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Neuenburger Frauen gewinnen an Macht
Aus Rendez-vous vom 19.04.2021.
abspielen. Laufzeit 02:31 Minuten.
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Fast 60 Prozent Frauenmehrheit im Neuenburger Kantonsrat – ein Schweizer Novum

58 Prozent der Neugewählten im Neuenburger Kantonsparlament sind nun Frauen: Manch eine und manch einer rieb sich gestern Abend kurz nach zehn Uhr verwundert die Augen und staunte ob dieser klaren Frauenmehrheit.

Zuvor betrug der Frauenanteil im Neuenburger Kantonsparlament lediglich rund ein Drittel. Bemerkenswert ist das Resultat vor allem auch deshalb, weil die Neuenburgerinnen und Neuenburger nicht ein etwa linkes, sondern ein bürgerliches Parlament gewählt haben.

Erfahrungsgemäss setzen sich die Linken und Grünen stärker für eine Geschlechterparität ein. Doch in Neuenburg nahmen sich eben auch die bürgerlichen Parteien dem Thema an. Allen voran die FDP, die nach wie vor klar stärkste Partei im Kantonsparlament ist. Eine Strategie, die aufging und die eine wesentliche Rolle gespielt haben dürfte beim Erfolg der Frauen und der FDP.

Strategische Listenplätze

Die FDP ging zwar nicht mit gleich vielen Frauen wie Männern in die Wahlen, wie dies die SP oder die Grünen machten. Doch die FDP Neuenburg führte auf ihrer Liste zuerst die 29 Frauen auf und dann die 71 Männer. Sie setzte damit um, was Frauenbewegungen schon länger monieren: Es reiche nicht, wenn sich die Parteien bemühten, Frauen auf die Liste zu nehmen, sondern sie müssen ihnen auch gute Listenplätze geben, um den Frauenanteil zu erhöhen. Denn: Ein guter Listenplatz kann wahlentscheidend sein.

In Neuenburg hat der Erfolg der Frauen zudem wohl auch damit zu tun, dass der Frauenanteil im Parlament ein sehr grosses und viel diskutiertes Thema war in den letzten Jahren. Ein Vorstoss im Parlament forderte gar per Gesetz eine 50 zu 50 Geschlechterausgeglichenheit einzuführen. Dieser Vorstoss wurde zwar abgelehnt, doch blieb das Thema in vieler Munde.

Historische Gründe

Und: Frauen zu wählen hat in Neuenburg eine längere Tradition als anderswo. Neuenburg gehörte mit der Waadt zu den ersten beiden Kantonen in der Schweiz, die 1959 das Frauenstimmrecht auf kantonaler Ebene eingeführt hatten.

Dass der Frauenanteil im Parlament nun von 34 Prozent gleich auf 58 Prozent anstieg, war dennoch nicht zu erwarten. Nicht nur die Frauenmehrheit in einem Kantonsparlament ist ein Novum in der Schweizer Demokratie, auch ein solcher Zuwachs auf einen Schlag bei kantonalen Wahlen dürfte einmalig sein bisher.

Barbara Colpi

Barbara Colpi

Westschweiz-Korrespondentin

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Barbara Colpi ist seit 2005 bei Radio SRF tätig. Seit dem Frühjahr 2016 ist sie Westschweiz-Korrespondentin. Ihre journalistische Laufbahn begann die studierte Sozialanthropologin bei Radio Freiburg.

Rendez-vous, 19.04.2021, 12:30 Uhr

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Frei  (Peter Frei)
    @Bleuler. Bitte bei der Wahrheit bleiben. Die FDP hat 11 Sitze verloren weil sie fast 4% Wählerstimmen verloren hat, u.a. dank einer Liste, die alle Männer nur wegen des Geschlechts diskriminierend auf die letzten Listenplätze setzte. Und andere Parteien haben trotz der Sitzzahlreduktion hinzugewonnen... das neue Wahlsystem war für alle Parteien dasselbe.
  • Kommentar von Peter Frei  (Peter Frei)
    Aber dass die FDP - nicht zuletzt wegen dieser Männerdiskriminierungsliste - 11 (!!!) verloren hat, wird im Artikel natürlich verschwiegen.
    1. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      11 was? Ich gehöre zu denjenigen, die Köpfe wählen, somit ist Ihre Aussage "Männerdiskriminierungsliste" in meinem Fall falsch. Ich nehme an bei anderen auch. - Mir gefällt die neue Zusammensetzung im Neuenburger Kantonsrat. Bin gespannt wie die bürgerlichen Frauen politisieren.
    2. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Die FDP hat 11 Sitze "verloren", weil die Anzahl Sitze von 115 auf 100 reduziert wurde.
    3. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      @Felix Meyer: Wenn sie denn zum Zuge kommen. Die Sitzverteilung ist nämlich spannend: 48 linke Parteien, 48 rechts-liberale Parteien, 4 die "Mitte"
    4. Antwort von Felix Meyer  (gegen unwahre Wahrheit)
      Frau Bleuer, was meinen Sie damit "wenn sie denn zum Zuge kommen". Diese bürgerlichen Frauen werden wohl eine Meinung haben und diese vertreten. Mich interessiert, ob sie gleich wie ihre männlichen Parteikollegen argumentieren, oder ob sie in bestimmten Themen eine eigene Linie fahren. Ob sie sich durchsetzen können, ist genau so offen wie bei den anderen Parteien.