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Schweiz Förster wollen Rehjagd forcieren – doch Jäger machen nicht mit

Im Wald hat es zu viel Wild: Das kritisieren Förster und Waldbesitzer. Das Wild fresse die Jungbäume weg und verursache Millionenschäden. Sie fordern deshalb mehr Abschüsse. Doch die Jäger weigern sich, die Wälder leerzuschiessen und wollen Bambi & Co. nicht in diesem Ausmass dezimieren.

Legende: Video Krach im Wald: Förster gegen Jäger abspielen. Laufzeit 11:08 Minuten.
Aus Rundschau vom 26.10.2016.

«Unser Wald ist das Futterbuffet für die Rehe», kritisiert der Förster Stefan Flückiger in der «Rundschau» die hohen Wildbestände im Kanton Bern. «Wir fordern, dass deutlich mehr Tiere geschossen werden», so der Geschäftsführer der Berner Waldbesitzer. Rehe und Hirsche seien schliesslich keine vom Aussterben bedrohten Tierarten. Und die Berner Jäger würden seit Jahren die vorgegeben Abschusszahlen nicht erfüllen.

Jäger wollen die Wälder nicht leerschiessen

«Wir wollen nicht mit dem Vollernter in den Wald rein und auf alles schiessen», sagt demgegenüber Lorenz Hess. Der Präsident der Berner Jäger und BDP-Nationalrat findet die Aussagen der Waldbesitzer übertrieben. Die Rehbestände im Kanton Bern seien stabil. Das Thema werde von den Waldbesitzern «hochstilisiert», so Hess.

Zu den Forderungen nach massiv mehr Abschüssen sagt der Jägerpräsident: «Das würde heissen, eine Tierart massiv zu dezimieren. Oder ich frage mich, ob das Endziel ist, sie ganz zu eliminieren?»

Förster fordern effizientere Jagd und weniger Folklore

In der Schweiz leben rund 120'000 Rehe und 35'000 Hirsche. Für die Waldbesitzer viel zu viele. Stefan Flückiger vom Verband der Berner Waldbesitzer sagt, mit den heutigen Wildbeständen könne sich der Wald nicht mehr natürlich verjüngen. Und die Jungbäume vor Verbiss zu schützen sei extrem teuer.

Die Jagd wie sie heute betrieben werde zu wenig effizient und zu folkloristisch. «Wir brauchen ein echtes Wildtiermanagement», so Flückiger.

Emotionaler Streit im Wald

«Wir wollen keine Wildtiermanager und auch keine Schädlingsbekämpfer sein», sagt Jägerpräsident Hess zu diesen Forderungen. Die Berner Jäger würden nach waidmännischer Art jagen und nicht einfach möglichst viel Tiere erlegen. Für die Jäger dürfen die Wildtiere nicht einfach als Schädlinge betrachtet werden. Schliesslich seien die Wälder die Lebensräume dieser Tiere und der Wald gehöre nicht einfach der Forstindustrie mit ihrem Profitdenken.

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Mattias Wieland (mattiaswieland@hotmail.com)
    Geschaetzte 155'000 Rehe und Hirsche in der Schweiz, gegenueber 8 Millionen Menschen, da sollte man meinen, dass der Wald dies verkraften kann, ohne dass der Mensch mit der Brechstange angreift.
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  • Kommentar von Thomas Laube (Thomas Laube)
    Die Ursachen für den Verbiss sind oftmals nicht zu grosse Schalenwildbestände, sondern der Mensch. Tourismus und Freizeitsport nutzt die Wälder für ihre Erholung (z.B. Gleitschirme, Biker, Schneeschuhwanderer, Variantenskifahrer, Geocacher). Diese Störungen führen bei den Wildtieren zu unnötigen Fluchtsituationen und diese brauchen Energie. Diese Energie wird oft mit Verbiss oder Schälschäden kompensiert. Im Winter verenden Wildtiere wegen den zahlreichen Störungen durch den Menschen. .
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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Mit Wolf & Luchs würde das Problem auf natürliche Weise gelöst. Aber eben, so kommt es halt, wenn natürliche Feinde des Rotwild systematisch ausgerottet werden, es für Jäger spannender ist, auf einen Wolf Jagd zu machen, statt auf Rotwild zu schiessen.
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    1. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Dann könnte man aber keinen Kommerz draus machen. Einheimisches Wild, das letztlich auf unseren Tellern landet, ist lukrativ (und zweifellos lecker). Fuchs und Wolf? Papperlapapp, heute geht es um "kaufen, kaufen, kaufen"! Ihr wollt das alle so, ihr zeigt es immer wieder an der Urne!
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    2. Antwort von Hans Schneider (H.Schneider)
      Es werden pro Jahr in der Schweiz ca. 11000 Stück Rotwild ca. 42000 Stück Rehwild ca. 10000 Stück Schwarzwild erlegt. Da brauchen Sie aber viele Luchse und Wölfe...und das bis in die Vororte von Zürich. Ehrlich: Wie stellen Sie sich das vor?
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    3. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Diese Überpopulation an Rotwild & Co. gibt es eben erst durch die Ausrottung von Wolf, Luchs & Bär. Nachgewiesen ist, dass überall dort, wo diese natürlichen Feinde des Rotwild usw. noch angesiedelt sind, es eben nicht zur Überpopulationen kommt.
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    4. Antwort von Hans Schneider (H.Schneider)
      @E. Waeden: Sie wollen, und können, offenbar nicht auf meine Frage antworten.
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