Stadlerrail gehört zur falschen Partei, und darum liebe Leute bezahlt teuere Zugtickets und seid zufrieden, dass Ihr mit Bombardier fahren dürft.
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Auch die Züge von Szadler haben ihre Probleme. Fragen Sie mal bei der Westbahn nach wie lange man gebraucht hat bis alles lief. Oder bei der ODEG. Bombardier hat zudem auch einen guten Ruf als Bauer von Doppelstockwagen. Trotzdem sind die SBB-Züge in vielerlei Hinsicht eine Innovation, die bislang kein anderer so auf die Schiene brachte.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (jolanda)
    Es gibt 3 Gründe, für den momentanen Aerger mit den neuen Zügen: Diese Züge sind mit sehr viel neuer Technik (Elektronik) ausgestattet! "Kinderkrankheiten" sind bei solch komplizierten Produkten unvermeidlich! 2. : Auch das Bedienungs-Personal (Lokführer) haben bei Problemen noch grosse Anfangs-Schwierigkeiten (Störungsprobleme erkennen und richtig reagieren)! 3. Dass die Laufeigenschaften schlecht sind, muss der Besteller (die SBB) verantworten. Man wollte hohe Geschwindigkeiten und Leichtbau!
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    1. Antwort von Samuel Röthlisberger (S.Roethlisberger)
      Zusätzlich heisst doppelstöckig = hoher Schwerpunkt = erhöhte Tendenz zum Wanken und dann hat der Zug ja zusätzlich noch eine Wankkompensation. Das dürfte die ganze Lagerung auf dem Drehgestell zusätzlich instabil machen. Man wollte die eierlegende Wollmilchsau.
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    2. Antwort von D Berger (d_berger)
      Mit Software kämpft auch Stadler. Beim Appenzeller Tango auch mit mechanischen Problemen. Nur löst man dies oft schneller und ohne ausufernde Berichterstattung. Die Twindexx haben (bis auf zwei Erprobungsträger) keine Wankkompensation verbaut. Sie kann bei einer Hauptrevision (in ca. 15 Jahren) nachgerüstet werden. Das Schlingern ist 40% nicht eingestellte Mechanik, und 60% Softwarefehler (adaptive Luftfederung). Im Moment fahren einfach 12 Prototypen mit 6 Softwareversionen bis min. Feb. 2019.
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