Zum Inhalt springen

Header

Video
Gesundheitsminister Alain Berset: «Wir müssen sorgfältig lockern»
Aus News-Clip vom 16.04.2020.
abspielen
Inhalt

Exit-Strategie des Bundesrats Zu wenige Masken – ist das nicht beschämend, Herr Berset?

Nach vier Wochen mit der «ausserordentlichen Lage» hat heute der Bundesrat ein Ausstiegsszenario skizziert. In drei Etappen strebt er eine Normalisierung des Geschäfts- und Zusammenlebens an. Der Bundesrat erhält viel Lob für sein Vorgehen, muss aber auch in einigen Punkte Kritik einstecken. Im Interview verteidigt Gesundheitsminister Alain Berset die bisher ergriffenen, behutsamen Massnahmen.

Alain Berset

Alain Berset

Bundesrat

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Der 48-jährige Sozialdemokrat leitet seit 2012 das Departement des Innern (EDI) und war 2018 Bundespräsident. Zuvor war er für den Kanton Freiburg im Ständerat und übte dort 2008/2009 das Amt des Ständeratspräsidenten aus.

SRF News: Herr Bundesrat, die Schulen sollen erst in einem zweiten Schritt geöffnet werden. Nun haben wir heute gehört, dass Kinder weder krank werden, noch eigentliche Virusschleudern sind. Hätte man die Schulen nicht sofort öffnen müssen?

Alain Berset: Nein. Wir wenden andere Kriterien an. Das Hauptkriterium ist dort anzufangen, wo keine grossen Bewegungsströme verursacht werden in der Bevölkerung. Dort, wo nicht der öffentliche Verkehr gefüllt wird, dort, wo es nicht zu grossen Menschenansammlungen kommt. Gerade deshalb beginnen wir in einem ersten Schritt mit personenbezogenen Dienstleistungen. Danach kommen zwei Wochen später die Schulen.

Das ist eine sehr schwierige Phase: Wir lockern, aber das sehr sorgfältig, um zu verhindern, dass es einen Neuanstieg gibt.
Autor: Alain Berset

Für viele Eltern ist die Situation schwierig – hätte man nicht jetzt handeln müssen?

Wir versuchen, eine nicht ganz einfache Situation zu meistern. In dieser Epidemie mit einem Virus, das ziemlich unbekannt ist, haben wir eine Situation, die gar nicht so schlecht ist. Die Leute haben die Massnahmen sehr diszipliniert umgesetzt, das hat zu dieser sehr guten Situation geführt – trotz der hohen Anzahl von Infektionen in der Schweiz. Das ist eine gute Sache, aber es ist erst der Anfang. Wir müssen jetzt in eine Transitionsphase übergehen. Das ist eine sehr schwierige Phase: wir lockern, aber das sehr sorgfältig, um zu verhindern, dass es einen Neuanstieg gibt.

Auch die Läden gehen erst am 11. Mai auf. In Deutschland und Österreich ist das anders. Wieso werden die Geschäfte nicht früher geöffnet?

Wir haben Lockerungsmassnahmen, die der Schweiz angepasst sind. In Österreich ist ein Teil der Läden in der Tat schon wieder offen, aber nur mit einer Maximalfläche von 400 Quadratmetern.

Wäre das in der Schweiz nicht auch möglich?

In der Umsetzung ist das nicht ganz einfach. Wir sind auch in Kontakt mit Swiss Retail, die sind nicht begeistert. Denn es ist kompliziert, man muss den Laden ausmessen. Ein Geschäft ist offen, das andere ist zu und man weiss nicht genau weshalb. In Bern in der Marktgasse wären zwei Drittel der Läden nach wie vor zu mit diesem Kriterium. Jedes Land muss einen eigenen Weg für die lokale Situation finden.

Einen langen Weg wird es für die Restaurants geben, dort wurde noch keine Prognose gemacht. Ist das nicht sehr hart?

