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Legende: Audio Markus Ritter: «Wichtig für die Schweizer Bauern ist der Grenzschutz» abspielen. Laufzeit 04:22 Minuten.
04:22 min, aus Rendez-vous vom 17.05.2019.
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Freihandel mit den USA «Wir konzentrieren uns vor allem auf Käse»

Ende 2006 scheiterten die bereits weit fortgeschrittenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit den USA am Widerstand der Schweizer Bauern. Sie hatten Angst, billigere US-Produkte würden den Schweizer Markt zerstören. Nun hat US-Präsident Donald Trump Bundespräsident Ueli Maurer ein neues Abkommen angeboten. Markus Ritter, Präsident des Bauernverbandes, ist vorsichtig: Er möchte mitreden.

Markus Ritter

Markus Ritter

Präsident Schweizer Bauernverband

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Der St. Galler Markus Ritter ist Nationalrat (CVP) und präsidiert seit 2012 den Schweizer Bauernverband.

SRF News: Ist Trumps Angebot eine gute Nachricht für die Bauern?

Markus Ritter: Grundsätzlich ist es gut, dass der Bundesrat eingeladen wurde und Gespräche führen konnte. Der Bundesrat hat die Verantwortung, diese Verhandlungen aufzunehmen. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse.

Begeisterung tönt anders...

Wir sind zurückhaltend. Man weiss noch nicht genau, was die Verhandlungen bringen werden. Aber wir sind in einem offenen Dialog und haben mit dem Bundesrat und zuständigen Departement schon Gespräche führen können.

Bei den Gesprächen 2006 waren Sie nicht dabei. Was hat sich seither geändert?

Wir hatten unter Bundesrat Johann Schneider-Ammann mehrfach die Gelegenheit, frühzeitig bei solchen Verhandlungen mit dabei zu sein. Der letzte grössere Erfolg war das Abkommen mit China. Wir erwarten, dass die Interessen aller Wirtschaftszweige miteinbezogen werden, auch die der Landwirtschaft.

Was wäre für den Bauernverband diesmal eine rote Linie?

Wichtig ist, dass wir den Grenzschutz behalten. Das ist eine der wichtigsten agrarpolitischen Massnahmen. Das andere ist die Lebensmittelsicherheit und -qualität. Wir haben sehr hohe Standards und an ihnen wollen wir festhalten.

Der US-Markt ist für Schweizer Bauern nicht sehr interessant.

Die USA haben ein etwas anderes Verständnis von Lebensmittelproduktion. Es wird Sache der Verhandlungen sein, hier gemeinsame Lösungen zu finden.

Die Schweiz schützt die Produkte ihrer Bauern mit Einfuhrzöllen von 35 Prozent. Es ist kaum denkbar, dass die USA diese beibehalten wollen...

Diese Zölle widerspiegeln unser Kostenniveau. In der Schweiz kann keine Landwirtschaft betrieben werden, wenn nicht ein gewisser Grenzschutz besteht. Wir haben gegenüber Baden-Württemberg und Bayern 50 Prozent höhere Kosten für Maschinen, Gebäude und Personal. Wenn es keinen Grenzschutz gäbe, wäre eine rentable Landwirtschaft nicht möglich.

Was wäre die Schmerzgrenze?

Der springende Punkt sind nicht die Durchschnittszölle, sondern dass wir innerhalb der WTO-Zollkontingente – zum Beispiel beim roten Fleisch – vereinbaren, die Mengen nicht weiter zu erhöhen.

Ein Laib Emmentalerkäse, aufgeschnitten
Legende: 2018 ging 37 Prozent des Schweizer Käses ins Ausland, 63 Prozent wurden in der Schweiz verkauft. Der Absatz beim Export wuchs letztes Jahr um 1,4 Prozent. (Quelle: BLW) Keystone

Es ist wichtig, dass die Unterhändler gut verhandeln und Gespräche mit uns führen. Es gibt immer Möglichkeiten, Lösungen zu finden. Das haben wir beim Abkommen mit Indonesien gesehen, als es beim Palmöl schwierig wurde.

Umgekehrt: Wie interessant ist der US-Markt für Schweizer Bauern?

Nicht sehr. Unser Problem ist, dass wir kaum Exporte tätigen, weil wir einen Selbstversorgungsgrad von nur 60 Prozent haben. Wir importieren 40 Prozent der Lebensmittel. Nur vom Käse können wir gewisse Mengen exportieren. Dort haben wir ein gewisses Interesse. In allen anderen Bereichen richten wir uns auf den Schweizer Markt aus.

Gibt es Bauern, die für Nischen in den USA produzieren könnten?

Das ist sicher möglich, aber der US-Markt ist riesengross. Wenn man hier über eine gewisse Zeit Lieferbereitschaft haben will, braucht es gewisse Mengen, und das ist nicht so einfach. Deshalb konzentrieren wir uns vor allem auf Käse. Und daneben – wenn es überhaupt Exportmöglichkeiten gibt – ist der europäische Markt sicher der nähere.

Das Gespräch führte Simon Leu.

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Nico Basler (Bebbi 1)
    So ein Käse aber auch.
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  • Kommentar von Klaus Kreuter (KallePalle)
    Mit dem richtigen Marketing kann das eine Erfolgsstory sondersgleichen werden. UM hat da m.E: grossen Erfolg gehabt und still und heimlich wird es vorwärts gehen. Die Schweiz hat ausser Käse ja auch noch Schoggi und eine stolze und gute Technik in vielen Bereichen. Da kann man sich drauf freuen.
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    1. Antwort von E Hitz (Habo)
      @Kreuter Seit über fünfzig Jahren versuchen Schweizer Exporteure subventionierten Käse aus der Schweiz in den USA zu verkaufen - mit sehr mässigem Erfolg. Werbung und Marketing für ein solche Nischenprodukte in einem 300 Mio Konsumenten Markt waren niemals erfolgreich, geschweige denn profitabel. Aber träumen darf man ja.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Kein Problem. Wenn wir mit den USA im Agrarbereich einen Austausch von Bio-Produkten anstreben, können wir unsere Umwelt- +Tiergerechte Landwirtschaft voll durchziehen! Trump ist ein realistischer Mensch +wird solche Bestrebungen verstehen.Denn auch sein Land will er so "gesund" + "kräftig" wie nur möglich erhalten +führen! Das ist ja der Grund, warum ihn die "Globalisierer" +Wirtschaft-über-alles-Turbos hassen +sich alle Mühe geben um ihn bei so vielen Menschen wie möglich verhasst zu machen!
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    1. Antwort von Arno Zingg (Arno Zingg)
      Woran erkennen Sie, dass Trump ein realistischer Mensch ist? Hat er nicht eher durch unzählige Aussagen und Handlungen seine Realitätsverweigerung demonstriert?
      Und da er hauptsächlich Fast Food zu sich nimmt, sind ihm gesunde Lebensmittel ziemlich egal.
      Trumps ist selber ein Globalisierer und Wirtschaftsturbo - einfach immer nur zu seinem eigenen Vorteil. Schauen Sie mal, was an seinen Trump-Hotels amerikanisch ist, ausser dem Namen so gut wie nichts. Und auch der ist ursprünglich deutsch.
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