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Suizid nach Cybermobbing – Fall Céline vor Gericht
Aus Schweiz aktuell vom 26.02.2020.
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Fall Céline Pfister Ex-Freund wegen Nötigung und mehrfacher Pornografie verurteilt

  • Der ehemalige Freund, der intime Bilder von Céline verlangt hatte und diese weiterverbreitete, ist vom Bezirksgericht Dietikon der Nötigung und mehrfacher Pornografie schuldig gesprochen worden.
  • In einem ersten Strafbefehl war der Junge wegen Nötigung verurteilt worden. Célines Eltern hatten das Urteil weitergezogen. Den Vorwurf der sexuellen Nötigung bestätigte das Gericht nicht.
  • Das Gericht hatte sich mit der schwierigen Frage zu befassen, ob und wie Cybermobbing im Strafrecht behandelt werden kann.

Im Cybermobbing-Prozess um die 13-jährige Céline hat das Jugendgericht in Dietikon (ZH) den angeklagten jungen Mann wegen Nötigung und mehrfacher Pornografie zu einem Arbeitseinsatz von sieben Tagen verurteilt. Davon muss er vier Tage leisten.

Die restlichen drei Tage werden nur fällig, falls er sich innerhalb eines halben Jahres etwas Neues zuschulden kommen lässt. Zudem ordnete das Gericht eine «persönliche Betreuung» durch eine Sozialarbeiterin an.

Jugendstrafrecht ohne «harte» Massnahmen

Weil der junge Mann zum Zeitpunkt der Tat erst 14 Jahre alt war, sind gemäss Jugendstrafgesetz gar keine härteren Massnahmen möglich. Mit mehrmonatigen Arbeitseinsätzen oder Busse werden Jugendliche erst ab 15 Jahren bestraft.

Die Eltern des verstorbenen Mädchens legten trotzdem Einsprache gegen den ersten Strafbefehl der Jugendanwaltschaft ein, weil sie den Fall ihrer Tochter als sexuelle Nötigung ansahen.

Eltern verlassen empört Gerichtssaal

Für das Gericht war das Erstellen und Verschicken eines Fotos keine sexuelle Handlung, auch wenn das Opfer nur in Unterwäsche gewesen sei. Das Gericht kam weiter zum Schluss, dass dem jungen Mann die Verantwortung für den Suizid des Mädchens nicht angelastet werden kann. Das war auch nicht Gegenstand des Verfahrens.

Auch eine Genugtuungsforderung von 5000 Franken lehnte das Gericht ab. Die Eltern des verstorbenen Mädchens seien von der Nötigung nicht selber betroffen gewesen.

Auf den Entscheid des Gerichts reagierten die Eltern empört und verliessen den Saal noch während der Urteilseröffnung. Ob sie den Entscheid akzeptieren, ist offen. Das Urteil kann ans Obergericht weitergezogen werden.

Cybermobbing – von öffentlichem Interesse

Verhandlungen des Jugendgerichts sind üblicherweise nicht öffentlich. In diesem Fall macht der Richter aber eine Ausnahme wegen des grossen öffentlichen Interesses an diesem Fall.

Der damals 14-jährige Beschuldigte hatte von der 13-jährigen Céline freizügige Bilder verlangt. Er drohte, dass er bereits erhaltene Aufnahmen an seine Ex-Freundin weiterleiten werde, falls er keine neuen erhalte.

Derart unter Druck gesetzt, schickte ihm Céline weitere Bilder per Snapchat. Eines dieser Bilder erhielt nach einem Streit auch die Ex-Freundin des Beschuldigten. Sie verbreitete das Bild per Snapchat, wo es in kurzer Zeit von rund 500 Personen gesehen wurde. Céline wurde daraufhin beleidigt und bedroht. Einige Tage später nahm sie sich das Leben.

Die Ex-Freundin, die das Bild weiterverbreitete, wurde bereits früher zu einem Arbeitseinsatz verurteilt. Dieses Urteil ist rechtskräftig und die junge Frau hat ihren Einsatz schon absolviert.

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Mark Altheer  (Mark_Altheer)
    Wir müssen endlich begreifen dass die Kids heute schon ab 12/13 Jahren reifer sind als frühere Generationen. Unser 12-jähriger hat im Unterricht bereits Wissen vermittelt bekommen in Bezug auf Soziale Medien und dem ganzen Drumherum inkl. Mobbing etc. Die wissen genau was sie da machen. Daher braucht es eine Anpassung des Rechts und die Möglichkeit Täter schon früh bestrafen zu können. Nebenbei: Bei der Erziehung happerts aber auch offenbar. Intime Bilder weiter verbreiten geht gar nicht!
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  • Kommentar von Michael Stähli  (Mich)
    Mobbing gab es früher auch, es wurde einfach anders genannt und ohne die ganzen Onlinemedien waren die Auswirkungen meist weniger gross.
    Vielleicht sollte man mal überlegen ein Mindestalter von 16 oder 18 Jahren für das Benutzen von Elektronikgeräten und deren Möglichkeiten einzuführen. Dies würde wohl viele soziale und andere Probleme verringern.
    (Übrigens ich bin 25 und kein Verbitterter Rentner!)
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    1. Antwort von Michel Koller  (Mica)
      Elektronikgeräte sind nur die Werkzeuge und sie zu verbieten oder die Nutzung einzuschränken, löst das Problem nicht. Man muss schon Kindern beibringen, dass Mobbing ein ernst zunehmendes Fehlverhalten ist. Tut man dies nicht, so kriegen die 18 Jährigen dann ein Smartphone und tun genau das Gleiche wie bisher aber sind dann mit dem Medium zusätzlich unerfahren, was die potentiellen Probleme noch vergrössert. Von mehr Fürsorge in dem Bereich hätte sowohl Täter als auch Opfer profitiert. Tragisch.
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    2. Antwort von Franz Keller  (franzke)
      was soll der blöde Kommentar über verbitterte Rentner ? wie soll man Elektronikgeräten bis 16 Jahren verbieten. es ist zwingend notwendig solche Geräte bereits in der Grundschule zu fördern. oder wollen Sie, dass die Schweiz in Bezug auf IT weiter zurück fällt. Man kann nicht alles verbieten.
      Besser ist informieren. Bei Fehlverhalten muss jedoch die Strafe entsprechend ausfallen. die Kids wissen genau was sie tun.
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  • Kommentar von Martin Frey  (Anonym1001)
    Arbeitseinsatz von sieben Tagen, davon muss er vier Tage leisten...?? Einfach nur Lächerlich! Er war für einen unnötigen Tod eines jungen Lebens mit verantwortlich!
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