Ja, das ist schon sehr schwierig. Aber wir wollen wirklich ohne Beschönigung der Epidemie aus dieser Situation kommen. Das ist nicht einfach umzusetzen in Restaurants und Bars. Wer hat Lust in einem Restaurant zu essen mit zwei Metern Abstand? Wer hat Lust, in einer Bar ein Bier zu trinken mit zwei Metern Abstand? Aber der Bundesrat hat entschieden, dieses Problem anzugehen, und zu schauen, wo eine etappenweise Öffnung möglich ist.

Die Masken werden in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Jetzt haben wir gehört, dass die Armee-Apotheker 400 Millionen Masken kaufen müssen bis Ende April. Man merkt, dass es in der Schweiz zu wenige Masken gibt – ist das nicht beschämend?

Es wird nicht so viele brauchen bis Ende April.

Wie viele sind denn nötig?

Wir müssen einfach für die Umsetzung der Schutzkonzepte und der Lockerungsmassnahmen genügend Masken haben. Man muss auch mal den Pandemieplan anschauen: Dort ist genau beschrieben, wer wie viele Reserven haben sollte. Im Nachhinein wird man sagen können, dass sehr viele Institutionen und Einrichtungen diese Reserven nicht hatten. Das nächste Mal wird es sicher anders sein. Aber jetzt, was können wir jetzt tun? Es ist nicht die Aufgabe des Bundes, Reserven für die ganze Bevölkerung anzulegen. Das war nie so gedacht. Jetzt, wo wir feststellen, dass wir zu wenig Masken haben, haben wir uns so organisiert, dass wir so viele Masken kaufen, wie es eben braucht.

Ich sage nur: Wir haben in der Tat zu wenige Masken gehabt, jetzt müssen wir aufholen.
Autor: Alain Berset

Wie war es möglich, in einem Land mit einem 85 Milliarden teuren Gesundheitswesen, dass die Masken-Reserven nicht aufgefüllt wurden? Das ist doch skandalös.

So weit würde ich nicht gehen. Wir waren immer gewohnt, mit den Kantonen zusammen zu arbeiten.

Die Kantone haben also ihre Aufgaben nicht gemacht?

Nein. Es wird Ihnen nicht gelingen, mich und die Kantone gegeneinander auszuspielen. Wir sind gemeinsam in dieser Situation. Es gibt hier keinen Streit. Wir müssen das mit allen Beteiligten zusammen meister. Ich sage nur: Wir haben in der Tat zu wenig Masken gehabt, jetzt müssen wir aufholen. Wir haben uns jetzt darauf vorbereitet, auch wenn der Bund eigentlich nicht Hauptakteur wäre bei der Beschaffung von Masken. Aber jetzt tun wir es, weil es Masken braucht.

Umgekehrt gefragt: Was hätten Sie gesagt, wenn Sie vor sechs Monaten festgestellt hätten, dass wir für Hunderte von Millionen Franken Masken gekauft hätten? Man hätte sicher gefragt: wieso jetzt und wieso so viele?

Wir müssen einen Weg finden, damit wir diese Schutzkonzepte umsetzen können. Wir dürfen dabei nicht vergessen, Maskentragen wird für eine gesunde Person auf der Strasse nach wie vor nicht empfohlen. Das bleibt so. Wir haben uns immer auf die Spezialisten gestützt, auch für die Masken, etwas anderes wäre nicht nachvollziehbar.

Das Gespräch führte Christoph Nufer.

die nächsten Schritte

Tagesschau am Vorabend, 16.04.2020, 18:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

