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Fluglotsen-Prozess Haftet Fluglotse für Beinahe-Kollision am Zürcher Flughafen?

Ob der Fluglotse fahrlässig gehandelt hat, wird ab Dienstag vor dem Obergericht verhandelt.

Legende: Video Wer ist Schuld an der Beinahe-Kollision am Zürcher-Flughafen? abspielen. Laufzeit 01:01 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 27.11.2018.

Ein Fluglotse des Flughafen Zürichs muss sich heute Dienstag vor dem Zürcher Obergericht verantworten, weil er im Jahr 2011 zwei Flugzeugen gleichzeitig eine Starterlaubnis erteilte, was beinahe zu einem Crash der Maschinen geführt hätte. Die erste Instanz hatte den Fluglotsen noch freigesprochen, die Staatsanwaltschaft hat den Fall aber weitergezogen – und fordert eine Verurteilung wegen fahrlässiger Störung des öffentlichen Verkehrs.

Der Vorfall im Detail

Es ist der 15. März 2011, kurz vor Mittag, als es zum Fehler kommt: Ein Fluglotse von Skyguide erteilt SWR 1326, einem Airbus der Swiss mit dem Zielflughafen Moskau, Starterlaubnis. An Bord sitzen 127 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder. Piste 16 ist für die Maschine freigegeben, die Besatzung quittiert und leitet den Startlauf ein.

Nicht einmal eine Minute später erteilt der Fluglotse einer anderen Swiss-Maschine Starterlaubnis, der SWR 202W mit Ziel Madrid. Es sind 127 Menschen an Bord. Das Flugzeug wartet auf der Startposition auf Piste 28, quittiert nun die Freigabe und leitet ebenfalls den Startlauf ein. Die Piste 28 kreuzt die Piste 16.

Beinahe-Kollision am Flughafen

42 Sekunden später bemerkt die Besatzung SWR 202W die sich von rechts annähernde SWR 1326 und leitet einen Startabbruch ein, knapp zwei Sekunden später kommt der Startabbruch-Befehl auch vom Fluglotsen. Das Flugzeug kommt zum Stillstand, das andere hebt ab, ohne dass von dessen Besatzung die brenzlige Situation überhaupt registriert wird.

Legende: Video Startabbruch im letzten Moment abspielen. Laufzeit 00:15 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.11.2018.

Ist es an diesem Märztag vor sieben Jahren beinahe zur Katastrophe am Flughafen Zürich gekommen? Davon geht die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland aus. Durch die Einwirkung von Luftströmen hätte ein Flugzeug ausser Kontrolle geraten können, wenn beide den Start gleichzeitig fortgesetzt hätten, schreibt sie in ihrer Anklageschrift – dies hätte mit grosser Wahrscheinlichkeit Tote und Verletzte zur Folge gehabt. Im schlimmsten Fall hätte es gar zu einer Kollision der Maschinen kommen können.

Legende: Video Einschätzung des SRF-Zürich-Korrespondenten abspielen. Laufzeit 00:22 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.11.2018.

Gleichzeitig geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Beschuldigte Fluglotse die Sorgfaltspflicht missachtet und seine Aufgabe der ununterbrochenen Beobachtung nicht wahrgenommen hat. Sie fordert wird eine Geldstrafe von 18'000 Franken.

Skyguide sieht Fehlerkultur in Gefahr

Das Bezirksgericht Bülach sah dies im Dezember 2016 anders und sprach den Fluglotsen frei – das komplizierte Betriebskonzept des Flughafens Zürich mit gekreuzten Pisten sei mitverantwortlich für den Zwischenfall. Dies freut Skyguide-Sprecher Vladi Barrosa: «Wir pflegen eine gelebte Sicherheitskultur. Es geht darum, dass Lotsen gemachte Fehler von sich aus melden und sie dann dafür auch nicht bestraft werden, wenn sie nicht fahrlässig oder mutwillig gehandelt haben». Er hofft deshalb auch auf einen Freispruch vor Obergericht.

Legende: Video Skyguide-Sprecher Barrosa über die Fehlerkultur bei Fluglotsen abspielen. Laufzeit 00:19 Minuten.
Aus News-Clip vom 26.11.2018.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Kurt Häfliger (kurto1956)
    Faktisch stellen sich mir folgende Fragen: Wenn man schon gekreuzte Pisten baut, wohl aus Zwangslagen wie Landverbrauch, Lärmregime etc., so fragt man sich, wieso es mit den heutigen technischen Mitteln offenbar nicht möglich ist, dass bei gleichzeitiger Starterlaubnis ein Warnsystem dies unterbindet!? Wenn man ja aus Skygide-Gründen was lernen will, so sollte man dies doch vorher und nicht nach einer Fast-Katastrophe tun - nachher ist man meistens klüger aber in so einem Fall...!? Sicherheit?!
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  • Kommentar von Stefan Huwiler (huwist)
    Aus meiner Sicht gehört hier - wenn überhaupt - das Unternehmen Skyguide bestraft. Dieses hat dafür zu sorgen, dass seine Fluglotsen korrekt arbeiten und diese bei Fahrlässigkeiten zu korrigieren, im Extremfall zu entlassen. Im Nachhinein den Mitarbeiter vor Gericht zu zerren, der einen Fehler gemacht hat, führt lediglich dazu, dass die sich gerade erst etablierende Kultur Fehler zu kommunizieren und daraus zu lehren, geschwächt wird.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    In einem Land das immer mehr Strafen und Bussen verteilt, anstatt die Ursachen zu bekämpfen lässt es sich nur noch schwer frei leben. Nicht genug das man verdeckt Behinderte und Schwache bespitzeln lassen will, man wird nicht müder jeden und alles vor den Richter zu ziehen. Wird die Schweiz dadurch besser? Kaum. Vor allem aber sinkt die Lebensqualität und die Freiheit. So eine Schweiz wünschen sich nur Politiker und frustrierte Bürger.
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    1. Antwort von Hans Fürer (Hans F.)
      Welch merkwürdige Ansicht, dass die Lebensqualität und die Freiheit in der Schweiz sinken soll, weil bei starkem Verdacht ein möglicher Sozialbetrug abgeklärt wird!
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