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Viele Arbeiter müssen Lohnkürzungen in Kauf nehmen, viele werden entlassen
Aus Espresso vom 05.05.2020.
abspielen. Laufzeit 03:55 Minuten.
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Folgen des Shutdowns Blumenpflückerinnen in Afrika ohne Arbeit und Lohn

Wochenlang konnte man wegen des Shutdowns bei uns kaum Blumen kaufen. Das hat auch in Afrika gravierende Folgen.

Auf Blumenplantagen in Afrika arbeiten Zehntausende Pflückerinnen und Pflücker. Wegen des Shutdowns in Europa ist der Absatz der afrikanischen Farmen um über zwei Drittel eingebrochen. Die Folge: Die Angestellten haben viel weniger oder gar keine Arbeit mehr. Allein auf Blumenplantagen, die für Fairtrade Max Havelaar produzieren, arbeiten rund 60'000 Menschen. Die Blumenverantwortliche von Fairtrade Max Havelaar, Melanie Dürr, schildert im Interview mit dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» die Situation der Betroffenen.

Melanie Dürr-Koller

Melanie Dürr-Koller

Senior Business Development Manager bei Fairtrade Max Havelaar

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SRF Espresso: Frau Dürr, wie geht es den Arbeiterinnen und Arbeitern auf den Blumenplantagen in Afrika?

Melanie Dürr: Die meisten Arbeiter müssen Lohnkürzungen in Kauf nehmen, teilweise bis zur Hälfte. Oder sie werden in unbezahlten Urlaub geschickt oder sogar ganz entlassen. Wenn man die Region Naivasha in Kenia gesamthaft betrachtet, sind dort 50'000 Blumenarbeiterinnen und -arbeiter entlassen worden. Die Gewerkschaften haben dem sogar zugestimmt. Denn wenn man die Farmen zwingt, die Pflückerinnen und Pflücker weiterhin zu bezahlen, gehen sie Konkurs und die Arbeitsplätze sind langfristig verloren.

Ihre dringendsten Probleme sind jetzt Hunger und medizinische Versorgung.
Autor: Melanie DürrFairtrade Max Havelaar

Was bedeutet das für die Angestellten? Staatshilfe wie bei uns erhalten sie ja keine…

Genau. Ihre Löhne ermöglichen es ihnen nicht, etwas für schlechte Zeiten auf die Seite zu legen. Das heisst, ihre dringendsten Probleme sind jetzt Hunger und medizinische Versorgung.

Was hat Fairtrade Max Havelaar unternommen, um bei den Farmen und den Angestellten die Folgen der Corona-Krise zu mildern?

Max Havelaar und Fairtrade International mussten innehalten. Wir mussten weg von Themen wie Gleichstellung von Mann und Frau, Lohnerhöhungen oder Umweltschutz, hin zu tatsächlicher Nothilfe. Das konnten wir mit dem Instrument der Fairtrade-Prämie machen. Diese wird mit jeder Blume direkt an die Blumenarbeiter bezahlt. Diese können demokratisch entscheiden, wie sie die Prämie einsetzen wollen. Bis jetzt wurde sie in Schulbildung für die Kinder, Weiterbildung für die Arbeiter oder in Infrastruktur, wie Brunnen, investiert. Jetzt wird sie zu 100 Prozent in bar oder in Form von Essen direkt an die Arbeiter verteilt. Oder sie wird für Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus verwendet. Diese Sonderregelung konnten wir in unserem System einführen, um den Arbeitern direkt und schnell zu helfen.

In allen Kanälen müssen wieder Schnittblumen in grossen Mengen verkauft werden können.
Autor: Melanie DürrFairtrade Max Havelaar

Das ist die kurzfristige Hilfe. Was muss geschehen, damit sich die Situation auf den Blumenfarmen in Afrika langfristig wieder verbessert?

In allen Kanälen müssen wieder Schnittblumen in grossen Mengen verkauft werden können. Es braucht aber auch eine gesteigerte Nachfrage, damit sich die Farmen finanziell erholen und die Arbeitsplätze langfristig gesichert werden können.

Das heisst, was wir Konsumentinnen und Konsumenten dazu beitragen können, ist Blumen zu kaufen…

Genau. So kann man sich nicht nur selber eine Freude machen oder dem Beschenkten, sondern auch wirklich den Arbeiterinnen und Arbeitern vor Ort helfen.

Das Interview führte Oliver Fueter.

