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Wer sind die Aktivisten von Extinction Rebellion?
Aus Rendez-vous vom 20.09.2019.
abspielen. Laufzeit 04:17 Minuten.
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Extinction Rebellion Die grüne Limmat war erst der Anfang

Radikale Klimaschützer sorgten mit der spektakulären Farbattacke landesweit für Schlagzeilen. Doch wer steckt dahinter?

Plötzlich war die Limmat grün. Und ganz Zürich fragte sich vor zehn Tagen, weshalb ihr Fluss die Farbe geändert hatte. Man wusste es bald. Die internationale Bewegung Extinction Rebellion steckte hinter der Aktion.

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Nach Farbattacke: Die Limmat fliesst grün durch Zürich
Aus News-Clip vom 10.09.2019.
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Strukturiert, radikal, aber gewaltfrei. So rufen die Klima-Aktivisten zu zivilem Ungehorsam auf. Der Name ist Programm: Sie rebellieren gegen das angeblich drohende Aussterben der Menschheit. Extinction Rebellion will das öffentliche Leben stören und so die Bevölkerung aufrütteln.

Klare Forderungen

In Lausanne blockierten etwa 200 Aktivisten von Extinction Rebellion am Freitagmittag die Bessières-Brücke in der Nähe der Kathedrale. Es ist nicht die erste Aktion in der Stadt. Bereits vor einem halben Jahr blockierten die Aktivisten eine wichtige Verkehrsachse. Das war der Moment als Nicoco auf Extinction Rebellion aufmerksam geworden ist. Er studiert Sportwissenschaften an der Uni. «Umwelt- und Klimafragen haben mich schon lange beschäftigt», sagt er. Endlich habe er sich nicht mehr allein gefühlt.

Wir sind keine Extremisten.
Autor: AymoneAktivistin bei Extinction Rebellion

Inzwischen ist er voll engagiert und hält zum Beispiel Vorträge. Zusammen mit Aymone. Die Psychomotoriktherapeutin ist schon etwas länger dabei. «Mir gefallen die klar formulierten drei Hauptforderungen von Extinction Rebellion», sagt sie.

Als erstes erkläre Extinction Rebellion den Klimanotstand, um die Politik zum Handeln aufzufordern, und zwar sofort. Denn das zweite Ziel sei bereits 2025 den CO2-Austoss auf Netto Null zu senken. Drittens forderten sie Bürgerversammlungen, die überwachten, ob die Klimaziele erreicht würden.

Aktivisten oder Extremisten?

Die Basis für ihre öffentlichen Vorträge kann Aymone via Internet von der Mutterorganisation in England beziehen und anpassen. Und die Methoden, sind ihr die nicht zu radikal? Nein, sagt Aymone, es gehe im wortwörtlichen Sinn darum, die Probleme an der Wurzel anzupacken: «Wir sind keine Extremisten.»

Die kleinen Gruppen erlauben es Wortführern, andere schneller zu beeinflussen, auch mit radikalen Gedanken.
Autor: Hervé RaynerPolitologe an der Universität Lausanne

Dennoch: Extinction Rebellion geht weiter, als die Schülerinnen und Schüler, die freitags die Schule schwänzen. Aymone betont, sie tauschten sich mit der Klimajugend Fridays for Future aus und machten punktuell auch gemeinsame Sache.

Die Ziele seien im Grundsatz dieselben. Extinction Rebellion habe einfach eine andere Taktik, indem sie mit Störaktionen darauf aufmerksam machten. Oberstes Gebot sei dabei aber, ohne Gewalt zu handeln.

Anhänger der Bewegung demonstrieren in London.
Legende: Extinction Rebellion wurde vor knapp einem Jahr in London gegründet. In der Schweiz gibt es bereits 13 lokale Sektionen – die grösste in Lausanne. Reuters

Hervé Rayner ist Professor für Politikwissenschaften an der Uni Lausanne. Er befasst sich seit langem mit sozialen Bewegungen. Bei Extinction Rebellion fällt ihm besonders auf, dass viele Frauen und vielen gebildete Menschen jeglichen Alters dabei sind. Zur schnellen Verbreitung der Bewegung habe sicher das Internet beigetragen, doch ebenso wichtig sei die Struktur der Bewegung.

Kleine Gruppen, grosse Identifikation

Mit regelmässigen Treffen in den lokalen Sektionen werde das Zugehörigkeitsgefühl gefördert. Und zwar in kleinen Untergruppen. «Dies erlaubt es Wortführern andere schneller zu beeinflussen, auch mit radikalen Gedanken», erklärt Rayner.

Eine offizielle Mitgliedschaft bei Extinction Rebellion gibt es nicht. Es ist deshalb schwierig abzuschätzen, wie viele von sich sagen, dabei zu sein. In der zurzeit grössten Sektion in der Schweiz, in Lausanne, dürften es mehrere Hundert sein. Nach eigenen Angaben ist die Bewegung in fast 60 Ländern vertreten.

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69 Kommentare

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  • Kommentar von Jürg Brauchli  (Rondra)
    Wer Farbbeutel an ein Gebäude schmeisst, kriegt eine Anzeige...
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  • Kommentar von martin blättler  (bruggegumper)
    Errinnern wir uns zurück,Sommer 68.Uebermotivierte Studenten
    werben zuerst für offene Liebe,dann Barrikaden,Scharmützel mit
    der Polizei,eine Spiegelkorrespondentin beginnt sich zu radikalisieren,
    ein Wirrkopf zündet ein Warenhaus an.Viele "Studenten" solidarisieren
    sich,und schon hatte man das,was die Linken heute der anderen Seite
    vorwerfen:Den Humus für gröbere Straftaten.Da sollte man solche
    "Scherze" einordnen.
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  • Kommentar von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
    Wenn man diese verbitterten Kommentare der Ü60 Fraktion liest, weiß man worauf es zukünftig hinaus läuft.Solange diese Empörung so groß ist und der werte Herr sich und seine Schäfchen im Trockenen sieht,wird an anderer Stelle versucht,diese Ruhe ins Wanken zu bringen und genau das finde ich wunderbar.Die Alten sollten endlich ihre rückständig,konservative Haltung etwas runterfahren und Verständnis zeigen, denn schließlich sind es die Jungen Leute,die diesen Planeten noch länger bewohnen wollen.
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    1. Antwort von Jürg Brauchli  (Rondra)
      Und dann nehmen es die "Null Bock auf gar Nichts" - Jungen an die Hand. Jene, die ihre RedBull-Dose drei Meter neben den Abfallkorb schmeissen, bevor sie in ihr geleastes Auto mit illegaler Abgasvorrichtung steigen.
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    2. Antwort von B. Bucher  (BBu)
      @Frank Henchler

      Könnte es möglicherweise nicht auch sein, dass die "Älteren" (oder mit ihren Worten die "rückständigen, konservativen Alten) Zweifel haben, dass die heutige "Influencer-, Youtuber-, Food- und Travel Blogger (etc. etc) Generation" nun urplötzlich die richtigen Rezepte hat für den Schutz unseres Klimas haben ?
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