Die Corona-Fallzahlen in der Schweiz steigen weiter rasant: Am vergangenen Dienstag hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) 24'704 neue Coronafälle gemeldet, die in der letzten Woche positiv auf das Virus getestet worden sind. Der 7-Tage-Schnitt liegt bei 3336, ein Anstieg von 56 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. Auch bei der Spital- und Intensivbelegung gab es einen Zuwachs von über 60 Prozent.
Erste Spitäler reagieren nun: Das Spitalzentrum Oberwallis SZO hat die Maskentragpflicht auf den Spitalabteilungen und in den ambulanten Sprechstunden seit dem 1. Juni wieder eingeführt. Dies berichtet der «Walliser Boote». Auch die Besucher müssen eine Maske tragen, einschliesslich während des Aufenthalts im Zimmer des Patienten.
Maskenpflicht als Vorsichtsmassnahme
Reinhard Zenhäusern ist ärztlicher Direktor beim Spital Wallis. Die wiedereingeführte Maskenpflicht mache durchaus Sinn. «Man hat in den letzten Wochen gesehen, dass die Infektionen schweizweit deutlich zugenommen haben und im Spital haben sich die Zahlen verdoppelt.» Auch auf der Intensivstation habe man wieder Patienten. Glücklicherweise keine schweren Fälle, aber: «Weil wir da die vulnerablen Patienten haben und wir keine Überlastung des Spitals wollen, haben wir die Maskenpflicht wieder eingeführt.»
Zenhäusern spricht von einer Vorsorgemassnahme, damit man frühzeitig intervenieren könne. «Nicht, dass es zu einem Platz- und Ressourcenproblem kommt.» Aktuell sei die Situation am Gesamtspital noch nicht dramatisch. «Wir haben aktuell 70 Covid-positive Patienten, aber nicht alle sind wegen Covid hier.» Auf der Intensivstation habe man glücklicherweise nur 3 Patienten. Diese müssten nicht künstlich beatmet werden. Es handle sich eher um milde Krankheitsverläufe. Das Problem seien aber nicht primär nur die schweren Fälle: «Wenn es viele Fälle gibt und die Häufigkeit zunimmt, auch bei polymorbiden Patienten, kann es wieder zu einem Platzproblem kommen.»
«Massnahme ergibt Sinn»
Wie denken die Besucher und Besucherinnen des Spitals in Brig über die wiedereingeführte Maskenpflicht? «Wenn die Zahlen nun wieder steigen und wir ein solches Problem bekommen würden, wie wir es bereits hatten, macht diese Massnahme durchaus Sinn», meint ein junger Mann beim Eingang.
Was halten die Besuchenden von der neuen Massnahme?
«Ich finde die Massnahme in Ordnung, da die Fallzahlen wieder höher sind», meint eine weitere Besucherin. Ebenfalls begrüsst wird die erneute Maskentragpflicht von einer älteren Dame. «Ich finde das richtig, das ist tipptopp. Die Fallzahlen steigen wieder, also ergibt diese Massnahme für mich Sinn.»
Auch die Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) begrüsst das Vorgehen der Spitäler. «Wir empfehlen eine Maskenpflicht für Ärzte sowie das Gesundheitspersonal in den Praxen, welche direkten Kontakt zu den Patienten haben», erklärt Präsidentin Yvonne Gilli. Die Infektionszahlen seien aktuell wieder am Steigen. «Wir müssen jetzt vor allem Patienten mit Vorerkrankungen schützen.»
Es gebe in allen Spitälern Spitalverantwortliche, welche die Lage beobachten, so Gilli. «Ich bin mir sicher, dass dort, wo es Massnahmen braucht, auch Massnahmen ausgesprochen werden.»
Die Diskussion um die Maskenpflicht in Spitälern dürfte angesichts der rasant steigenden Fallzahlen also nicht kleiner werden.