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Diagnose Long Covid: Das Leiden der Langzeitpatienten
Aus Rundschau vom 03.02.2021.
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Fragen aus der SRF-Community Studie zu Long Covid: Sind 400 Personen repräsentativ?

Ein Viertel der Corona-Infizierten kämpft mit Langzeitfolgen: Diese Studie aus Zürich, über die SRF am Mittwoch berichtete, sorgte für viele Reaktionen. Studienleiter Milo Puhan beantwortet die wichtigsten Fragen aus der Community.

Milo Puhan

Milo Puhan

Epidemiologe

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Milo Puhan (* 1975) ist seit 2013 Professor für Epidemiologie und Public Health an der Universität Zürich und Direktor des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention. Puhan ist Mitgründer der Corona Immunitas Initiative, Link öffnet in einem neuen Fenster, die die nationalen Bemühungen der Schweiz zur Bestimmung der SARS-CoV-2-Immunität der Allgemeinbevölkerung sowie von gefährdeten Bevölkerungsgruppen und spezifischen Berufsgruppen mit hohem Infektionsrisiko vereint.

Ist diese Studie repräsentativ – kann man von 437 Probanden auf 300'000 mögliche Fälle schliessen?

Die Studie ist so repräsentativ, wie wir es erreichen konnten. Wir haben alle gemeldeten Corona-Fälle im Kanton Zürich, für welche die Kontaktangaben vorhanden waren, zur Befragung ausgewählt. Ob ein Resultat repräsentativ ist, ist nicht primär eine Frage der Anzahl Teilnehmer, sondern, wie man die Stichprobe auswählt – und dass dann möglichst viele auch mitmachen. Wenn es darum geht herauszufinden, wie viele Menschen betroffen sind, macht man immer eine Hochrechnung, weil man ja nicht alle untersuchen kann.

Wirkt sich eine grössere Stichprobe nicht auch auf die Prozentzahl aus?

Nein. Wenn man eine grössere Stichprobe zieht, wirkt sich dies primär auf die Präzision aus, mit der man etwas schätzt. In unserem Fall reicht dieses 95% Vertrauensintervall von 22 bis 30 Prozent, also +/- 4 Prozent um die 26 Prozent. Wählt man eine grössere Stichprobe, zum Beispiel 2000 Personen, würde das Intervall dann zwischen 24 und 28 Prozent Long-Covid-Fällen liegen.

Wann spricht man von Long Covid?

Es gibt bisher keine einheitlichen Kriterien. Zum einen gibt es die zeitliche Komponente. Eine Genfer Studie, die hospitalisierte Covid-Patienten untersuchte, sprach ab einer Dauer von sechs Wochen seit Krankheitsausbruch von Long Covid. Andere Studien nehmen eine Dauer von drei oder sechs Monaten als Referenzpunkt. Wir finden, man muss ein bisschen warten, weil Beschwerden nach viralen Erkrankungen noch eine Weile auftreten können. Daher sollten die Symptome aus unserer Sicht nach mindestens drei (Definition NHS der UK) oder sechs Monaten noch bestehen.

Zum andern kann man Long Covid anhand der Symptome definieren. Es ist aber gar nicht einfach, die Symptome zu erfassen, weil man nicht genau weiss, ob sie schon vor der Infektion da waren, weil sie schwanken, verschwinden und plötzlich wieder auftreten können. Deshalb haben wir die Teilnehmenden in unserer Studie gefragt, ob sie zu ihrem Gesundheitszustand vor der Infektion zurückgekehrt sind. Und das spüren die Menschen meistens ziemlich gut.

Symptome von Long Covid können sich mit anderen Krankheitsbildern überschneiden. Kann man die Ursachen differenzieren?

Man kann es, wenn die Symptome erst seit der Infektion auftreten. Natürlich gibt es bei gewissen Symptomen Überlappungen. Fatigue kommt aber nur selten vor, wenn man keine Krankheit wie Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen hat. Depressive Symptome wiederum kommen natürlich auch ohne Corona-Infektion vor. Während der Pandemie haben auch Nicht-Infizierte depressive Symptome, weil es eine belastende Situation ist.

Wir sind jetzt daran herauszufinden, was durch eine Infektion dazukommt. 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung in der Schweiz erkrankten vor der Pandemie an einer Depression. Schätzungen gehen während der Pandemie von einem etwas höheren Anteil – in der Gesamtbevölkerung, also auch bei nicht Erkrankten – aus, vielleicht 12 bis 16 Prozent. Und in unserer Studie sagten 30 Prozent der positiv auf Corona getesteten Personen, sie würden an depressiven Symptomen leiden. Dies beinhaltet allerdings auch milde Symptome. Weitere Untersuchungen werden zeigen, wieviele Personen durch eine Coronavirus-Infektion zusätzlich an solchen Symptomen leiden.

Hier finden Sie Hilfe in der Corona-Zeit

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Corona beschäftigt uns alle. Unten finden Sie eine Liste mit Hotlines und Ratgebern rund um Corona.

BAG Infoline Coronavirus, Link öffnet in einem neuen Fenster: 058 463 00 00 (täglich 6 bis 23 Uhr)

BAG Infoline Corona-Impfung, Link öffnet in einem neuen Fenster: 058 377 88 92 (täglich 6 bis 23 Uhr)

Dureschnufe, Link öffnet in einem neuen Fenster: Plattform für psychische Gesundheit rund um das neue Coronavirus

Angst und Panikhilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline: 0848 801 109 (10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr)

Eltern-Notruf Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline: 0848 35 45 55 (24x7)

Pro Juventute, Link öffnet in einem neuen Fenster, Hotline für Kinder- und Jugendliche: 147 (24x7)

Schweizer Sorgen-Telefon, Link öffnet in einem neuen Fenster: 143 (24x7)

Suchthilfe Schweiz, Link öffnet in einem neuen Fenster: Hotline für Jugendliche im Lockdown 0800 104 104 (Di. bis Do. 9 bis 12 Uhr)

Branchenhilfe.ch, Link öffnet in einem neuen Fenster: Ratgeberportal für Corona betroffene Wirtschaftszweige

Rundschau, 3.2.2021, 20:05 Uhr;

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Das ist heutige Wissenschaft. Sobald an Themen geforscht wird die im Moment hype sind sinkt die Qualität der Studien rapide ab, da weder die Zeit noch die Ressourcen bestehen wirklich grundlegende Forschung zu betreien. Ein schnelles und lautes paper und raus an die Medien! Erfüllt.
    Es läuft im Umweltbereich momentan nicht anders, es fehlt überall an der nötigen Sorgfalt und Tiefe. Schlagzeilen dominieren den Diskurs. Schade für die Wissenschaft.
  • Kommentar von Ivano Boesch  (iboesch)
    Was ist eigentlich mit all den gesunden und nicht infizierten Menschen, die massiv von diesem Lockdown und von der seit fast einem Jahr anhaltenden sagen wir mal schwierigen und aussergewöhnlichen Situatuon leiden... psychisch, fianziell, gesundheitlich, zwischenmenschlich... es interessiert einfach keinen.
    1. Antwort von Katharina Bleuer  (Blk)
      Die Uni Basel macht seit fast einem Jahr eine Langzeitstudie zu den Auswirkungen der Pandemie auf die psychische Gesundheit.
    2. Antwort von Hans Meuri  (hmeuri)
      Darüber gab/gibt es immer wieder Berichte auf SRF und den Printmedien.
  • Kommentar von Peter König  (Vignareale)
    400 sind 400 zu viel, also impfen und impfen ist doch keine Forschung nötig