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Sind Corona-Teststäbchen giftig?
Aus SRF News vom 06.05.2021.
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Faktencheck zu Corona Ist das Teststäbchen in der Nase giftig?

Auf Social Media lösen dramatische Videos Ängste aus. Momentan mit der Behauptung, dass Corona-Teststäbchen giftig seien. Was ist dran an dieser Aussage?

«Ethylenoxid verursacht Hirntumore. Ihr steckt es euch in das verdammte…, ins Gehirn! Die Leute müssen jetzt aufwachen», appelliert der Mann in seine Handy-Kamera. Auf den Corona-Teststäbchen befinde sich eine tödliche Chemikalie: Ethylenoxid. Das Video wurde auf Youtube tausendfach angeklickt und verbreitete sich rasend schnell auf Social-Media-Kanälen.

Das Problem: Der Youtube-Warner beschäftigt sich mit einem medizinisch-wissenschaftlichen Thema, ohne dabei auch nur ansatzweise wissenschaftlich vorzugehen. Seine Quelle: Google. Seine Message: Alarmstufe rot. Es gibt eine Vielzahl weiterer Posts und Videos mit Falschaussagen, die nach diesem Muster funktionieren.

Krebserregend, oder doch nicht?

Tatsache ist, dass das Gas Ethylenoxid zwar als «giftig» taxiert wird. Das Bundesamt für Umwelt schreibt auf seiner Webseite, dass Ethylenoxid «krebserregend» und «toxisch» sei. Doch da steht auch, dass es als Desinfektionsmittel für medizinische Geräte eingesetzt wird. Beispielsweise werden Kanülen und Wundverbände seit Jahren damit sterilisiert. Auch die Corona-Teststäbchen werden mit Ethylenoxid (EO) sterilisiert, wie auf der Verpackung zu lesen ist.

Das ergibt Sinn, denn niemand möchte sich Teststäbchen mit Bakterien, Viren oder Pilzen in die Nase einführen. Wichtig ist: Nach dem Sterilisierungsprozess werden die Stäbchen «entgast», also ausgelüftet, das Gas verflüchtigt sich. Es bleiben keine Rückstände zurück, die gefährlich sein könnten.

Eine gefährliche Behauptung

Doch diese Recherche macht der Mann auf Youtube offenbar nicht – er verwendet das kürzeste und dramatischste Ergebnis seiner Google-Suche, «krebserregend», verbindet es mit kruden Gerüchten von angeblichen Todesfällen nach Corona-Tests und schickt seine «Kürzest-Recherche» in die weite Welt von Social Media. Mit fatalen Folgen: Einige Menschen glauben solche Geschichten und verbreiten sie weiter, ohne zu überprüfen. Und verzichten dann möglicherweise auf einen Test.

Eine vertiefte Google-Suche würde sehr schnell zu Studien führen, die aufzeigen, dass von Ethylenoxid keine unmittelbare Gefahr ausgeht, wie beispielsweise eine amerikanische Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster zeigt: Wenn eine Million Menschen über 70 Lebensjahre hinweg dauerhaft eine Ethylen-Konzentration von 0.0002 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft einatmen würden, «dann wird statistisch gesehen einer davon an Krebs erkranken».

Die Dosis macht das Gift

Die Voraussetzungen für eine krebserregende Dosis Ethylenoxid auf Teststäbchen, die für ein paar Sekunden in die Nase eingeführt werden, sind also kaum erfüllt. Denn wie bereits der Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus sagte: «Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.» Niemand würde auf die Idee kommen, ein Glas Wein als «giftig» zu bezeichnen. Doch wenn jemand zu viel Wein trinkt, vergiftet er sich. So ist es auch bei Ethylenoxid: Die Dosis macht es aus.

10vor10, 06.05.2021, 21:50 Uhr

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Michel Koller  (Mica)
    Diese monieren von Titel und Teaser wirkt wie ein Versuch, ein Artikel möglichst nach eigenem Gutdünken manipulieren zu wollen. Bloss nicht auf diese Art oder die Weise, weil Andere denken könnten...
  • Kommentar von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
    Auch ich habe immer wieder Mühe mit den Headlines. Ob es einfach darum geht die Leser*innen dazu zu bewegen den Artikel anzuklicken? Ich gehöre zu denen, die einen Bericht aus Interesse lesen, brauche keine aufmerksamkeitsheischende Schlagwörter. Vor allem nicht bei seriös geschriebenen Texten. Hier erzählt ein unkenntlich gemachter Mann Dinge über ein Thema von dem er keine Ahnung zu haben scheint. Kann jemand mit seinem Gesicht nicht hinter seiner Aussage stehen, läuten bei mir Alarmglocken.
  • Kommentar von Roger Lüscher  (Roger Lüscher)
    Bitte hört auf mit diesen verfänglichen Fragen als Überschriften. Dies ist eines Staatsmediums nicht würdig. Ich nehmen an, es soll das Interesse des Lesers wecken, aber unterschwellig ist es auch die Suche nach einem Skandal und Empörung. Viele Menschen können sich leider keine eigene Meinung mehr bilden und nehmen sich nicht die Zeit, den ganzen Artikel zu lesen. Die Meinung ist nach dem Titel schon gebildet.
    1. Antwort von Jonas Baumgartner  (J. Baumgartner)
      Sehr geehrter Herr Lüscher, wie sollte denn ein Titel eines aufklärenden Artiels Ihrer Mienung nach lauten? Und glaube Sie nicht, dass einige Leute, die schon von diesen Thesen gehört haben trotzdem auf den Artikel klicken, weil gerade das konkrete Thema angesprochen wird?
    2. Antwort von Roger Lüscher  (Roger Lüscher)
      Ein Titel sollte meiner Meinung nach die Kernaussage des Artikels betonen und gleichzeitig sachlich sein. Beispielsweise könnte er in diesem Fall lauten: "Teststäbchen sind nicht gefährlich".
    3. Antwort von Lilian Albis  (L.A.)
      Da bin ich nicht ihrer Meinung, Herr Lüscher. Denn sobald in einem Titel etwas als gegeben dargestellt wird, heisst es aus skeptischen Kreisen gleich wieder, dass wir sowieso nur von den gleichgeschalteten Medien beeinflusst werden, ohne andere Ansichten und Meinungen einzubeziehen. Darum finde ich es sogar gut, wenn die Fragen aufgeworfen und im Text dann wissenschaftlich abgehandelt werden.
    4. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Ganz richtig. Es handelt sich hierbei übrigens um eine im Boulevard beliebte Strategie. Mit einem Fragezeichen versehen kann man jeden skandalträchtigen Titel setzen, ohne dann zum Beispiel wegen Rufmord gerade stehen zu müssen. Das geht sogar ohne vorgängige Recherche, jedes Gerücht kann so straffrei weiterverbreitet werden.