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Schweiz Fall Rupperswil: «IT-Fachleute werden immer wichtiger»

Der Vierfachmord in Rupperswil (AG) hat die Bevölkerung schockiert. Umso grösser war die Erleichterung, als der Täter nach fast fünf Monaten gefasst wurde. Dahinter stecken umfangreiche Ermittlungen. Worauf es dabei ankommt, erklärt der Strafverfolger Ulrich Weder.

Legende: Video Der Ermittlungserfolg in Rupperswil abspielen. Laufzeit 1:56 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.05.2016.

Im Fall Rupperswil hat eine Taskforce fast fünf Monate rund um die Uhr ermittelt. Schliesslich hat die Aargauer Kantonspolizei den Täter am Donnerstag verhaftet – und damit offenbar auch weitere geplante Gewalttaten des Mannes verhindert.

Was braucht es, damit die Ermittlungen in einem solch schwierigen Fall zum Erfolg führen? «Ein solches Delikt kann nur in der Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden, Polizei und Staatsanwaltschaft, aber auch Rechtsmedizin, Spurenverwertung, Forensik und – was heute immer wichtiger wird – auch mittels IT-Fachleuten aufgeklärt werden», sagt Ulrich Weder, einer der profiliertesten Strafverfolger der Schweiz. Einen ähnlich komplexen Fall habe er in Jahrzehnten als Staatsanwalt nie erlebt.

Ohne IT-Fachleute komme man in solchen Ermittlungen nicht mehr aus. Dabei gehe es vor allem um die Überwachung von Kommunikationsmitteln: Wer war mit welchem Telefonanschluss zu welchem Zeitpunkt an welchem Antennenstandort und pflegte mit wem wie lange Kontakt?

Legende: Video Die verschiedenen Möglichkeiten der Ermittlung abspielen. Laufzeit 0:33 Minuten.
Vom 14.05.2016.

In den Ermittlungen kommen ganz verschiedene Techniken zum Einsatz. «Vorwiegend die Befragungen – es gab hunderte von Einvernahmen in ähnlichen Delikten», sagt Weder. Doch auch Erkenntnisse aus der technischen Überwachung bis hin zu verdeckten Ermittlungen – in diesem Bereich gebe es zahlreiche Ansätze.

«Alles minutiös aufklären»

Dass sich Täter und Opfer im Fall Rupperswil nicht kannten, erschwerte die Ermittlungen erheblich, schätzt der Strafverfolger. «Im Regelfall ist zwischen Täter und Opfer irgendeine entfernte Beziehung vorhanden, und das erleichtert die Aufklärung.»

Legende: Video Fehlende Täter-Opfer-Beziehung abspielen. Laufzeit 0:48 Minuten.
Vom 14.05.2016.

Sonst bleibe nichts anderes übrig, als letztlich alles minutiös unter der Lupe aufzuklären. Die Beziehungen des Opfers und alle sonstigen Erkenntnisse müssten geklärt werden – immer in der Hoffnung, dass sich irgendwann ein Faden so ziehen lässt, dass man ihn zu einem Verdacht verdichten kann.

«Alles andere wäre dilettantisch»

Noch weiss man nicht, wie die Polizei dem Täter auf die Spur gekommen ist. Für den ehemaligen Staatsanwalt macht es Sinn, dass die Ermittler nur das Nötigste kommunizieren.

Legende: Video Über die Spur zum Täter wird nichts verraten abspielen. Laufzeit 1:31 Minuten.
Vom 14.05.2016.

«Alles andere wäre dilettantisch, wäre nicht professionell», sagt Weder. Würde man Erkenntnisse der Untersuchung zu früh kommunizieren, könnte sich die Täterschaft daran anpassen. Es liege ein Geständnis vor, und dieses müsse wie andere Beweismittel auch auf die Glaubwürdigkeit und die sonstige Spurenlage überprüft werden. Deshalb werde nur das Notwendigste – und nichts darüber hinaus kommuniziert, um die Ermittlungstätigkeit nicht zu beeinträchtigen.

Ulrich Weder zollt den Aargauer Ermittlern grossen Respekt. «Relativ viele Tötungsdelikte, die ähnlich gelagert sind, enden mit einer Einstellung des Verfahrens. Man wird der Täterschaft nicht habhaft. Und es gelingt nicht, weitere Taten zu verhindern.»

Zur Person

Ulrich Weder war während 35 Jahren in der Strafverfolgung Zürich tätig. Dabei leitete er während 15 Jahren die Staatsanwaltschaft, welche auf schwere Gewaltdelikte spezialisiert ist.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Molineux (Marcel Marcel)
    Damit ein Spührhund eine bestimmte Fährte aufnehmen kann, muss man ihm ein Beispielobjekt hinhalten, welches nach dem Täter riecht (z.B. Kleidungsstück). Erst dann weiss der Hund, welcher Fährte er folgen muss. In diesem Fall war jedoch unklar, wer der Täter ist und somit konnte dem Hund auch nichts vorgelegt werden. Aus dem Nichts heraus kann ein Spührhund keinen Täter aufspühren, das wäre ja wunderbar ;-)
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  • Kommentar von Christian Graf (Christian Graf)
    Genial Herr Schink wirklich, da frag ich mich warum solche Genies wie sie immer erst hinterher auf den Plan treten?!? Nein eigentlich bin ich froh darüber!
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    1. Antwort von László Schink (gegen_links_grün)
      Die Frage habe ich mir allerdings schon vor der Verhaftung des Täters gestellt Herr Graf.
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  • Kommentar von László Schink (gegen_links_grün)
    Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht mehr. Hier wird zu viel auf Technik gesetzt und weniger rational gehandelt. Oder warum wurden nach dem Brand, der Bekanntgabe des Verbrechens, keine Spührhunde eingesetzt, die hätten eine Fährte zum Täter aufnehmen können, der nur 500m vom Tatort wohnte und womöglich direkt in sein Haus geflüchtet ist?
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    1. Antwort von Lucas Kunz (L'art pur l'art)
      Waren Sie bei der Spurenaufnahme dabei, dass Sie soo genau Bescheid wissen? Zurück mit beiden Füssen auf'm Boden: In dem Haus hatte es viele Fussspuren, woher soll das Tier wissen, nach welcher es suchen soll? ... darüber wurde "Brandbeschleuniger", wohl Autobenzin darüber gegossen und angezündet ... ... Auch den feinen Nasen der Hunde ist eine Grenze gesetzt. PS: Gauner wüssten übrigens, wie sie sich mit alten und einfachen erprobten Mitteln gegen die Spürnasen erfolgreich schützen könnten ...
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    2. Antwort von László Schink (gegen_links_grün)
      Falsch Herr Kunz, nicht im verbrannten Haus hätten die Hunde eingesetzt werden müssen, sondern vor dem Haus, wo der Täter dann den Fluchtweg beschritt, um eine Fährte aufzunehmen, ein Fluchtweg der vielleicht nur 500m betrug, nicht unterbrochen durch Gewässer und andere Hindernisse, die einem Spührhundes feiner Nase im Wege stünden.
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