164 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Heidy Rüegg  (heidy70)
    Fast die meisten hier im Forum rühmen den BR. Er hat doch total versagt, wenn ich denke wie lange es gedauert hat bis die Grenzen zum Tessin geschlossen wurden. Masken und Medi. haben wir immer noch Mangel, dabei weiss jedes Kind dass man sich mit einer Maske schützen kann. Ich werde ganz sicher eine Maske tragen, egal wie dumm die Menschen gucken, meine Gesundheit ist für mich wichtiger. Ich habe kein gutes Gefühl, mit dem was der BR vorhat.
    1. Antwort von Mark Schindler  (Mark Schindler)
      Sie kritisieren den Bundesrat sehr hart. „Total versagt“, das kann ich nicht teilen. Die Situation ist völlig neu, das Wissen um das Virus gering. Da ist es viel einfacher nacher zu kritisieren, als Verantwortung zu tragen und schwierige Entscheidungen treffen zu müssen. Ich finds im Moment toll Schweizer zu sein. Die Mehrheit ist solidarisch, hält sich an die Empfehlungen und der Bundesrat hat uns diese Freiheit gelassen und nicht alles verboten. Eine Regierung, die Vertrauen ins Volk hat. Cool
  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Der Mundschutz, die Masken sind eine recht wirksame Sache und bieten einen realtiven Schutz. Und ja es gibt wissenschaftliche Studien und Experten, die das klar bejahen, aber leider auch solche die sich skeptisch dazu äussern. - Nur eine Ueberlegung kann sich jeder selber machen. Warum wird in den Spitäler die Schutzmaske selbst unter normalen Umständen getragen? Würde medizinisches Personal Masken tragen, so es nichts nützen würde? Wohl sicherlich nicht. Selbst Zahnärzte tragen Mundschutz !!!
    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Masken sind dort wichtig, wo man den Abstand eben nicht wahren kann. Dies gilt für Krankenhäuser, in der Pflege und eben auch beim Zahnarzt. Darum trägt man sie dort und weiss auch, wie man sie trägt. Zumal man in Krankenhäuser, wer hätte es gedacht, auf kranke Menschen trifft. Beim Zahnarzt ist man sich auch sehr sehr nah. Auf der Schutzbrille sieht man nach Behandlung etliche kleine Tröpfchen.
    2. Antwort von Samuel Frei  (SämiF)
      Ich finde es bedauerlich, dass in solchen Krisensituationen stehts nach Schuldigen gesucht wird, anstelle das man akzeptiert, dass die Situation nun so ist und man gemeinsam eine Lösung finden muss. So ist es wahrscheinlich nich Herrn Bersets Schuld, dass er die Masken nicht gezählt hat, man war nicht auf so eine Pandemie vorbereitet und dies soll nächsted Mal besser sein.
      Aber ebenso unreif wie die Suche mach der Schuld sind die stichelnden Gegenkommentare.

      Meiner Meinung nach Bedenklich.
  • Kommentar von Haller Hans  (H.Haller)
    Es ist schon bezeichnend, dass Bersets Gesundheitsamt nicht in der Lage ist genügend Masken zu beschaffen. Hier in Asien gilt die Maske als Pflicht im Umgang im Alltag und sind in genügender Anzahl vorhanden. Leider lässt die Disziplin im normalem Umfeld jedoch nach und das ist etwas bedauerlich. - Leute, bitte lasst euch nicht den Mist und den Bären aufbinden betreffend der Masken. Da wird von Berset lediglich ein Versäumnis kaschiert. Der Kluge trägt die Maske oder einen Mundschutz !!!
    1. Antwort von Olaf Schulenburg  (freier Schweizer)
      Mit Herr Bersets Amt hat das wenig zu tun. Die Schweiz und allen voran die rechte Mehrheit im Parlament, kapitalistisch, wirtschaftsliberal, wirtschaftslobbiert, setzt seit 30 Jahren voll auf die Verantwortung der Wirtschaft. Die Wirtschaft regelt das, der Markt sorgt für alles, ist deren viel verwendeter Leitsatz. So wurde dem Bund die Verantwortung abgenommen und der Wirtschaft übergeben und zapp, die Masken fehlen, nebst vielem anderen.
    2. Antwort von Lothar Drack  (samSok)
      @Haller Hans mit H wie_Hartnäckig beim Behaupten falscher Tatsachen. Nochmals: Pflicht der Pflichtlager lag bei den Kantonen und deren Institutionen. Auch wenn er für Sie von der falschen Partei, da trägt er keine Schuld, die ist bei der neoliberalen Politik zu suchen. Mundschutz nützt nichts, ausser bei Ihnen.
    3. Antwort von Peter Meier  (peme)
      Herr Haller, wenig Fakten und viel Meinung... ihr Angriff auf das BAG und BR Berset zielen voll vorbei. 5 Min. Recherche und man kann es finden, wenn man will... zuständig ist BWL. Und wer ist der Vorsteher des BWL???? Oje Herr Haller... wenig Fakten und viel Meinung von ihnen, schade.