Zum Inhalt springen

Header

Audio
«Text me when you get home»
Aus News Plus vom 15.03.2021.
abspielen. Laufzeit 20:33 Minuten.
Inhalt

Fall Sarah Everard Kapo St. Gallen entschuldigt sich wegen Frauenratgeber

Der Fall Everard zieht Kreise. Die Kantonspolizei St. Gallen muss wegen eines Ratgebers nun Kritik einstecken.

Am Freitag ist die Leiche von Sarah Everard in Kent (Grossbritannien) in einem Waldstück gefunden worden. Inzwischen wurde ein Polizist verhaftet. Er steht unter Verdacht, die Frau entführt und ermordet zu haben. Der Fall hält Grossbritannien seit Tagen in Atem.

Auch Premier Boris Johnson zeigt sich auf Twitter betroffen

«Text me when you get home» – die Influencerin Lucy Mountain hat ein Bild mit nur diesem Text auf Instagram veröffentlicht. Darunter schreibt sie, sie konnte nicht aufhören, an Sarah Everard zu denken und daran, dass «es einer Frau verwehrt wurde, einfach nach Hause zu laufen». Sie habe eine tiefe Verbundenheit mit anderen Frauen gespürt, schreibt sie weiter.

Der Post wurde weltweit geteilt, gelikt, und hat die Menschen bewegt – bis hin zu einer Mahnwache am Wochenende in mehreren britischen Städten. Allein in London hatten sich mehrere Hundert Menschen versammelt, um ein Zeichen zu setzen – dies trotz der strengen Corona-Massnahmen derzeit in Grossbritannien.

St. Galler Polizei entschuldigt sich

Auch in der Schweiz wird das Thema diskutiert. Nicht erst seit dem Vorfall in Kent. Und da hat die Kantonspolizei St. Gallen beispielsweise für ordentlich Wirbel und Häme gesorgt, als sie vor einiger Zeit einen Ratgeber für Frauen veröffentlicht hat, wie man sich auf dem Nachhauseweg schützen könne. Folgende Sätze sind darin zu lesen:

Treten Sie stets selbstbewusst auf. Frauen, die Selbstbewusstsein ausstrahlen, werden weniger belästigt als verschreckte Frauen, die unsicher nach Hause huschen.

Es liegt auf der Hand, dass Sie ein leichtes Opfer sind, wenn Sie nicht bei klarem Verstand sind. Trinken Sie deshalb Alkohol nur in Massen, sodass Sie noch klar denken können.

Auf den sozialen Medien wurde das heftig kritisiert. So schreibt etwa Agota Lavoyer von der Opferhilfe bei sexualisierter Gewalt, das Beispiel führe die Rape-Culture vor Augen. Da gehe man nämlich davon aus, dass es in der Verantwortung der Frau liege, sich vor sexualisierten Übergriffen zu schützen.

Die St. Galler Kantonspolizei hat sich heute dazu geäussert, Sprecher Hanspeter Krüsi sagt, man habe mit dem Ratgeber eigentlich nur Gutes tun wollen: «Wir haben zu wenig darauf geachtet, dass wir mit den Ratschlägen bei den Frauen Gefühle verletzen könnten.»

Ratgeber ist entfernt worden

Dafür entschuldigt sich Polizeisprecher Krüsi. «Wir haben reagiert, und den Ratgeber am Sonntag aus dem Internet genommen. Beim Ratgeber handelt es sich um einen älteren Ratgeber auf unserer Website. Er entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen bezüglich ausgewogene Formulierung von Täter- und Opfersicht.»

Die St. Galler Polizei will nun sämtliche präventiven Ratgeber auf der Webseite überprüfen.

SRF 4 News, 15.3.2021, 17:15 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

34 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Manuela Weber  (Wello)
    Eigentlich völlig egal wer gegen wen! Der Täter ist Schuld! Ein Opfer ist und bleibt das Opfer. Ist das Opfer dem Täter unterlegen (körperlich, Status) sollten die Täter viel härter bestraft werden. Vorallem auch bei Gewalt gegenüber Kindern stehen mit manchmal die Haare zu Berge wegen den milden Urteilen
  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    So wirklichkeitsfremd sind nach meinem Empfinden die Ratschläge der St. Galler Polizei gar nicht gewesen. Ich bin auch der Meinung, dass wer selbstsicher auftritt weniger schnell Opfer von Missetätern wird und dass man im alkoholisiertem Zustand nicht immer adäquat reagiert ist eine Tatsache. Vielleicht hätte man dasselbe mit ein paar anderen Worten sagen können, aber zumindest kann man der Polizei guten Willen und Realität nicht absprechen.
    1. Antwort von Livia Keller  (LiviaKeller)
      VIELEICHT hilft selbstsicheres Auftreten, die Wahrscheinlichkeit zu verringern, sexualisierte Gewalt zu erfahren. Nicht alkoholisiert kann ich die Situation VIELEICHT besser einschätzen und mich rechtzeitig in Sicherheit bringen. TATSACHE aber ist: Wird eine Frau alkoholisiert Opfer sexualisierter Gewalt, wird sie in unserer Gesellschaft als mitschuldig angesehen. Ist der Täter alkoholisiert, wird es aber dadurch entschuldigt. Und das ist grundlegend falsch!
    2. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Sie wird sicher nicht als "mitschuldig" angesehen, weil sie alkoholisiert war.
      Das wird vielleicht in gewissen Feminist*innenkreisen so herumerzählt.

      Aber Tatsache ist halt auch, dass "beduselt" sein, das Risiko erhöht, zum Opfer einer Straftat zu werden.
      (Täter bevorzugen (logischerweise) oftmals "beschwipste Opfer", egal ob für sexuelle Annäherungen oder für ganz "simple" Taschendiebstähle u.ae.

      So gesehen müssen solche Sachen schon auch in einem Polizeiratgeber stehen.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Niemand, gar niemand hat das Recht, einen andern Menschen verbal und/oder körperlich anzugreifen!
    Die Schweizer Justiz ist diesbezüglich längst im Rückstand betreffend Anpassung rigider Gesetze (Gefängnisstrafen) gegen: gewaltsame Übergriffe von Mensch zu Mensch (mehrheitlich Mann gegen Frau, Kinder, Tiere), sexueller Missbrauch, sexuelle Übergriffe jeglicher Art gegen Kinder und Frauen, sowie Tiere!
    Erwachsene = Vorbilder der Jungen in allen Bereichen!