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Nachhaltigkeit in der weltweiten Textilproduktion – organisiert von der Zentralschweiz aus
Aus Regionaljournal Zentralschweiz vom 29.01.2021.
abspielen. Laufzeit 07:28 Minuten.
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Faire Produktion Der schwierige Weg zu «Kleidern ohne Geheimnisse»

Was steckt hinter T-Shirts oder Pullis, die in den Läden hängen? Meist undurchsichtige Produktionswege. Aber es geht auch anders.

Es ist ein langer Weg von der Baumwolle, die zum Beispiel in Afrika gepflückt wird, bis zum T-Shirt im Laden hier bei uns. Und vor allem: Es ist ein intransparenter Weg. Welche Firmen haben ihre Hände im Spiel? Wie gut bezahlen sie ihre Pflückerinnen oder unter welchen Bedingungen müssen ihre Näher arbeiten? Wer ein T-Shirt kauft, weiss das meist nicht.

Die Gründung einer Firma als Chance

Auch der Schwyzer Kilian Wiget wusste es nicht, damals, als er noch in einem Sportgeschäft arbeitete. Obwohl er täglich mit Kleidern zu tun hatte. Aber es interessierte ihn und mit der Gründung seiner eigenen Firma ZRCL vor fünf Jahren packte er die Gelegenheit, sich mit dem Thema näher zu beschäftigen.

Heute steht er in seinem Ladenlokal in Schwyz, inmitten von Pullis, T-Shirts und Jacken, und sagt: «Diese sehen zwar aus wie normale Textilien, haben aber alle eine spezielle Geschichte. Es sind Kleider ohne Geheimnisse, wir versuchen komplett fair, ökologisch und transparent zu produzieren.»

Kilian Wiget in seinem Ladenlokal in Schwyz.
Legende: «Alle Kleider haben eine spezielle Geschichte.» Kilian Wiget in seinem Ladenlokal in Schwyz. SRF

Jährlich rund 15'000 Kleidungsstücke setzt seine Firma ZRCL inzwischen ab und zählt dabei auf die Dienste der Zuger Firma Remei, die auch für Mammut oder Coop Naturaline Textilien produziert. Remei ist eine auf den ersten Blick kleine Firma mit 17 Angestellten, sie steuert aber von Rotkreuz aus ihre ganze weltweite Textil-Lieferkette.

Und: Die Firma hat ein eigenes System entwickelt, damit die Kundinnen und Kunden genau nachverfolgen können, über welche Stationen ihre Kleider produziert wurden. Dank eines Codes auf jedem einzelnen Kleidungsstück kann man im Internet auf einer Weltkarte sehen, woher das Saatgut stammt, wo die Baumwolle wuchs, wer das Garn produzierte und wer das Kleidungsstück schliesslich zusammengenäht hat.

Baumwollpflückerinnen in Tansania.
Legende: Baumwollpflückerinnen in Indien. Jörg Böthling

«Transparenz ist die Grundvoraussetzung für nachhaltige Produktion», ist Marion Röttges, Co-Geschäftsleiterin der Remei, überzeugt. «Denn nur so sieht man, wo es Probleme gibt, die man angehen muss, oder wo man Verbesserungen erzielen konnte.»

Genauer Blick von Public Eye

Für mehr Transparenz in der Textilproduktion setzt sich auch die Organisation Public Eye ein. Sie nimmt die grösseren Firmen der Branche regelmässig unter die Lupe. So auch die Rotkreuzer Firma Remei, die immerhin rund eine Million Kleidungsstücke pro Jahr produziert. Das Fazit von Public Eye: Remei mache vieles besser als andere Firmen. Aber bei den Löhnen der Näherinnen und Näher gebe es noch Verbesserungspotenzial.

«Wir haben in allen 36 Firmen, mit denen wir weltweit zusammenarbeiten, Sozialstandards implementiert, die sich auch der Lohnfrage annehmen», entgegnet Marion Röttges, räumt aber auch ein: «Es sind langfristige Prozesse. Aber wir sind mit allen im Dialog.»

Die Co-Chefin der Remei in Rotkreuz: Marion Röttges.
Legende: «Transparenz ist die Grundvoraussetzung für nachhaltige Produktion», sagt Marion Röttges, Co-Chefin der Remei in Rotkreuz. SRF

Die Remei-Co-Chefin ist überzeugt, dass das Thema «faire Textilproduktion» gesellschaftlich immer wichtiger werde. Immer mehr Menschen machten sich Gedanken darüber, woher die Kleider stammen, die sie kaufen.

Das beobachtet auch Kilian Wiget, der sich mit seinem Geschäft in Schwyz den nachhaltig produzierten Textilien verschrieben hat. «Es ist ein absoluter Trend. Man sieht das nicht nur bei den Kleidern. Auch bei der Mobilität, der Energie und beim Essen ist Nachhaltigkeit momentan das grosse Thema.»

Regionaljournal Zentralschweiz, 29.01,2021, 17:30 Uhr;

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Zingg  (WiseAdvice)
    Tolle Sache, hoffe dieses schöne Beispiel inspiriert auch weitere Unternehmer.
    Wünsche viel Erfolg.
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Wer halt sein Röckli oder Shirt nur 3 Tage lang tragen und dann in den Mülleimer werfen will, kauft halt schon lieber dort, wo man es für 3 Franken erhält. Dass Arbeitende auf allen Stufen auf der Strecke bleiben und zu Hungerlöhnen produzieren müssen, sollte allen klar sein. Aber Geiz ist Geil kommt bei vielen vor Vernunft. Man kann auf ein Umdenken hoffen und dazu beitragen, indem man selber etwas überlegter vorgeht. Wer auf einen ordentlichen Lohn Wert legt, sollte diesen auch anderen gönnen.
  • Kommentar von Andreas Buser  (AnMaBu)
    Da schafft es eine Firma mit 17 Mitarbeitern, Transparenz in die Lieferkette zu bringen. Im Vorfeld der Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative haben die Gegner behauptet, dass diese Kontrollen für die Firmen ein zu grosser bis unmöglicher Aufwand sei. Aber wo ein Wille ist ein Weg. Bravo!