Espresso, 05.05.20, 08:13 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben, weil ich nur einmal im Jahr Schnittblumen kaufe bei der Stadtgärtnerei kaufe?
    Max Havelaar und Fairtrade International ist so nachhaltig wie diese Zürcher Firma, die modische Handtaschen aus LKW-Planen in Fernost herstellen lässt.
    Wann kommt die Senior BDM endlich mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell, das eben nicht alles verschlimmbessert, ihr aber auf den ersten Blick ein gutes Image einbringt.
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    1. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Von der Webseite entnehmen Sie, dass es mehrere Senior BDM-Positionen gibt, dann noch mehrere BDM-Positionen. Ich suchte noch nach Junior BDM oder Assistant BDM aber nix gefunden. Es ist also ein BDM-Team, welches das Kerngeschäft im möglichst grossflächigen Verkauf der Ware definiert. Im CV tönt das gut.
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    2. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Frau Fitz, bei Schnittblumen aus Afrika is nix mit development, egal auf welcher Karrierestufe
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  • Kommentar von Mike Steiner  (M. Steiner)
    "In allen Kanälen müssen wieder Schnittblumen in grossen Mengen verkauft werden können." - Klar, vor allem aus Afrika, wo man mit grossen Mengen Pestiziden die Waren billigst auf Kosten der Umwelt produziert. In den Augen vieler linker Exponenten sind wir wahrscheinlich zum Schluss noch schuld an beidem: beschädigter Umwelt und arbeitslosen Menschen in Afrika... Ich persönlich kann beides nicht mehr hören. Aufhören mit der Produktion dort!
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    1. Antwort von Dora Mayer S.  (do-ma)
      tja, und was bieten Sie diesen Menschen für Beschäftigung an? Vielleicht möchten die Afrikaner auch Smartphones oder elektronische Erzeugnisse kaufen, die importiert werden. Dazu muss der Käufer aber ein Einkommen haben. Das SRF zeigt, wie verzahnt die ganze Wirtschaft resp. Erwerbstätigkeiten zusammenhängt. Aber ich stelle mit Erschütterung fest, dass viele noch immer nicht wissen: keine Arbeit, kein Einkommen, kein Kauf von Güter, ob für den Lebensunterhalt wichtig, oder nur "nice to have".
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    2. Antwort von Mike Steiner  (M. Steiner)
      Frau Meyer, ist das unsere Aufgabe? Ich glaube, kaum. Afrika muss gelernt haben, nach 50 Jahren Entwicklungszusammenarbeit selbstgetrieben auf die Beine zu kommen. Ich verwahre mich, dass wir hier immernoch für alles und jedes, was dort im Argen liegt, verantwortlich sein sollen.
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    3. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Frau Mayer, der springende Punkt ist, dass sehr viele Bürger der westlichen Hemisphäre ein völlig falsches Bild über die 3. Welt haben. Keine Smartphones? Googeln Sie doch bitte, schauen Sie sich doch Dokumentarfilme über diese Kontinente an. Die Megacities mit Wolkenkratzer, Magnetbahnen und Business Districts stellen uns, die Schweiz, in den Schatten. Meinen Sie, wären diese Wirtschaftsteilnehmer nicht in der Lage ihre Armen zu versorgen? Da irren Sie sich. Es liegt nicht an uns.
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    4. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Frau Fitzi und Herr Steiner, die Zeitungen sind (in norm. Zeiten) voll mit Berichten darüber, wie sich westl. Firmen auch heute noch auf Kosten von Mensch und Natur schamlos bereichern. Während einige konsequent die Fehler der Afrikaner ausblenden, was Sie gern kritisieren können, blenden Sie eben konsequent aus, wie unser Wohlstand mit fragwürd. Geschäften zu tun hat. Frau Fitzi, gehen Sie mal nach Nairobi. Dann sehen Sie nicht nur das schmucke Businesszentrum, sondern auch die Slums darum.
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    5. Antwort von Manuela Fitzi  (Mano)
      Herr Kleffel: Dann sollten doch genau diese Firmen zur Verantwortung gezogen werden. Und dann noch Regierungen, welche krumme Geschäfte nicht gesetzlich unterbinden. Trotzdem erschliesst mir nicht, wieso wir für die Armut ausgerechnet auch noch der Blumenpflückerinnen verantwortlich sein sollten. Das steht doch in keinem Zusammenhang mit den genannten Konzernen, sondern einzig mit unserer Kauflust. Und, mit Verlaub, wenn eine ganze Nation plötzlich keine M.Havelaar-Rosen kauft, so what?
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    6. Antwort von Krebs Alfred  (A.Santiago)
      Herr Steiner, solange Europa die Afrikanischen Länder ausbeutet, kann man ihre Frage klar mit Ja beantworten. Ich glaube, dass die Arbeiter in den Blumenfelder zuerst einmal an den Kauf von Esswaren denken, bevor sie Elektrogeräte kaufen.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi  (Mano)
    Ich finde solche Artikel sehr gut, um die Zusammenhänge des globalen Wirtschaftens aufzuzeigen. Denn immer noch gibt es reichlich Meinungen hierzulande, dass unser Luxuskonsum radikal gedrosselt werden müsste. Nun fragt man sich, wie wir diese Besinnung auf das Nötigste erreichen wollen, wenn ein grosser Teil der 3. Welt gerade von unseren an sich unnötigen Käufen (Blumen aus Afrika, Fast Fashion, Tourismus usw.) abhängt. Zudem müssten wir dabei an nähere Länder, wie Ost-&Südeuropa denken.
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    1. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      @Frau Fitzi, glauben Sie nich auch es kommt beim "Luxus" darauf an wie man diesen definiert und wer wie diese künstlich generierte Nachfrage am Laufen hält? Beispiel: Ein Strauss Baccara-Rosen aus einem Vorort von Nairobi ist sicher Luxus und ein ökologisches Desaster. Ein dekoratives Trockengesteck aus heimischen Pflanzen/ eine Topfpflanze könnte dem Schnittblumen-Irrsinn Einhalt gebieten.
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    2. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      Und hinzu kommt, dass hierzulande viele Menschen sich wirtschaftliche Sorgen machen. Wer den Arbeitsplatz verliert oder den in Gefahr sieht, wird kaum Unnötiges konsumieren.
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