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Die Leventina blüht auf
Aus Rendez-vous vom 26.04.2021.
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Folgen der 2. Gotthardröhre Die Leventina hofft auf eine Wiedergeburt

Die Lebensqualität im nördlichen Tessiner Tal soll besser werden – und damit auch neue Einwohner anziehen.

Noch ist die Dorfstrasse von Airolo menschenleer. Doch die Stunden der Stille sind gezählt – «dank dem Bau der zweiten Gotthard-Autobahnröhre», sagt der langjährige ehemalige Gemeindepräsident von Airolo, Franco Petrini. Er steht zwischen Autobahn und Bahnhof.

Noch sei dieses Gelände mit Strassen und Viadukten verbaut. Doch der Bau der zweiten Autobahnröhre ermögliche es, dass Airolo aufgewertet werde. Denn mit dem Aushubmaterial des Tunnels erhält die Autobahn hier einen kilometerlangen Deckel. «Unser Dorf erhält so viel mehr Platz», sagt Petrini.

Naturpark statt Autobahn

100 Millionen Franken lassen sich Bund und der Kanton Tessin diesen Autobahndeckel kosten. Petrini erzählt von den Plänen, wie dieser Raum künftig genutzt werden soll.

Ein Naturpark inklusive See soll daraus werden. «Im Winter kann man langlaufen – ein Entspannungsort für uns und für die Touristen.» Auf der anderen Seite Richtung Gotthardmassiv gibt es Platz für neue Gebäude wie eine Turnhalle oder eine Wellness-Anlage.

Tunnelarbeiter wohnen in Airolo

Die Gemeinde Airolo verwandelt sich in den nächsten Jahren – und sie wolle aktiv an dieser Verwandlung mitgestalten, betont Petrini. So habe man mit dem Bund ausgehandelt, dass der Grossteil der Arbeiter der zweiten Gotthardröhre bis zur Fertigstellung in rund acht Jahren in einem leerstehenden Hotel untergebracht werden soll.

Achtjährige Bauarbeiten

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Leventinaq.
Legende: Blick in Richtung Leventina von der Gotthard-Passstrasse aus. Imago

Der Gotthard-Strassentunnel ist in die Jahre gekommen und braucht eine umfassende Instandsetzung. Damit die wichtige Strassenverbindung auch während der Sanierung offenbleiben kann, wird eine zweite Tunnelröhre gebaut. Die Vorarbeiten dazu sind bereits in Gang, ab 2022 kommt die Tunnelbohrmaschine zum Einsatz. In Betrieb geht die zweite Gotthard-Autobahnröhre voraussichtlich 2029. Danach steht die Instandsetzung der ersten Röhre an. Ab 2032 stehen dann beide Tunnel zur Verfügung. Pro Richtung soll allerdings stets nur eine Fahrspur offen sein, die Verkehrskapazität durch den Gotthard wird also nicht erhöht, dank dem Einbahn-Verkehr wohl aber die Sicherheit.

«Es ist doch schade. Baracken aufzustellen, die danach wieder abgerissen werden – wenn wir hier leerstehende Gebäude haben», sagt Petrini. Wenn die Arbeiten am Tunnel 2022 so richtig losgehen, werden deshalb bis zu 300 zusätzliche Personen in Airolo leben. Sie werden dort einkaufen und essen, ist Petrini überzeugt. «Wir hoffen, dass wir dadurch auch ein paar neue Arbeitsplätze schaffen können.»

Faido liegt 20 Zugminuten südlich von Airolo. Auch hier stellt sich die Frage, wie es gelingt, neue Arbeitsplätze zu schaffen, damit die Menschen im Tal bleiben oder gar neue hinzukommen.

Der ehemalige langjährige Gemeindepräsident Roland David sagt, gewisse staatliche Arbeitsplätze könnten hierher verlegt werden, zum Beispiel Universitätsinstitute. Aber: «Wir wollen keine Industrie, die die Natur hier möglicherweise beeinträchtigt.»

Es geht aufwärts in Faido

David ist oberster Förster des Tessins. Die noch intakte Natur rund um Faido und die Tatsache, dass es hier untypisch für das Tessin kaum Zersiedelung gibt, sei der Trumpf der Gemeinde. In den letzten Jahren seien vermehrt wieder Familien nach Faido gezogen. «Hier ist der Wohnraum günstig und Lärm gibt es nur wenig. Faido soll ein Ort sein, um zu verweilen», sagt David. «Ein Ort mit hoher Lebensqualität.»

Der Werbespruch Davids scheint bereits ein Echo gefunden zu haben: «Wir haben keinen Bevölkerungsschwund mehr. Wir mussten sogar zwei neue Schulklassen schaffen», sagt der frühere Gemeindepräsident. Das seien klare Zeichen, dass es aufwärts gehe.

Es gibt Bewegung in der Leventina: Gut sichtbar ist das auch am Bau der neuen Eishalle Valascia direkt neben der Autobahn in Piotta. Denn die Eishalle des legendären Eishockey-Clubs Ambri-Piotta soll mehr sein als eine Eishalle. Sie soll künftig auch Eventhalle für Konzerte sein – so sollen Menschen in die Leventina gelockt werden, die in diesem Tessiner Bergtal möglicherweise noch gar nie Halt gemacht haben.

Rendez-vous, 26.04.2021, 12.30 Uhr

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Mehr Einwohner - mehr Menschen - mehr Ansprüche. Ist das zu Ende gedacht?
    1. Antwort von Andi Raschle  (aras)
      Herr Müller: Haben Sie sich die Gemeinden der Leventina einmal genau angeschaut? Sehr viele Einheimische wandern einfach wegen fehlenden wirtschaftlicher Perspektiven in Städte ab. Dafür zahlen dann Städte wie Locarno, Lugano und Bellinzona einfach einen hohen Preis.
    2. Antwort von jean-claude albert heusser  (jeani)
      Herr Müller, haben sie auch schon etwas von Entvölkerung in den Tessiner Bergregionen gehört?
      Genau dies muss verhindert werden sonst haben wir in der Zukunft ein "Natur Reservat ohne menschliches Leben" und das kann es ja auch nicht sein oder?
    3. Antwort von Martin J. Pérez  (MJP)
      @aras & jeani

      Abwanderung ist leider ein grosses Problem in vielen Berg-& ländlichen Gebieten.
      Ich denke nicht, dass eine zweite Gotthardröhre dem entgegenwirken oder die Attraktivität der Orte an der Gotthardroute grundlegend steigern wird. Weder auf Tessiner noch auf Urner Seite.
      Sie wird zweifelsfrei mehr Verkehr bringen, weshalb deswegen aber langfristig mehr Menschen in den kleinen Gemeinden anhalten oder gar zuziehen sollten erschliesst sich mir nicht.
      In Faido sind es andere Gründe.